Herzhütten

Darstellung der Barmherzigkeit aus de, 17. Jhd.
Die Sieben Werke der Barmherzigkeit von (Ausschnitt)

Beim Begriff „Herzhütten“ denken wahrscheinlich die meisten von uns an alpin-rustikale Toilettenhäuschen mit ausgeschnittenem Herz in der Tür.
Die Hütte mit dem Herz, die seit Anfang August vor der Heilig Kreuz Kirche in Schondorf steht, dient aber einem ganz anderen Zweck: dem Nachdenken über Barmherzigkeit.

Jahr der Barmherzigkeit

Die Herzhütten sind ein Projekt im Rahmen des heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Die Hütte sieht ein bisschen aus wie ein Buswartehäuschen. In der Seitenwand ist ein großes Herz ausgeschnitten. Innen gibt es einen Briefkasten, Papier und eine Schreibmaschine.
Jeder ist eingeladen, seine Gedanken, Erfahrungen, Ideen oder Wünsche zum Thema Barmherzigkeit aufzuschreiben und im Briefkasten zu hinterlassen.

Tippen ohne Löschtaste

Herzhuette vor der Heilig Geist Kirche in Schondorf

Ich habe es versucht, und es ist gar nicht so einfach. Zum einen, weil ich schon seit dreißig Jahren auf keiner Schreibmaschine mehr geschrieben habe. Das verlangt einige Konzentration, denn es gibt kein „Löschen“ und kein „Rückgängig“.
Zumindest funktionierte die gute alte Mechanik, obwohl sie völlig vom Regen durchweicht war. Computer und Drucker hätten da sicher den Geist aufgegeben. Von den technischen Schwierigkeiten abgesehen, viel es mir aber auch überhaupt schwer, etwas über Barmherzigkeit zu schreiben.
Barmherzigkeit geht anscheinend zurück auf das gotische arma-hairts mit der Bedeutung von „ein Herz für Arme haben“. Das Wort klingt altmodisch und für mich auch ein bisschen nach Ablasshandel.

Sache des Höherstehenden

Thomas von Aquin sagt über die Barmherzigkeit: „Es gehört zum Erbarmen, dass es sich auf die anderen ergießt und der Schwäche der anderen aufhilft; und das gerade ist Sache des Höherstehenden. Deshalb wird das Erbarmen gerade Gott als Wesensmerkmal zuerkannt.“
Der oder die Barmherzige macht sich selbst zum Höherstehenden. Ich glaube, diese Idee der Selbsterhöhung ist es, was ich an dem Wort unangenehm finde. Mitmenschlichkeit gefällt mir besser.

Die Lästigen geduldig ertragen

In der katholischen Lehre gibt es sieben leibliche und sieben geistige Werke der Barmherzigkeit. Dieser Kanon umfasst Taten, die ich mir unter diesem Begriff typischerweise vorstelle. Dazu gehört das speisen der Hungrigen, das trösten von Betrübten oder das besuchen von Kranken.
Es sind aber auch einige Dinge dabei, auf die ich nicht sofort gekommen wäre: Die Unwissenden lehren, Beleidigungen zu verzeihen, und die Lästigen geduldig zu ertragen.
In diesem Sinn haben wir sicher alle genug Gelegenheiten, um barmherzige Taten zu vollbringen.

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