Jungs, hier kommt der Masterplan

Kinderzeichnung zu "Mein Ammersee"

ISEK kommt nach Schondorf. Das Kürzel schwirrt schon einige Zeit durch die politische Diskussion, aber jetzt wird es ernst. Was hat es nun mit diesem ISEK auf sich?

Weder Kinesiologie noch Sozialanthropologie

Es handelt sich nicht um die „International Society of Electrophysiology and Kinesiology“, nicht um die „Iowa State Engineering Kids“ und auch nicht um das „Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft“ der Universität Zürich, die alle das selbe Kürzel verwenden. In unserem Fall geht es um das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr. 
Grundlage ist der einfache Gedanke, dass sich alles ändert, auch unsere Städte und Gemeinden. In manchen Gegenden Deutschlands heißt das Problem Abwanderung und Verödung, in Bayern – und speziell am Ammersee – Zuwanderung und starker Bevölkerungsanstieg. Auf diesen Wandel soll nicht von Fall zu Fall, sondern vorausschauend reagiert werden. 

Ein Masterplan für die Zukunft

Mit dem ISEK soll eine Bestandsanalyse erfolgen und die langfristigen Ziele und Maßnahmen niedergeschrieben werden. Es ist also eine Art Masterplan mit dem wir entscheiden, wo wir eigentlich hin wollen. 
Das klingt gut, macht aber Arbeit. Deshalb gibt es vom Ministerium einen sanften Druck auf die Gemeinden, so ein ISEK zu erstellen: Einerseits werden die Kosten dafür teilweise vom Land übernommen,  andererseits gibt es ohne ISEK kein Geld aus der Städtebauförderung von Bund oder Land. Beides zusammen hat auch Schondorf überzeugt, gemeinsam mit Greifenberg ein solches Entwicklungskonzept zu erarbeiten. 
Wer es genau wissen will wie das funktioniert, kann sich in diesem Pdf Dokument des Umweltministeriums 45 Seiten Behördendeutsch durchlesen: http://www.staedtebaufoerderung.info/StBauF/SharedDocs/Publikationen/StBauF/Arbeitshilfe_ISEK.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Beteiligung am Entwicklungskonzept

Ein wichtiger Punkt in diesem Leitfaden ist der Beteiligungsprozess. Nicht nur Behörden und Verwaltung sollen frühzeitig mit eingebunden werden, sondern auch die Bürger. Es wird den Kommunen aber offengestellt, wie intensiv diese Bürgerbeteiligung ausfallen soll. Das reicht von der reinen Information über die Konsultation (z.B. durch Diskussionsveranstaltungen) bis zur Mitbestimmung durch Arbeitsgruppen. Ich bin schon mal gespannt, wie intensiv die Gemeinde Schondorf diese Bürgerbeteiligung auslegen wird. 

P.S. Den Titel für diesen Beitrag habe ich mir von Tocotronic ausgeliehen. Hier gibt es das Video dazu.


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Kommentare

  1. Na, da bin ich doch mal gespannt. Wenn das genauso ein Schuss in den Ofen wird, wie das vor Jahren in Angriff genommene Projekt (den exakten Namen habe ich verdrängt), in dem es darum geht, Kindern in der Ammersee-Umgebung mehr über die Natur nahezubringen, wird mal wieder Geld ausgegeben für in Endeffekt nichts. Es werden teure Papiere ("handouts" sagt der deutsche Bürokrat heute dazu) erstellt, an grünen Tischen oder/und in Arbeitsgruppen ("Workshops") sprechen (grüne?) Politiker über Zukunftsvisionen von … ja, Zukunftsvisionen von wem? Erfahrungsgemäß über die eigenen.
    Ein paar Journalisten veröffentlichen danach (vielleicht) nette Artikel in den Regionalzeitungen – und dann versickert all das in … ja, wo versickert es? Und vor allem warum?
    Meine Antwort: es versickert, weil Politiker (mit wenigen Ausnahmen) nur an einem interessiert sind, nämlich an ihrer jeweiligen und sehr persönlichen Macht und Einflussnahme. Wünsche und Bedürfnisse des Bürgers werden nur am Rande wahrgenommen, und wenn dann am liebsten kurz vor Wahlen (weil Politiker sich da plötzlich und auf erstaunliche Weise sehr bürgernah geben, in der Gegend rumrennen, wildfremden Menschen Hände schütteln und Rosen überreichen) … um nach den Wahlen dann all die gewonenen Erkenntnisse und Anliegen der Bürger wieder zu vergessen. Und vor allem die in diesem zusammenhang mit Herzblut gegebenen Zusagen und Versprechen.
    Denn wie lernen wir zur Zeit wieder in der überregionalen Politik: Wichtig ist die Parteidisziplin, nicht dder/die Bürger.

  2. Ich sehe ISEK durchaus nicht nur positiv – es gibt bereits entsprechende Erfahrungen, die meine Sicht rechtfertigen. Und hier das Zitat nach einem Heimatpfleger aus der Oberpfalz:
    „Wir lehnen den ISEK-Begriff 'Stadtentwicklung' im aktiven Sinn als anmaßend und nicht-zielführend ab. Stadtentwicklung hat durchaus stattzufinden, aber als Wandlungsprozess mit Eigendynamik, nicht als im Hauruck-Verfahren übergestülptes Ehrgeiz-Projekt selbsternannter Experten!“

  3. Die Stadtentwicklung ganz der Eigendynamik zu überlassen gefällt mir nicht. Ich denke, eine Richtschnur, wo wir überhaupt hin wollen, ist keine schlechte Sache. Mir wäre es aber auch lieber, wenn man es als Prozess denken würde, in dem die Ziele und das Erreichte immer wieder neu überdacht und besprochen werden.

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