Gefährliche Leckereien

Ich schreibe normalerweise nicht über unseren Hund, weil ich die Leser nicht mit Haustiergeschichten langweilen will. Andererseits denke ich manchmal, dass „Fräulein Rosa“ in Schondorf bekannter ist als ich. Das war besonders auffällig, als ich diese Woche ohne den schwarzen Labrador unterwegs war.

Schwarzer Labrador am Ammersee

Die verführerische Plastiktüte

Wenn ich jemand auf der Straße getroffen habe, waren die ersten Worte nicht „Hallo Leo“, sondern „Wo ist Fräulein Rosa?“. Und ich musste leider antworten, dass sie in der Tierklinik ist.
Meine Frau und ich hatten eine Freundin besucht, und der Hund musste natürlich deren Garten erkunden. Während wir beim Kaffee saßen, hat sich Fräulein Rosa wohl in einen der Nachbargärten geschlichen. Dort hat sie eine verführerische Plastiktüte entdeckt, so ähnlich wie die Tüte in der ihre Leckerlis aufbewahrt werden. Ich war einfach nachlässig, und habe nichts davon bemerkt. Später wurde der Hund unruhig, aber das habe ich auch noch nicht richtig interpretiert.

Japsen und Lähmungen

Erst auf dem Nachhauseweg setze ein Zittern am ganzen Körper ein, das Tier begann fürchterlich zu japsen, und auf halber Strecke knickten die Beine weg. Ich musste sie das letzte Stück tragen. Zu Hause ging es dann schnurstracks ins Auto und in die Tierklinik. Auf der Fahrt wurde der Schaum vor dem Maul und das Hecheln erst ständig stärker, dann hörte es schlagartig auf. Das waren sehr bange Minuten.
In der Tierklinik angekommen wurde schnell eine Vegiftung diagnostiziert und der Magen ausgepumpt. Dabei fand sich Blaukorn. Nicht in Spurenelementen, sondern ein ganzer Sack davon, inklusive Teilen der Plastikverpackung.
Die nächsten 24 Stunden verbrachte Fräulein Rosa am Tropf hängend im künstlichen Tiefschlaf. Die Nacht war kritisch, weil sich das Nitrat im Blaukorn im Magen zu Nitrit zersetzt. Dieses blockiert die roten Blutkörperchen, die dadurch keinen Sauerstoff mehr durch den Körper befördern können.
Meine Frau und ich hatten eine Nacht und einen Tag voller Sorgen, und im Ort eben immer wieder die Frage: „Wo ist Fräulein Rosa?“

Glücklich überstanden

Zum Glück nahm die Geschiche ein gutes Ende. Nach zwei Tagen hatte sich der Zustand soweit stabilisiert, dass wir unseren Hund wieder mit nach Hause nehmen konnten. Jetzt können wir allen, die unsere Sorgen geteilt haben froh mitteilen: Ja, es geht ihr wieder gut. Sie ist noch ein bisschen klapprig und erschöpft, etwas unruhig und nicht so entspannt wie sonst. Aber zumindest kann der Hund wieder laufen und spielen, wieder kuscheln und – für einen Labrador ganz wichtog – fressen.
An dieser Stelle vielen Dank an alle, die so rührend besorgt um den Zustand von Fräulein Rosa waren. Vielen Dank auch an die Tierklinik Weilheim, wo wir unseren Hund in bester Pflege wußten.

Kommentare

  1. Ich sitze gerade hier – mit Tränen in den Augen. Weil ich weiß, wie sich solche bangen Stunden anfühlen, und was für eine unbändige Angst man aussteht, sein geliebtes Tier zu verlieren.
    Ich freue mich SO SEHR, dass es Fräulein Rosa wieder besser gut geht und sie bald wieder gesund ist.
    Ganz liebe Grüße und einen virtuellen Nasenstüber für Fräulein Rosa von Renate – keine Hunde-, aber Katzenbesitzerin.

  2. Auch ich hatte beim Lesen Tränen in den Augen, denn ich weiß als Hundebesitzer, wie sehr man um seinen geliebten Vierbeiner bangt. Wünsche von Herzen alles Liebe und gute Erholung für die ganze "Familie" nach diesen anstrengenden Stunden….

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