Coliforme Keime im Trinkwasser

Die Nachricht war für uns alle ziemlich beunruhigend. Im Schondorfer Trinkwasser waren coliforme Keime gefunden worden, las ich am 7. August auf der Website der Gemeinde https://www.schondorf.de/. Für weitere Informationen wurde auf eine Pressemitteilung der Wasserversorgungsgruppe Ammersee-West verwiesen: https://www.zv-wasser-ammersee-west.de/fileadmin/media/zv-wasser-ammersee-west/Aktuelles/Pressemitteilung_Coliforme_Keime_08-2019.pdf.

Sehr viel schlauer wurde ich dadurch auch nicht. Zumindest habe ich hier erfahren, dass das Trinkwasser jetzt gechlort wird. Für den menschlichen Gebrauch sei das unbedenklich, nur Aquariumfische würden es nicht gut vertragen.

Lactosespaltende, stäbchenförmige Bakterien

E. coli im Schondorfer Leitungswasser
E. coli Bakterien (Bild: Wikipedia)

Wie auch viele andere Leute hatte ich keine Ahnung, was coliforme Keime eigentlich sind. Ist das etwas Gefährliches? In einem Bericht des SWR zu dem Thema heißt es, sie seien ein Indikator für die Verschmutzung des Wassers mit coliformen Bakterien. Diese sind lactosespaltende, gram-negative, fakultativ anaerobe, stäbchenförmige Bakterien, die Säure und Gase produzieren. Alles klar?

Die Bakterien hören auf so unheimliche Namen wie Citrobacter, Enterobacter, Klebsiella oder Escherichia. Letztere werden auch als E. coli bezeichnet, und wenigstens das habe ich schon einmal gehört. Einige Unterarten davon sind für Säuglingen oder Menschen mit geschwächter Abwehr gefährlich. Sie können Erbrechen und schweren Durchfall bis zum Nierenversagen verursachen. So etwas will man natürlich nicht im Leitungswasser haben und deshalb wird das Schondorfer Trinkwasser seit 7. August gechlort.

Chlor im Schondorfer Trinkwasser

Der Wasserversorger meint, man könne vorsichtshalber das Trinkwasser auch abkochen. Privat habe ich den Dießener Wassermeister Michael Deininger gefragt. Der versteht einiges von Wassernetzen und hat mir schon einmal gezeigt, wie man einen Brunnen baut (Sammersee ist mehr). Er sah die Lage nicht als dramatisch. Deshalb habe ich entschieden, vorerst weiterhin ganz normal Wasser aus der Leitung zu trinken. Erbrechen und Durchfall hat es bislang noch nicht ausgelöst.

Wasserkaraffe mit Schondorfer Leitungswasser

Erstaunlicherweise riecht das Wasser gar nicht so, wie ich das aus dem Schwimmbad in Erinnerung habe. Wahrscheinlich liegt das daran, dass nur sehr wenig Chlor zugesetzt werden darf, nämlich 0,3 Milliliter pro Liter Wasser. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO schmeckt man Chlor erst ab etwa der zehnfachen Menge.

Wo kommen die Bakterien her?

Hochbehälter
Hochbehälter in Schondorf

Die häufigste Ursache für coliforme Bakterien im Leitungswasser ist anscheinend Gülle, die ins Grundwasser gelangt. Diese enthält klarerweise jede Menge Fäkalbakterien, die dann das Brunnenwasser verunreinigen.

In Schondorf ist das eher unwahrscheinlich. Unser Wasser kommt aus zwei Brunnen aus 185 bzw. 193 Meter Tiefe. So weit sinkt der Odel nicht ein. In den Pumpenhäusern an den Brunnen wird das Wasser gefiltert, und dann in den Hochbehälter zwischen Schondorf und Achselschwang gepumpt. Dort sind etwa 1,5 Millionen Liter Trinkwasser in den Tanks. Das ist genug Wasser, dass jede Person in Schondorf zwei Vollbäder nehmen könnte.

Aus dem Hochbehälter geht es dann über das Leitungsnetz in die Häuser. Irgendwo auf diesem Weg muss Anfang August etwas passiert sein, weil bei einer Kontrolle plötzlich diese coliformen Bakterien entdeckt wurden. Das kann ein Leitungsleck sein, ein defektes Ventil oder auch alte Ablagerungen, die von kräftiger Strömung aufgewirbelt wurden.

Das Wasser soll erst einmal bis Ende dieser Woche gechlort werden. Danach gibt es eine erneute Überprüfung durch das Gesundheitsamt. Wenn dabei keine weiteren Keime gefunden werden, rinnt das Wasser wieder ohne Chlor durch die Leitungen.

Kommentar

  1. Dr. Susanne Lücke

    Derartige Verunreinigungen durch Gülle waren ja der Grund dafür, dass der alte, oberflächennahe „Kalkbrunnen“ stillgelegt wurde. Dass die jetzigen oberflächenfernen Brunnen die Quelle für diese Bakterien sind, halte ich auch für ausgeschlossen. Fragen wir auch mal Wassermeister Haberl.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.