Kulturexport

Normalerweise schreibe ich ja über Kunst und Kultur in Schondorf, schließlich haben wir hier ein erstaunlich reiches Angebot. Wir klammern uns aber nicht eifersüchtig daran, sondern teilen das auch mit anderen, zum Beispiel mit der Stadt Landsberg. Dort wurde letzten Donnerstag die Skulptur Soul Cage von Thomas Lenhart eingeweiht, was praktisch ein Schondorfer Auswärtsspiel war.

Der „Soul Cage“

Der Soul Cage ist eine Arbeit des Schondorfer Bildhauers Thomas Lenhart, den wir auch vom Ammersee-Skulpturenweg (Skulpturenpfad für Verschwörungstheoretiker) kennen. Es ist ein etwa sieben Meter hoher Metallrahmen. In ihm hängt ein zweiter, mit Stahldrähten bespannter Rahmen in Kopfhöhe über dem Boden. Das wirkt sehr imposant, weil der innere Rahmen nur von erstaunlich dünnen Drähten gehalten wird. Auf den ersten Blick sieht es aus, als würde er frei im Raum schweben und könnte jederzeit herabfallen.

Diese Skulptur steht jetzt seit gut einer Woche vor dem Landratsamt in Landsberg. Am 23. Mai war im Rahmen der Kreiskulturtage die offizielle Einweihung.

Schondorfer Kulturexport

Mit dabei waren Thomas Lenhart (Schondorf) und Landrat Thomas Eichinger (Schondorf), musikalisch umrahmt von Maggie Jane zusammen mit Silke Hohagen (Schondorf). Maggie Jane (https://www.maggie-jane.com) ist nicht aus Schondorf, sondern aus Greifenberg. Wir wollen es ja nicht übertreiben mit dem Kulturimperialismus.

Einweihung Soul Cage in Landsberg
Maggie Jane, Silke Hohagen, Thomas Eichinger

Die Musik war eine gelungene Mischung aus Eigenkompositionen und Klassikern wie Summertime oder The Hanging Tree. Erstaunlich fand ich, wie gut die Songs von Maggie Jane zu den Evergreens und zu der fingerschnippenden Grundstimmung an diesem Abend passten. Wer die Sängerin noch nicht kennt, kann sich hier auf YouTube überzeugen: https://youtu.be/TuM67cVHrPk

Von Wilhelm Busch bis Seneca

Das Thema der heurigen Kreiskulturtage war bekanntlich „Mut“. Landrat Eichinger las dazu drei Gedichte von Goethe, Schiller und Wilhelm Busch. Durchaus mutig fand ich, dass er sich für Schiller’s Bürgschaft entschieden hatte. Das Werk steht ja im Ruf eines ausgelutschten Schulbuchklassikers und produziert, mit seinem hohen Pathos, manchmal ungewollt Heiterkeit (… er verspürt ein menschliches Rühren).

In Erinnerung geblieben ist mir der vierte Text, ein Auszug aus den Epistulae Morales von Seneca. Auch in dieser Betrachtung geht es um Mut. Seneca unterscheidet dabei zwischen Situationen, die tatsächlich Mut erfordern, und solchen, die uns lediglich Angst machen.

Wenn Dich Leute umdrängen, die Dir Dein Unglück einreden wollen, bedenke nicht, was Du hörst, sondern was Du selbst empfindest.
Seneca

Ich weiß nicht, ob diese Stelle bewußt politisch gemeint war. Es könnte schon sein. Gerade vor der Europawahl haben ja manche Parteien wieder große Schreckensbilder an die Wand gemalt.

Unter dem Eierschneider

Unter dem Soul CageEichinger las diese Texte unter der, wie ein Damoklesschwert über ihm schwebenden, Stahlkonstruktion sitzend. Durchaus ein bisschen eine Mutprobe, im Sinne des Mottos der heurigen Kreiskulturtage.

Wenn man unter dem Soul Cage steht, wirkt er wie ein Eierschneider aus der Perspektive des Eies. Ich will nicht sagen, das es zum Fürchten ist (dazu habe ich zuviel Vertrauen in die Schweißkünste von Thomas Lenhart), aber ein etwas mulmiges Gefühl ist es schon.

Wer in nächster Zeit am Landratsamt vorbeikommt, kann es ja einmal selber ausprobieren.

 

Kommentare

  1. Den Soul Cage werde ich mir auf jeden Fall anschauen – ein tiefgründiger Name für ein Kunstwerk. Und über die Assoziation zu einem Eierschneider habe ich sehr geschmunzelt. Ich kenne so ein Küchenutensil von meiner Mama, ich selber habe keinen. Meine Kinder haben noch nie einen gesehen. Dabei ist es ein praktisches Ding, so ein Eierschneider. Gibt es das noch in Geschäften?

    • Leopold Ploner

      Also wenn es Eierschneider heute überhaupt noch gibt, dann hat sie der Jäger in Dießen. Der hat einfach alles, was man im Haushalt braucht (oder auch nicht braucht).

  2. Annette Winter

    So einen Eierschneider kenne ich ebenfalls von meiner Mutter und habe ihn ihr abgeluchst. Meine Kinder hatten so ein Ding vorher auch noch nicht gesehen und sie sind über 20 Jahre alt. Sie finden es irgendwie lustig, etwas was man nicht wirklich bräuchte, aber eben dann doch praktisch ist.

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