Eine Wiederbelebung

Der Schondorfer Kreis hat die Renovierung des ehemaligen Cornelius-Hauses mit dem Gestaltungspreis Gelungen ausgezeichnet. Auf der Website des Vereins habe ich darüber schon geschrieben: http://schondorfer-kreis.de/2019/01/10/gestaltungspreis-gelungen/

Zurecht wurde bei der Preisverleihung der Einsatz traditioneller Handwerkstechniken und die achtsame Modernisierung gewürdigt. So wie das Haus der Familie Davidoff heute dasteht, ist es wirklich ein Schmuckstück. Es kommt aber noch etwas dazu. Nicht nur die äußere Form, auch das geistige Erbe dieses Hauses wurde wiederbelebt.

Gestaltungspreis Gelungen für Cornelius-Haus

Es handelt sich hier ja nicht einfach nur um ein schönes Haus in der Schondorfer Moraschstrasse. Darüber hinaus war das Anwesen der Familie Cornelius auch lange ein kulturelles Zentrum am westlichen Ammersee. Hier lebte bis 1976 der Historiker Friedrich Cornelius. Er ist auch heute noch dafür bekannt, dass er eine bis dahin rätselhafte Lücke in der Frühgeschichte erklären konnte.

Mit seinen Untersuchungen alter Keilschrift-Texte stellte er die Regierungszeit des babylonischen Königs Hammurabi richtig. Davor war sie falsch datiert gewesen und die Gelehrten wunderten sich, warum es aus 300 Jahren orientalischer Geschichte keinerlei Aufzeichnungen gab. Erst die die „Cornelius-Albrightsche Chronologie“ konnte diesen Irrtum aufklären.

Hammurabi, Liszt, Adorno

Das Cornelius-Haus in Schondorf am Ammersee
Alte Ansicht des Cornelius Hauses

Die Cornelius waren eine Famile von Künstlern und Intellektuellen. Beispielsweise Friedrich’s Großonkel, der Komponst, Dichter und Musikkritiker Peter Cornelius. Er war mit Franz Liszt befreundet, der auch die Uraufführung seiner Oper „Der Barbier von Bagdad“ leitete.

Genauso war Friedrich’s Vater, der Philosoph Hans Cornelius, in seinem Fach ausgesprochen einflussreich. Max Horkheimer und Theodor W. Adorno promovierten beide bei ihm, und waren von seinen Überzeugungen ein Leben lang geprägt. Man kann sich deshalb gut vorstellen, welche illustre Gesellschaft im Haus der Familie in Schondorf verkehrte.

Es war die Zeit, in der der Ammersee vom „Bauernsee“ zum „Künstlersee“ wurde (z. B. Was machte Brecht in Schondorf?). An dieser Entwicklung hatte die Familie Cornelius sicher einen wichtigen Anteil. Ihre Gäste brachten Kunst, Kultur und Weltläufigkeit in das beschauliche Bauerndorf.

Jetzt wieder ein Künstlerhaus

Installation von Jan Davidoff
Installation von Jan Davidoff in Achselschwang

Darum finde ich es wunderbar, dass nicht nur das Äußere renoviert, sondern auch die künstlerische Tradition des Hauses weitergeführt wird. Jan und Viktoria Davidoff, Künstler und Historikerin, lassen den Geist des Cornelius-Hauses wieder aufleben.

Die letzten Jahre pendelte der umtriebige Jan Davidoff (http://jandavidoff.de/) zwischen seinem Atelier in München und Ausstellungen in der ganzen Welt. Die Art Cologne, Pulse New York, Expo Chicago, KIAF Seoul oder Kunst Zürich sind nur einige der Kunstmessen, die seine Werke zeigten. Jetzt bringt die Natur rund um den Ammersee neue Themen in seine Werke. Beispielsweise hat er die Erfahrungen und Fundstücke beim Umbau bereits in seine Arbeiten einfließen lassen: Art & Music im Gut Achselschwang.

Jan Davidoff: Relictum

„Klar wirkt sich der Umzug aufs Land auch auf meine künstlerische Tätigkeit aus“, sagte Davidoff bei der Verleihung des Gestaltungspreises. In seiner neuen Serie Relictum kann man das schon erkennen. Die Arbeiten zeigen die für ihn typische Kombination aus Photographie und Malerei. Aus Photos entstehen Skizzen, die dann in großformatiger Malerei oder Skulpturen umgesetzt werden. Thematisch geht es jetzt aber um die Auseinandersetzung mit der Natur als Essenz des Werdens und Vergehens. Verblühte Sonnenblumen oder kahle Bäume erscheinen deshalb nicht düster und unheilvoll, sondern als farbstarke Metaphern für Beständigkeit im Wandel. Die Serie Relictum ist aktuell noch in der Münchner Galerie Andreas Binder zu sehen.

Das Cornelius Haus ist also wieder ein Ort der Kunst und Kultur. Der Spiritus Loci bleibt damit lebendig. Schön für uns in Schondorf.

Kommentare

  1. Susanne Dr. Lücke

    Man sollte auch einmal die Innengestaltung des Hauses Bahnhofstraße 12 in Schondorf als potentiellen Preisträger für den „Gestaltungspreis“ ins Auge fassen!
    Ich gäbe ihm gute Chancen !

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