Architekt trickst Baurecht aus

Hinweis: Dieser Beitrag erschien am 1. April 2017 😉

Was tun, wenn ein großes GrundstĂŒck mitten im Ort als Außenbereich nicht bebaut werden darf? Am „Augsburger Wald“ in Schondorf zeichnet sich eine innovative Lösung ab, um das Baurecht auszuhebeln.
Mitte des Monats hatte das Landsberger Tagblatt noch gerĂ€tselt, was wohl mit dem StĂŒck Naturland mitten in Schondorf passieren wird (Erst Brombeeren, dann BĂ€ume). Nun hat das Hamburger ArchitekturbĂŒro Baumfeller & Achst einen Plan fĂŒr die Bebauung des Areals vorgelegt. Dabei wird sehr geschickt nur der schmale Streifen genutzt, der nicht zum Außenbereich gehört.

Über Nacht abgeholzt

Zur Erinnerung: Das WaldstĂŒck am Schondorfer Kapellenberg gehörte lange der Stadt Augsburg (darum „Augsburger Wald“), die es dann vor einigen Jahren verkaufte. Im MĂ€rz letzten Jahres wurde praktisch ĂŒber Nacht das gesamte Areal abgeholzt. In einem Blog-Beitrag von Renate Blaes (Wald abgeholzt – mitten in Schondorf) ist das ausfĂŒhrlich beschrieben.
Schon damals wurde spekuliert, dass hier ein Bauvorhaben geplant sei. Allerdings gehört das GrundstĂŒck zum Außenbereich, der nicht bebaut werden darf.
Das Hamburger BĂŒro Baumfeller & Achst hat jetzt einen innovativen Plan vorgelegt, um hier trotzdem HĂ€user zu errichten. Dabei machen es sich die Architekten zu Nutze, dass ein 5 m breiter Streifen am Ostrand noch zum Bebauungsplan gehört, weil hier frĂŒher einmal ein Campingplatz war.
Bis 2016 war dieser Bereich noch als Biotop geschĂŒtzt. Der GrundstĂŒckseigentĂŒmer erwirkte aber bei der Unteren Naturschutzbehörde, dass die frĂŒhere Biotopeigenschaft abgesprochen wurde.

Das gerodete GrundstĂŒck am Kapellenberg

ErgÀnzung zur traditionellen Architektur

Da also nur ein schmaler Steifen bebaut werden kann, planen die Architekten pilzförmige HÀuser, um den vorhandenen Luftraum zu nutzen.
Sie sehen darin eine aufregende ErgÀnzung zu traditioneller Architektur, mit der Wohnraum dort realisiert werden kann, wo eine klassische Bebauung sonst nicht denkbar ist.
Laut Paragraph 34 der BauGB ist ein Vorhaben zulĂ€ssig, wenn es sich in die Eigenart der nĂ€heren Umgebung einfĂŒgt. Die nĂ€here Umgebung sind in diesem Fall die bis zu 20 m hohen BĂ€ume, so daß nichts gegen eine entsprechende Bauhöhe spricht. Durch diese Art der Bebauung sind auch die AnsprĂŒche des Waldgesetzes fĂŒr Bayern (BayWaldG) erfĂŒllt. Die GrĂŒnflĂ€che als solches bleibt erhalten, und die abgeholzten BĂ€ume können wieder nachwachsen.

Auch fĂŒr ganz normale Investment-Banker

Architekt Hubertus Baumfeller betont, dass die Bebauung sozial vertrĂ€glich sein soll: „Verglichen mit Starnberger- oder Tegernsee, leben am Ammersee bekanntlich Ă€rmere MillionĂ€re. Wir möchten die gewachsene Siedlungsstruktur nicht beeintrĂ€chtigen, und eine sozial ausgewogene Mischung erhalten.“ Darum wolle man versuchen, den Quadratmeterpreis unter € 10.000 zu halten. Schondorf solle kein Ghetto der Superreichen werden. „Auch der ganz normale Investmentbanker oder Vorstandsvorsitzende soll sich noch eine Wohnung am Ammersee leisten können,“ so der Architekt.
Ich finde es schön, dass hier der BautrĂ€ger RĂŒcksicht auf die sozialen Belange der Gemeinde nimmt. FĂŒr diese Architektur gibt es in Schondorf sicher noch viele Einsatzmöglichkeiten, um die vorhandene Wohnbebauung schonend nachzuverdichten. 

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