Radfahren: Eine grüne Spinnerei?

Specialized S-Works

Am 23. März fand im Rahmen von Schondorf 2025 ein Kreativabend statt. Das Motto war „Schondorf will radeln!„.
Ein gutes Dutzend Bürger diskutierte mit Vertretern von Landratsamt und ADFC darüber, wie man unseren Ort fahrradfreundlicher gestalten könnte.
Die Politik war mit Bürgermeister Alexander Herrmann und drei Gemeinderäten vertreten – allesamt Mitglieder der Grünen. Das hat mich schon etwas irritiert.

Ohne CSU, SPD und FW

Ist umweltfreundliche Mobilität für die anderen Parteien nicht interessant? Natürlich ist das ein grünes Kernthema. Ich fand es aber enttäuschend, dass kein einziger der elf nicht-grünen Gemeinderäte sich an diesem Abend Zeit nahm. Zeigt das den Stellenwert, den umweltfreundliche Mobilität bei den Parteien hat? Ich hoffe nicht.
Ich hatte letztes Jahr schon einmal darüber geschrieben, dass unsere Verkehrsplanung immer noch sehr stark auf das Auto fixiert ist. Das Fahrrad wird als Sportgerät betrachtet, nicht als ernsthafte Alternative zum motorisierten Verkehr.

Problemfall Staatsstraßen

Bei „Schondorf will radeln“ wurden nun Ideen gesammelt, wie man das Fahrrad im Ort attraktiver machen könnte. Schnell kristallisierten sich zwei Problembereiche heraus. Erstens gibt es im Ort nun einmal Höhenunterschiede mit anstrengenden Steigungen. Da lässt sich baulich nicht viel machen. Allerdings wird das mit zunehmender Verbreitung von E-Bikes immer weniger ein Problem.
Zweitens zerschneiden Uttinger-/Greifenberger- und Landsbergerstraße den Ort. Auch hier kann die Gemeinde wenig tun, da es sich um Staatsstraßen handelt. Hier können weder Fahrradspuren auf der Straße eingezeichnet werden, noch Tempo 30 Zonen ausgewiesen oder zusätzliche Ampeln aufgestellt werden.

Schlauchautomat und Fahrradbonus

In der Diskussion zeigte sich, dass es nicht das eine Wundermittel gibt, das Schondorf schlagartig in eine Fahrradmetropole verwandelt. Viele kleine, aufeinander abgestimmte Aktionen können aber auch etwas bewirken. So wurde ein Schlauchautomat am Bahnhof angeregt, und eine Do-it-yourself Werkstätte für kleinere Reparaturen.
Zu den weiteren Ideen gehörte, fahrradfreundliche Straßen farbig zu kennzeichnen und in einem Fahrradplan zu vermerken. In diesen Plan könnten auch Ladestationen für E-Bikes eingezeichnet werden. Bessere Abstellmöglichkeiten wurden ebenfalls angeregt, in Form von robusten und radschonenden Ständern (dazu gibt es ADFC-Empfehlungen). Es wurde sogar über ein Bonussystem für Radfahrer diskutiert, beispielsweise durch ermäßigten Eintritt ins Strandbad.
Wie gesagt, die große Radrevolution wird nicht stattfinden. Es wäre aber schon eine Entlastung, wenn der Radverkehr um 10% zunimmt, und der Autoverkehr entsprechend abnimmt.

Das Fahrrad als Lastentransporter

Ganz ohne Auto werden auch zukünftig nur wenige Schondorfer auskommen, viele brauchen es für den Weg zur Arbeit oder zum Einkauf. In diesem Zusammenhang wurde auch über die Möglichkeit gesprochen, Lastenräder auf Miet- oder Verleihbasis anzubieten.
Das wurde eher skeptisch aufgenommen, weil es das Einkaufen recht kompliziert machen würde. Außerdem braucht man für den Lastentransport keine speziellen Fahrräder, wie man in diesem Video sieht.
Hier der Link zum Video auf YouTube: https://youtu.be/teTWab1Oxr0

2 Gedanken zu „Radfahren: Eine grüne Spinnerei?“

  1. In dem Artikel ist davon die Rede, dass viele Gemeinden erfolgreich Tempo 30 auf Staats- oder Bundesstraßen im Ortsgebiet eingeführt hätten. Ich habe beim googeln aber kein Beispiel dafür gefunden.

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