Kontroverses Kunstwerk

Üblicherweise rufen Kunstwerke heute keine großen Streitereien mehr hervor (höchstens wenn es sich um Damien Hirst’s clevere Provokationen handelt). Meistens bewegen sich die Reaktionen zwischen „gefällt mir ganz gut“ und „spricht mich nicht so an“. Ich war deshalb ziemlich überrascht, dass eine neue Installation am Ammersee Skulpturenweg in den sozialen Medien recht heftige Diskussionen auslöste.

Mutter mit Zwillingen

Kunstwerk von Gombarklass am Ammersee SkulpturenwegAnfang Juni entdeckte ich am Skulpturenweg (http://ammersee-skulpturenweg.de) zwischen Schondorf und Eching etwas Neues. Im Wald standen drei spiegelnde Säulen, zusammengesetzt aus gestapelten Dodekaedern (den griechischen Ausdruck für einen fünfeckigen Würfel musste ich auch erst googeln). Es handelt sich um eine Arbeit von Gombarklass (https://www.gombarklass.com). Hinter Gombarklass steht der Echinger Architekt und Künstler Peter Klaß.

Kaum hatte ich ein paar Photos der „Mutter mit Zwillingen“ auf Facebook gepostet, hagelte es zum Teil recht aufgebrachte Kommentare. Gerne will ich versuchen, einige der Fragen aus dieser hitzigen Diskussion zu beantworten.

Brandgefahr?

Beispielsweise wurden Bedenken geäußert, ob sich durch die Spiegel Holz oder Gras entzünden könnte. Das kann ich mir nicht vorstellen. Um trockenes Holz anzuzünden, müssten die Spiegel das Sonnenlicht fokusieren. Das funktioniert aber nur mit gekrümmtem Glas, wie z.B. den Scherben einer weggeworfenen Bierflasche. Die flachen Spiegel der Skulptur reflektieren das Licht einfach, ohne es auf einen Punkt zu konzentrieren.

Verletzungsrisiko?

In einem anderen Beitrag wurde befürchtet, dass die Spiegel zerbrechen könnten. An den Scherben könnten sich dann Menschen oder Tiere verletzen. Laut Beschreibung auf http://ammersee-skulpturenweg.de ist die Figur aus poliertem Edelstahl gefertigt. Beim anklopfen fühlt es sich aber mehr nach Holz oder Kunststoff mit Spiegelfolie an. Jedenfalls ist das kein Material, das in scharfkantige Scherben zerbrechen kann.

Störung der Wildtiere?

Mutter mit Zwillingen von GombarklassAuch ohne Bruchgefahr sah ein Kommentator auf Facebook in den spiegelnden Säulen eine Bedrohung für die Natur. Wildtiere könnten durch den ungewohnten Anblick verschreckt, und aus ihrem Lebensraum vertrieben werden. Dazu muss man sagen, dass die „Mutter mit Drillingen“ nur wenige Meter neben dem Weg von Eching nach Schondorf steht. Dieser ist ein beliebtes Ausflugsziel und regelmäßig von vielen Radfahrern, Nordic Walkern, Hundebesitzern, Joggern und Familien frequentiert.

Wildtiere, die sich in dieser Gegend aufhalten, müssen deshalb ein robustes Nervenkostüm haben. Von ein paar Spiegeln lassen sie sich wahrscheinlich nicht verschrecken.

Unerlaubte Entsorgung?

Sehr schnippisch kommentierte jemand, ob denn nun jeder seinen Müll im Wald abstellen könne. Nein, das darf man natürlich nicht. Wer ein Kunstwerk für den Skulpturenweg am Ammersee beisteuern möchte, sollte sich mit der Gemeinde Schondorf in Verbindung setzen.

Ich persönlich freue mich, wenn Künstler diese Möglichkeit nutzen. Die Arbeiten mögen, wie im Fall von Gombarklass, durchaus kontrovers sein. Das finde ich aber  nichts Schlechtes, wenn Kunst zu Widerspruch herausfordert. Und es ist allemal schöner, als vieles was man sonst so im Wald findet. Bei der jährlichen Müllsammelaktion „Ammersee ohne Müll is schee“ (siehe Ammersee Detox) haben wir ganz in der Nähe einmal sogar Teile einer Einbauküche gefunden, inklusive Dunstabzugshaube.

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