Zu Prix sage ich nix

Was Architektur angeht, bin ich ein Laie. Das wird mir jedesmal klar, wenn ich vor einer Planzeichnung oder einem Modell stehe. Zur geplanten Bebauung des Prix-Geländes in Schondorf sage ich deshalb besser nichts. Ich mache mir nur ein paar Gedanken zum Ablauf der Planung.

Modell für Wohnbebauung am Ammersee
Eines der vom Wessobrunner Kreis präsentierten Modelle

Bebauungsplan und Alternativen

Für die Bebauung des ehemaligen Fabrikgeländes zwischen Bahn und Schulstraße hat die Gemeinde Schondorf den Entwurf eines Bebauungsplans erstellt (Link zum Entwurf). Dieser wurde im Gemeinderat nach vielfachen Erörterungen angenommen, und dient nun als Grundlage für den anstehenden Investorenwettbewerb. Ende Juli wurde aber die Diskussion um diesen Plan neu angestoßen.

Architekt & Investor

Unter dem Titel „Ziemlich beste Siedlung“ präsentierte der Wessobrunner Kreis eigene Vorschläge für die Bebauung. Diese waren von Studenten der Hochschule Augsburg erstellt worden (siehe Visionen für den Wohnungsbau). „Solche Klötzchen-Modelle geben dem Laien leider einen völlig falschen Eindruck,“ erklärte mir ein Freund.  Recht hat er. Mich erinnerten die Modelle eher an Neuperlach als an den Ammersee, aber Architekten sehen das vielleicht anders.
Der Wessobrunner Kreis ist ein Verein von gut 130 Architekten und Architekturinteressierten, der sich für die Baukultur einsetzt. Anscheinend hatte der Verein in der Vergangenheit mehrfach versucht, die Gemeinde Schondorf von einem Kombiwettbewerb „Architekt&Investor“ zu überzeugen, dessen Ergebnisse von einer Fachjury bewertet werden sollten. Darauf habe die Gemeinde nicht reagiert, weshalb man nun mit der „Ziemlich besten Siedlung“ an die Öffentlichkeit gegangen sei.

Wieviel Freiheit für die Investoren?

Jedenfalls war diese Präsentation Anlass, dass sich der Schondorfer Gemeinderat am 9. August erneut mit der Bebauungsplanung beschäftigte. Die Frage war, wieviel Spielraum den interessierten Investoren bei der Gestaltung gegeben werden sollte. Dabei gab es, quer durch die Parteilinien, zwei gegensätzliche Ansichten.
Manche Gemeinderäte möchten den vorliegenden Entwurf nur als lose Richtschnur sehen. Wenn man von vorneherein starr auf dem eigenen Plan beharrt, dann würden alternative, vielleicht bessere Vorschläge gar nicht erst in den Wettbewerb kommen. Investoren, die das Gelände nach eigenen Ideen bebauen wollen, würden abgeschreckt. So würden sich auch weniger Interessenten an dem Wettbewerb beteiligen, und die mangelnde Konkurrenz könnte am Ende zu einem schlechteren Ergebnis für die Gemeinde führen.

Ins Schondorfer Ortsbild einfügen

Demgegenüber pochen andere Gemeinderäte auf eine Einhaltung des vorliegenden Entwurfs. Gerade deshalb habe man diesen schließlich erstellen lassen, um architektonischem Wildwuchs vorzubeugen. Ein Investor habe nun einmal grundsätzlich das Interesse, den vorhandenen Platz maximal auszunutzen. Die Vorgaben des Plans dagegen sollen für eine nicht zu dichte Bebauung sorgen, die sich in das Ortsbild einfügt.
Am Ende einigte sich der Gemeinderat auf einen Kompromiss. Abweichungen vom Bebauungsplan sollen im Wettbewerb möglich sein, aber nur in engem Rahmen. Die interessierten Investoren müssen sich an die grundsätzlichen Festlegungen halten, also an die vorgegebene Geschoßanzahl, Dachneigung, die maximalen Wohneinheiten, das Maß der baulichen Nutzung, etc.
Ich bin mal gespannt, mit welchen Ideen die potenziellen Bauträger nun aufwarten werden.

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