The next big thing

Der Maler Wilhelm Leibl in Schondorf

Das nächste große Ding in der Kunstwelt wird (Trommelwirbel)…
Wilhelm Leibl!
Zumindest wenn es nach einem Artikel in Die Zeit geht. In der Ausgabe vom 12. Mai wurden Kunstexperten gefragt, welche Sammelgebiete heute noch unterbewertet seien.
Florian Illies tippt dabei auf den Kreis rund um Wilhelm Leibl, auf Maler wie Carl Schüchtern oder Otto Schloderer. Auch das Zentrum dieses Künstlerkreises ist für ihn völlig unterschätzt: „Der geniale Menschenmaler Leibl selbst ist noch weit von seiner angemessenen Bedeutung entfernt.

Kunstexperte und Bestsellerautor

Interessant finde ich diese Einschätzung, weil Illies eben nicht nur Kunstexperte ist. Natürlich versteht er sehr viel vom Kunstmarkt, er ist Gesellschafter von Villa Grisebach in Berlin, dem umsatzstärksten Auktionshaus für Klassische Moderne in Deutschland.
Er hat aber auch ein feines Näschen für den Zeitgeist und Trends in der Gesellschaft. Das bewies er als Feuilletonredakteur von FAZ und Zeit Magazin, vor allem aber als Autor des Bestsellers Generation Golf.
Wenn er also meint, Leibl sei noch weit von seiner angemessenen Bedeutung entfernt, dann könnte da schon etwas dran sein. Übrigens lobte auch schon das Museum Kulturspeicher Leibl als „größten Portraitmaler seit Rembrandt„.

Leibl und der Ammersee

Der gebürtige Kölner Leibl zog 1875 an den Ammersee. In Schondorf traf er seine große Liebe, die Wirtstochter Theresia Bauer. Hier am Ammersee malte er auch einige seiner bekanntesten Bilder, wie Die Dorfpolitiker oder Das ungleiche Paar.

Einen Platz hat der Maler in Schondorf schon (siehe Wilhelm Leibl hätte seine Freude gehabt). Jetzt sollte die Gemeinde schnell Frank Gehry mit dem Bau eines Museums beauftragen, einen Souvenirshop einrichten und ein jährliches internationales Leibl-Symposium organisieren.
Und ich sollte mir als Altersvorsorge ein Gemälde von Leibl besorgen, bevor die Preise völlig unbezahlbar werden. 

Kommentar

  1. Ein historischer Abriss in der Broschüre Bild. Künstler im Landkreis Landsberg ( die in den nächsten Wochen erscheint) …da kommt Leibl ziemlich am Anfang vor:

    HISTORIE
    Erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich Künstler, insbesondere Maler, für kürzere oder längere Zeit im Land- kreis Landsberg, vor allem am Ammersee-Westufer, nieder. Die Flucht aus den überfüllten Städten und das Malen „Plein- air“ in der reizvollen Landschaft waren wichtige Motive.
    Einer der ersten war Wilhelm Leibl (1844-1900), der sich für zwei Jahre nach Unterschondorf zurückzog. Ihm folgten andere Künstlerfreunde. In Dießen fanden sich in den Som- mermonaten zwischen 1885 und 1890 viele Künstler ein, die tagsüber fleißig arbeiteten und abends in den einfachen Wirtschaften feierten. Darunter der bis heute geschätzte „Entenmaler“ Alexander Koester (1865-1932), der sich dann in Dießen ein eigenes Haus baute.
    Nach der Jahrhundertwende kamen im Sommer immer wie- der Akademieprofessoren mit ihren Schülern, vor allem auch mit den damals noch nicht bei den Akademien zugelasse- nen und deshalb privat unterrichteten Damen, den soge- nannten „Malweibern“, an den Ammersee. Der bekannteste war Christian Landenberger (1862-1927) aus Stuttgart, der Jahrzehnte lang fast jeden Sommer in Dießen verbrachte. Erwähnt seien aber auch noch zwei moderne Maler, die sich dort niederließen: Der Bauhaus-Schüler Fritz Winter (1905-76), einer der bekanntesten deutschen Künstler nach 1945, hatte sich 1935 nach Dießen zurückgezogen. Der aus Böhmen stammende Maler Helmut Zimmermann (1924-2015), in ge- wisser Weise ein Schüler Fritz Winters, fand hier 1948-88 eine neue Heimat.
    Bei Schondorf bauten sich der Maler und Porzellan-Designer Adelbert Niemeyer (1867-1932) und der Schweizer Maler Hans Beat Wieland (1867-1945) eigene Behausungen auf zwei benachbarten Grundstücken. In Schondorf ließen sich die beiden malenden Brüder Heinz und Walter Rose (1902-71 bzw. 1903-64) nieder. In Utting baute sich der Maler Eduard von Selzam (1859-1951) einen romantischen Wohnsitz im Stil des späten Mittelalters. In Holzhausen siedelten sich seit etwa 1905 die Maler der Münchner Künstlervereinigung „Schol-
    le“ an: Fritz Erler (1868-1940), Adolf Münzer (1870-1953) und Walter Georgi (1871-1924), deren Ateliers teilweise noch er- halten sind. Das Künstlerehepaar Mathias und Anna Sophie Gasteiger (1871-1934 bzw. 1877-1954) baute sich auf einem großen Seegrundstück ein Wohn- und Atelierhaus, das man heute besichtigen kann. Ihr Nachbar Eduard Thöny (1866- 1950) zeichnete fast sein ganzes Leben lang für den „Simp- licissimus“. Ebenfalls zu diesem Kreis gehörte der vielseitige Graphiker Paul Neu (1881-1940), der seit 1911 in einem selbst entworfenen Haus lebte.
    Einige der genannten und viele andere schlossen sich 1934 in Landsberg zur heute noch bestehenden Künstlergilde zusammen, andere Gruppierungen spalteten sich von ihr ab: „Freie Kunstkompanie“ (1968), „Regionalverband bildender Künstler, Oberbayern-West e.V.“ (1988).

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