Visionen für den Wohnungsbau

An der Bebauung des ehemaligen Industriegeländes der Firma Prix in Schondorf wird ja nun schon recht lange geplant. Das Konzept wurde im Gemeinderat mehrfach diskutiert, und die grundsätzliche Aufteilung beschlossen. Jetzt meldet sich der Wessobrunner Kreis zu Wort, und präsentiert Ideen für das Areal, die von Studierenden der Hochschule Augsburg entwickelt wurden.
(Aktualisierung 12. 8.: Mathias Rathke vom Wessobrunner Kreis hat einen ausführlichen Kommentar zu diesem Beitrag geschrieben. Dieser ist unten an den Text angehängt.)

Prixgelände in Schondorf
Das Prixgelände: Eine riesige Sandkiste für Architekten

Ziemlich beste Siedlung

Unter dem Titel „Ziemlich beste Siedlung“ haben sich Studenten der Hochschule Augsburg Gedanken über die Bebauung des Geländes nahe dem Schondorfer Bahnhof gemacht. Diese Konzepte werden am Donnerstag, 27. Juli in Schondorf präsentiert. (Natürlich genau dann, wenn ich nicht da bin. Das ist sicher ein Komplott.)
Professor Rommel, der das Projekt leitete, stellt die Entwürfe vor. Anschließend diskutiert er mit Bürgermeister Herrmann, dem Architekten Sebastian Dellinger (Beer Bembé Dellinger) und Regierungsbaumeister Christoph Schreyer.

Diskussion ohne die Planer

Ich bin etwas überrascht, dass das Schondorfer Architekturbüro VonMeierMohr nicht mit dabei ist. Die Architekten arbeiten seit 2013 zusammen mit der Gemeinde an den Plänen für das Prixgelände. Sie hätten aus ihrer Erfahrung sicher interessante Aspekte beitragen und erklären können, wie sie ihr Konzept entwickelt haben. Das Projekt ist ja nicht ganz einfach.

Schwierige Rahmenbedingungen

Es geht nicht darum, einfach etwas „Hübsches“ hinzustellen, sondern es müssen schwierige Rahmenbedingungen gelöst werden. Der Lärmschutz Richtung Osten zur Bahnlinie und zur Staatsstrasse ist eine Herausforderung. Planerisch schwierig ist auch die Verkehrsanbindung über die schmale Schulstrasse und den Bahnübergang, speziell weil hier auch die Deutsche Bahn ein Wörtchen mitzureden hat. Außerdem muss auf die Kosten geachtet werden. Mindestens ein Drittel soll bezahlbarer Wohnraum für Einheimische werden, damit sich auch Normalverdiener eine Wohnung am Ammersee leisten können. Natürlich soll sich die Bebauung möglichst ins Ortsbild einfügen, und schließlich will die Gemeinde bei dem ganzen Projekt mit einer schwarzen Null aussteigen.
Wie gesagt, da hätten die Planer Helgo von Meier und Stefan Mohr sicher aufschlussreiche Einblicke geben können.

Frische Ideen zu einem späten Zeitpunkt

Prinzipiell bin ich immer neugierig auf innovative Konzepte in der Architektur. Allerdings wundere ich mich hier über den Zeitpunkt der Präsentation. Die jetzige Planung ist nach vielen Sitzungen und etlichen Änderungen vom Gemeinderat abgesegnet. In Kürze soll die Ausschreibung für den Investorenwettbewerb veröffentlicht werden. Um jetzt die angekündigten „Alternativen zum Bebauungsplan“ einzubringen, müsste man die Planung um etwa zwei Jahre zurückdrehen. Und das will in Schondorf vermutlich niemand.
Ich freue mich trotzdem auf die frischen Ideen der Augsburger Studenten, auch wenn sie für das Prixgelände wahrscheinlich etwas zu spät kommen.

Ziemlich beste Siedlung

Alternativen zum Bebauungsplan Prixgelände
27. 7. 2017, 19:00 Uhr
VR Bank Schondorf
Bahnhofstrasse 25
Schondorf am Ammersee

Kommentar von Mathias Rathke vom 12. August

(Wegen technischer Probleme konnten diese Anmerkungen nicht als Kommentar veröffentlicht werden. Ich habe sie deshalb wörtlich hier eingefügt.)

Mathias Rathke, 2. Vorsitzender des Wessobrunner Kreis: „Einige Punkte würde ich zu Ihrem Blog gerne ergänzen damit die Sicht vollständig wird.
Punkt 1: Diskussion ohne die Planer
Unsere Ausstellung handelte nicht vom Bebauungsplan. Es ging, wie der Titel des Plakates ausdrückt „Ziemlich beste Siedlung – Alternative zum Bebauungsplan“ um ein grundsätzlich anderes Verfahren.
Über den Bebauungsplan wurde von unserer Seite daher während der Veranstaltung kein Wort verloren. Die Architekten VonMaierMohr waren daher auch nicht in der Diskussionsrunde vorgesehen, sondern nur der Verantwortliche der Gemeinde, Herr Bürgermeister Herrmann.
Die Architekten waren natürlich auf anderem Wege persönlich zur Veranstaltung eingeladen, da sie beide Mitglieder des Wessobrunner Kreises sind und über Einladungen und Protokolle von allen unseren Beiratssitzungen Kenntnis haben.
Da Bürgermeister Herrmann unsere Einladung ausgeschlagen hat, der Fall für ihn erledigt ist, wie er uns sagte, habe ich die anwesenden Vertreter von Gemeinde und Planung Vorort eingeladen auf dem Podium an der Diskussion teil zu nehmen. Herr Mohr konnte sich nicht dazu entscheiden, „aufschlussreiche Einblicke“ zum Verfahren, wie Sie es in Ihrem Blog nennen, beizutragen.

Punkt 2: Frische Ideen zu einem späten Zeitpunkt
Zur Chronologie:
Vor 11 Jahren:
In der Ausstellung befindet sich ein städtebaulicher Entwurf mit Modell des Wessobrunner Kreis – Mitgliedes Sunder-Plassmann das vor 11 Jahren erstellt und der Gemeinde präsentiert wurde.
Die letzten 3 Jahre stand dieses Modell bei der Gemeinde – im Zimmer des Bürgermeisters.
Vor 3 Jahren:
Ich habe an die Gemeinde geschrieben, dass, angesichts der gewaltigen planerischen Aufgabe, der Wessobrunner Kreis mit seinen 132 Mitgliedern aus Architekten, Stadtplanern, Innenarchitekten, Landschaftsplanern und Handwerkern der Gemeinde beratend zur Seite stehen würde. Man hätte dort Erfahren können wie ein derartiges Verfahren sach- und fachgerecht bewältigt wird. Auf dieses Schreiben haben wir nie eine Antwort erhalten.
Die Architekten Lüps und Bürger, als Vertreter des Wessobrunner Kreises, hatten einen Termin beim Bürgermeister. Sie haben vorgeschlagen, zur Wahrung der gestalterischen Qualität, eine Fachjury zu gründen und einen Ideenwettbewerb aus zu loben.
Die Bemühungen blieben ohne Erfolg.

Vor 2,5 Jahren:
In einer Versammlung des Bundes der Selbstständigen, an der auch der Bürgermeister anwesend war, habe ich gefragt, warum man nicht externen Sachverstand zur Lösung der Aufgabe heranzieht. Antwort: wir schaffen das schon

Vor 1,5 Jahren:
Die Hochschule Augsburg hat mit Studenten das Prix-Gelände im Rahmen eines städtebaulichen Entwurfs überplant. Die planerischen Grundlageninformationen stammten von der Gemeinde. Nach Abschluss des Semesters wurde von Herrn Prof. Rommel angezeigt, dass man die Arbeiten in Schondorf ausstellen könnte. Auch hier: keine Antwort der Gemeinde.

Vor 1 Monat:
In der letzten Bürgerversammlung zum Bebauungsplan habe ich erneut gefragt wie man, neben allen juristischen- und sozialverträglichen Fragen sichern will, dass am Ende eine gestalterisch wertvolle, d.h. „schöne“ Siedlung entsteht.
Antwort : Erfahrungen hätten gezeigt, dass eine Jury aus Fachleuten nachweislich nicht zu besseren Ergebnissen führt. Die Gemeinde könne das auch so.

Wie sie sehen, gab es langjährige Bemühungen des Wessobrunner Kreises die Gemeinde von einem alternativen Verfahren zu überzeugen bei dem die Gestaltung im Vordergrund des Planungsprozesses steht. Denn in einigen Jahren werden wir und die Folge-generationen nur noch über das reden, was sichtbar vor uns steht – und das sollte ansehnlich sein. Unsere Bemühungen waren leider allesamt erfolglos.
Der Ausschreibung zum Investorenwettbewerb ist zu entnehmen, dass der gebotene Kaufpreis zu 55 % gewichtet wird und lediglich 25 % die Gestaltung der Siedlung, was unsere Bedenken bestätigt.
Daher haben wir beschlossen, bevor die Bagger rollen, in einer eigenen Veranstaltung an die Öffentlichkeit zu gehen.
Ich möchte hier nochmals darauf hinweisen, dass der Wessobrunner Kreis nicht gegen den Gemeinderat ist sondern für eine qualitätvolle Siedlung. Das wird von einigen offensichtlich nicht richtig verstanden.

Was fordern wir vom Wessobrunner Kreises seit Jahren:
1 – der Schwerpunkt bei der Wohnbebauung Prixgelände muss auf der städtebaulichen und architektonischen Gestaltung liegen. Hierzu ist ein städtebaulicher Ideenwettbewerb notwendig bei dem Entwerfer inkl. Investoren ihre Vorschläge einreichen können.
Im Anschluss daran kann aus dem Gewinnerentwurf ein Bebauungsplan erstellt werden.
2 – Der Verkaufspreis für das Gelände muss fixiert werden und von der Gestaltung entkoppelt werden – sonst wird der Verdacht im Raume stehen bleiben, dass derjenige den Zuschlag erhält der das höchste Preisangebot abgegeben hat.
3 – es muss eine unabhängige Fach-Jury aus Architekten, Städtebauern und Landschaftsplanern eingesetzt werden die über die Qualität der Gestaltung wachen.

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