Co-kreative Beteiligung

Johannes Bouchain über co-kreative Bürgerbeteiligung

Mit dem Begriff co-kreative Planungsprozesse grenzt Johannes Bouchain von Urbanista sein Konzept gegenüber herkömmlicher Bürgerbeteiligung ab.
Er sprach auf einer Veranstaltung des Ammersee Denkerhauses über Möglichkeiten, um Bürger bei der Ortsplanung einzubinden.
Ich habe mir diesen Vortrag angehört, weil bei uns mit Schondorf 2025 bekanntlich ein ähnliches Projekt gestartet wurde. Auch hier sollen Politik, Stadtplaner und Bürger gemeinsam darüber diskutieren, wie unser Dorf in Zukunft aussehen soll.

Formate für Bürgerbeteiligung

Bouchain meinte, dass in der Praxis Bürgerbeteiligung leider oft als lästige Pflichtübung verstanden werde. Zuerst wird etwas von der Politik entschieden, und die Bürger dürfen anschließend noch über ein paar Details mitreden. Das führt dann zu Frust und Trotzreaktionen. Dießen macht da ja gerade bei den Themen Seekiosk und Wolfsgasse schmerzliche Erfahrungen.
Beim Ansatz von Urbanista dagegen sollen die Einwohner schon vor der Planungsphase ihre Ideen einbringen. Bouchain und seine Kollegin Tanja Potezica erläuterten diese Vorgehensweise sehr detailiert und mit vielen Praxisbeispielen. Unter anderem wird in Villingen-Schwenningen (http://www.vs-weiterdenken.de) gerade ein Zukunftsbild als Basis für ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) mit den Bürgern erarbeitet.

Alle Kommunikationswege nutzen

Bouchain und Potezica betonten dabei die Wichtigkeit, Bürger über verschiedenste Wege zur Mitarbeit zu animieren. Mir war Urbanista vor allem als Erfinder der „Next“ Onlineplattform bekannt (die auch für www.mein-ammersee-2020.de verwendet wird). Trotzdem sehen sie in der Online-Beteiligung kein Allheilmittel, sondern einen von vielen Wegen, um die Bürger zu erreichen.
Verlautbarungen in der Gemeindezeitung oder -website, Presseveröffentlichungen, Handzettel oder soziale Medien erreichen immer nur eine bestimmte Gruppe. Erst wenn alle Kommunikationswege genutzt werden, nimmt ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung am Prozess teil.

Repräsentativer Bevölkerungsquerschnitt

Die beiden Urbanistas sprachen auch über „aufsuchende Beteiligung“. Gemeint ist damit, dass man nicht passiv auf die Beteiligung der Bürger wartet, sondern zu den Menschen hingeht. In Villingen-Schwenningen gingen sie auch in Schulen, Baumärkte oder auf die Kfz-Zulassungsstelle. Tanja Potezica erzählte begeistert von den Reaktionen. Nach anfänglichem Zögern waren auch Menschen, die sich „eigentlich nicht für Politik interessieren“ mit Eifer bei der Sache.
So wird eine breitere Basis in der Bevölkerung mit eingebunden, und dadurch die Akzeptanz erhöht. Ich finde das durchaus einleuchtend. Es ist schon auffällig, dass ich bei Veranstaltungen von LEADER oder Schondorf2025 eigentlich immer die gleichen Gesichter (und darunter sehr wenig Jugend) sehe.

Interesse der Politik

Bei dem Vortrag in Dießen waren gut ein Dutzend Zuhörer dabei. Als einzige Partei waren die Grünen vertreten – die dafür gleich mit zwei Gemeinderäten und der Ortsvorsitzenden. In den anderen Parteien scheint das Interesse an Bürgerbeteiligung dagegen nicht so groß zu sein.

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