Klimabündnis: Solidarität oder Ablasshandel?

Photo: Thomas Netsch via de.wikipedia

Bei der Schondorfer Gemeinderatssitzung am 16. Juli ging es auch um die Frage, ob die Gemeinde dem Klimabündnis beitreten soll. Das Klimabündnis ist laut eigener Definition „ein europäisches Netzwerk von Städten, Gemeinden und Landkreisen, die sich verpflichtet haben, das Weltklima zu schützen.
Es entwickelte sich eine lebendige Diskussion über Sinn und Unsinn dieses Schritts. Die einen sahen darin „ein Zeichen, das wir setzen können“, betonten die Vorbildfunktion der Gemeinde und regten an, die Mitgliedschaft als Baustein des kommenden Landkreis-Klimaschutzkonzeptes zu sehen. Wie erwartet gab es auch kritische Stimmen. „Ich wäre dafür, wenn nur ein einziges konkretes Ergebnis in Sicht wäre“, aber so lasch wie die Vorgaben sind, bringe es nichts. Das sei ein bisschen wie Ablasshandel.
Am Ende wurde der Antrag abgelehnt, der Gemeinderat will sich aber wieder mit dem Thema beschäftigen wenn das Klimaschutzkonzept des Landkreises steht.

Ich habe mich dann ein bisschen über das Klimabündnis schlau gemacht und war von den Ergebnissen doch überrascht.

CO2 Emissionen alle 5 Jahre um 10% senken

Magdeburg: Konstante C=2 Emissionen trotz Klimabündnis

Ich hatte eigentlich erwartet im Netz eine Menge Erfolgsgeschichten von Klimabündnis-Gemeinden zu finden. Von wegen. Die Suche war langwierig und zäh. Natürlich finden sich genug Einträge in denen Städte und Kommunen stolz verkünden, dass sie jetzt auch im Klimabündnis mitmachen. Nur bei den Ergebnissen wird es arg dünn.
Zahlen fand ich nur bei wenigen Städten, z.B. Bonn. Dort hat man den CO2 Ausstoß tatsächlich um 9,9% auf 2,5 Mio t gesenkt. Allerdings nicht in 5 sondern in 20 Jahren (1990 – 2010). Laut der freiwilligen Selbstverpflichtung müsste man inzwischen bei schon 1,5 Mio t sein.
Nächstes Beispiel Magdeburg: In den ersten fünf Jahren sank der CO2-Ausstoß von 2,7 auf 1,6 Mio t (1998). Ab dann blieb der Wert aber für die nächsten 10 Jahre unverändert. Für die Zeit nach 2007 fand ich gar keine Zahlen mehr. Mainz ist ähnlich stabil. Der Rückgang von 2,2 Mio t 2005 auf 2,19 Mio t 2010 ist kaum der Rede wert.
Gibt es denn gar keine Erfolgsgeschichten? Doch, gibt es, und zwar in Offenbach. Hier hat man es wirklich geschafft die CO2-Emissionen von 2005 bis 2010 um 10% zu verringern. Allerdings funktionierte das nur, weil in dieser Zeit das Chemieunternehmen Allessa die Produktion in Offenbach zusperrte. Dadurch ging der Energieverbrauch im Bereich Industrie um gute 75% zurück. In Haushalten und Gewerbe stieg er dagegen an, so dass es unterm Strich nur 10% weniger CO2 wurde.

Unverbindliche Selbstverpflichtung

Alle genannten Städte sind auch heute noch stolze Mitglieder des Klimabündnisses, egal ob die Selbstverpflichtung zur CO2 Reduzierung erreicht wird oder nicht. Bei den allermeisten Bündnis-Gemeinden fand ich wie gesagt gar keine konkreten Zahlen. Meistens gibt es nur ein paar blumige Worte zum Klimawandel und der globalen Partnerschaft, und einen Link zurück auf die Website des Klimabündnis.

Konkrete Projekte

Das Klimabündnis hat sich folgende konkrete Ziele gesetzt:

  • Reduktion der CO2-Emissionen um 10 % alle fünf Jahre
  • Halbierung der Pro-Kopf-Emissionen bis spätestens 2030 (Basisjahr 1990)
  • Schutz der tropischen Regenwälder durch Verzicht auf Tropenholznutzung
  • Unterstützung von Projekten und Initiativen der indigenen Partner

Aktuell machen mehr als 1600 Städte und Gemeinden mit. Der Jahresbeitrag richtet sich nach der Einwohnerzahl und beginnt bei mindestens € 200. Man müsste die Einwohnerzahlen aller Bündnisgemeinden durchrechnen um auf die jährliche Gesamtsumme zu kommen (was ich natürlich nicht getan habe), aber es sollte wenigstens ein Betrag im unteren sechsstelligen Bereich sein. Was mir etwas sauer aufstößt ist, dass ich auf der Klimabündnis Website nirgends einen Jahresbericht oder irgendeine Übersicht finden kann, was mit dem Geld eigentlich passiert. Wieviel geht in die Projekte der indigenen Partner, wieviel bleibt in der Selbstverwaltung hängen?

Wo bleibt denn das Positive?

Vielleicht sehe ich es aber einfach zu negativ und zahlenfixiert (Ich geb’s zu, ich bin ein Zahlenmensch). Schließlich geht es auch darum, Bewusstsein zu schaffen, Aufzuklären und engagierte Partner in einem Netzwerk zu verbinden. Dazu initiiert das Klimabündnis Aktionen wie das Stadtradeln, um Bürger zur Benutzung des Fahrrads im Alltag zu animieren.

Was meinst Du zum Klimabündnis? Ist es eine wertvolle Initiative oder doch eine moderne Form des Ablasshandels? Ich freue mich auf viele kontroverse Kommentare.

Kommentar

  1. An dieser Stelle mein Dankeschön für Ihre vielen schönen Beiträge, die sie in Ihrem Blog schreiben und ich sehr gerne lese. Ich finde mich auch in diesem Beitrag wieder und das nicht nur, weil ich auch ein Zahlenmensch bin. Insbesondere bei diesem Thema sind Zahlen sehr nützlich, denn sie richten den Blick auf des große Ganze und bilanzieren unseren Lebensstil in Hinblick auf unseren kollektiven CO2-Footprint, denn zu oft werden PR-wirksame Einzelmaßnahmen als die grundsätzliche Lösung des Problems gefeiert.

    Meine Recherchen, die ich im Vorfeld der Sitzung getätigt habe, haben zu ähnlichen Ergebnissen geführt, deshalb habe ich in meinem Diskussionsbeitrag zur Gemeinderatssitzung ebenfalls die Analogie des "Ablassbriefs" gewählt. Wichtig finde ich, dass Schondorf seinen Betrag zum Klimaschutzkonzept des Landkreises leistet. Ein wichtiger Schritt und eine große Aufgabe für uns alle.

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