LSBTTIQ* anno 1838

Theater auf der Seebühne Utting am Ammersee

Ein Junge legt vorübergehend seine Männlichkeit ab und wird zum Mädchen. Als solches erliegt es den Verführungen eines virilen Liebhabers, für den das anfänglich nur ein Streich ist. Aber auch er verliebt sich, bis das Mädchen am nächsten Morgen zu seiner männlichen Identität zurückkehrt.
Gender-Themen sind offensichtlich keine Erfindung der heutigen Zeit. Diese Geschichte stammt nicht aus dem 21., sondern aus dem 19. Jahrhundert. Es ist „Der Kobold“ von Johann Nestroy.

Nestroy’s „Kobold“

Natürlich hat Nestroy 1838 die Fragen der sexuellen Identität nicht explizit thematisiert, sondern eine Märchenwelt mit Feen, Zaubertränken und Kobolden geschaffen. Trotzdem könnte das Stück für Queer Studies einiges hergeben.
Noch besser funktioniert es aber als Komödie. Ich habe den „Kobold“ letzten Freitag auf der Seebühne Utting gesehen. Wie immer in Utting war die Inszenierung ausgesprochen charmant. Die Darsteller bringen unglaublich viel Spielwitz auf die Bühne. Man kann kaum glauben, dass es eine Laientruppe ist.

Der Ammersee als Bühne

Der Spaß wird dadurch noch größer, dass der See hier mit zur Bühne gehört. Eine wichtige Person im Stück ist nämlich die Nixenkönigin Undine, und die kommt – logisch – aus dem Wasser.
Ihr Gegenspieler ist Brennroth, der in einem unterirdischen Feuerreich herrscht. So kommt es zum Finale im See zu einem spektakulären Kampf zwischen Feuer und Wasser.
Der Kobold ist noch bis 6. August auf der Uttinger Seebühne zu sehen.

* Nein, das Sternchen in der Überschrift steht nicht für eine Fußnote. Ich habe gelernt, dass der Begriff LSBTTIQ als Abkürzung für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transsexuell, Transgender, Intersexuell und Queer nicht umfassend genug ist. Laut Wikimannia fehlen da noch 53 sexuelle Identitäten. Darum wird das Sternchen angehängt, um niemanden auszuschließen.

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