Was ist Heimat?

Wie ich aus der Presse erfahren habe, ist der langjährige Heimatpfleger Martin Wölzmüller verstorben (https://www.augsburger-allgemeine.de/landsberg/Die-Heimat-verliert-einen-grossen-Beschuetzer-Martin-Woelzmueller-ist-tot-id54182996.html). Leider habe ich ihn nie persönlich kennengelernt. Seine Ansichten zum Thema Heimat haben aber meine Einstellung dazu nachhaltig verändert und geprägt.

Heimatpfleger Martin Wölzmüller

Der verstorbene Heimatpfleger Martin WölzmüllerWölzmüller war lange Jahre Geschäftsführer des Landesvereins für Heimatpflege. Danaben war er auch Kommunalpolitiker, Theaterregisseur, Kapellmeister,  der Bruder Martin beim Eglinger Starkbierfest, und Buchautor (Der Lechrainer und seine Sprache).

Er ist im Lechrain geboren und hat sein ganzes Leben in dieser Gegend verbracht. Von daher hätte er Heimat durchaus im bodenständigen Sinn verstehen können, als etwas, das man sich mit der Geburt automatisch erwirbt. Hat er aber nicht. Ganz im Gegenteil, hat er Heimat als etwas verstanden, das aktiv geschaffen werden muss.

Schnittstelle Heimat

Bei den Kreiskulturtagen 2017 war das Thema Schnittstelle Heimat. Wölzmüller hat ein Vorwort dazu geschrieben. Dieser Text hat mich sehr beeindruckt. Darin heißt es: „Heimat entsteht aus dem Mittun vieler Menschen. Sie ist im besten Sinn selbstgemacht, sowohl von den Menschen, die vor uns in ihr gelebt haben wie von uns selbst, die wir sie gegenwärtig beleben und in die Zukunft tragen.

Heimat ist für Martin Wölzmüller nicht der Ort, an dem man zufälligerweise geboren wurde. Es ist auch nicht der Ort, an dem man, zufällig oder absichtlich, gerade lebt. Heimat ist für Wölzmüller weniger ein geografischer Begriff, sondern etwas das man tut. Vielleicht müsste man dafür das Verb „heimaten“ erfinden.

Keine Folklore-Dekoration

Er hat sich in ganz Bayern für Heimatgeschichte, Trachtenpflege und Baukultur eingesetzt. Diese äußeren Zeichen der Heimatpflege waren ihm wichtig, aber nicht das, worum es im Kern geht. Heimat entsteht für ihn „gerade nicht durch das rituelle Tragen von Dirndl und Lederhose, durch beharrliches Festhalten an überholten Bräuchen oder schnörkelige Folklore-Dekoration.“ Für Martin Wözmüller entsteht sie aus der selbstbestimmten und selbstgemachten Kultur von uns allen, aus unserem Umgang miteinander. Sie ist „unser Einwirken auf die Welt um uns herum.

Ich kann nur nachdrücklich empfehlen, Wölzmüller’s Gedanken über Heimat zu lesen: http://2017.kreiskulturtage-landsberg.de/heimat-heute/

Einige Male hatte ich daran gedacht, ihn anzurufen, ob wir uns auf ein Bier zusammensetzen. Es ist nie dazu gekommen. Jetzt ist es dafür zu spät. Ich möchte mich aber für das bedanken, was er mir hinterlassen hat.

Kommentare

  1. Lieber Herr Ploner,
    einmal mehr ist es nun belegt, nicht warten mit den wichtigen Vornehmungen, einfach machen….
    Schöne Worte zur „Heimat“, die Herr Wölzmüller da gefunden hat! Wir haben es also alle selber in der Hand.
    Schöne Grüße nach Schondorf

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