Pfiat di Skulpturenweg

Schön war’s, aber jetzt ist es leider vorbei. Der Ammersee-Skulpturenweg (http://ammersee-skulpturenweg.de/) wird nach fünf Jahren wieder abgebaut. Noch letzten Oktober hatte der Schondorfer Gemeinderat beschlossen, die Freiluftausstellung für weitere drei Jahre mit 20.000 € zu unterstützen. Dieses Geld erhielten die beteiligten Künstler als Stellgeld dafür, dass sie ihre Arbeiten in der Öffentlichkeit präsentierten. Das ist jetzt hinfällig.

Am Skulpturenweg kommen die Skulpturen weg

Bis zum Jahresende, wahrscheinlich noch im Oktober, sollen die meisten Skulpturen entfernt werden, wie ich im Kreisboten gelesen habe (https://www.kreisbote.de/lokales/landsberg/ende-ammersee-skulpturenwegs-schondorf-eching-12938439.html). Die Familie von Perfall, auf deren Grund die meisten Werke installiert sind, will das Projekt nicht weiter verlängern. Wie ursprünglich vereinbart soll nach fünf Jahren Schluss sein.

Das betrifft grob gesagt alle Kunstwerke, die östlich des Weges von Schondorf nach Eching stehen. Die anderen könnten theoretisch stehenbleiben, allerdings wäre es dann kein durchgängiger Skulpturenweg mehr. Soweit ich weiß spricht die Gemeinde gerade mit den Initiatoren, wie es mit den Skulpturen in der Schondorfer Seeanlage weitergehen soll.

Die Liegende am Ammersee-Skulpturenweg
„Die Liegende“ von Matthias Rodach

Schöne Erinnerungen

Ich weiß nicht, wie oft ich den Ammersee-Skulpturenweg entlang gegangen bin, sicher gut 500 mal. Der Weg zwischen Schondorf und Eching ist eine meiner Standardstrecken für die morgendliche Runde mit Fräulein Rosa, unserem Hund. In der Zeit sind mir viele der Kunstwerke ans Herz gewachsen. Eines davon, die Wölfe von Katharina Ranftl, hat mittlerweile sogar einen Platz auf unserer Terrasse gefunden (Wölfe in Bayern).

Glasobjekte in Schondorf im Regen
Glasobjekte von Harry Zengeler

Ich werde die Kunst im Wald sicher vermissen, denn ich habe die Entstehung des Skulpturenweges von Anfang an begleitet (Ammersee Skulpturenweg eröffnet). Eigentlich war ich der Idee sogar voraus, denn schon vor der Eröffnung habe ich über einen virtuellen, nur erträumten Skulpturenweg in Schondorf geschrieben.

Eine Entweihung des Waldes?

Nicht alle sind über das Ende des Ammersee-Skulpturenweges traurig. Im Internet habe ich gelesen, dass manche Leute ausgesprochen froh über die Beendigung des Projektes sind. „Na endlich“, hieß es da, „Wald ist Wald und kein Kunstpark“. Es ist auch von einer „Entweihung des Waldes“ die Rede oder von den Auswüchsen einer Spaßgesellschaft.

Natürlich kann man über solche Projekte unterschiedlicher Meinung sein. Allerdings standen die Skulpturen nie in der unberührten Natur. Das Gebiet zwischen Eching und Schondorf ist ein forstwirtschaftlich genutzter Wald, ein Stück Kulturlandschaft. Der Weg entlang dem See ist ein vielbesuchtes Erholungsgebiet, auf dem sich an Wochenenden ganze Kolonnen von Spaziergängern, Radfahrern und Joggern bewegen. Man kann die Kunstwerke hier mögen oder auch nicht, aber sie haben sicher keine unberührte Natur gestört.

Ich finde, dass im Gegenteil viele davon den Blick für die Natur geschärft haben. Entweder weil sie einen absichtlichen Kontrast gesetzt haben (Mutter mit Zwillingen, Durchblick) oder weil sie bewusst unauffällig sind und erst durch aufmerksames Schauen zu entdecken waren (Reflexion, Auftakt).

Hans Illner: Die Welle
„Die Welle“ von Hans Illner

Traurigkeit und Freude

Meine erste Reaktion auf die Nachricht vom Ende des Skulpturenweges war Enttäuschung und Traurigkeit. Die Spaziergänge durch diese Freiluftgalerie waren für mich ein lustvolles Erlebnis und „alle Lust will Ewigkeit“, wie Friedrich Nietzsche schon treffend sagte. Deshalb war ich natürlich enttäuscht, dass es demnächst damit vorbei sein wird.

Ich bin aber kein kleines Kind mehr und auch nicht der Präsident der USA. Deshalb schreie ich nicht quengelnd herum, wenn ich etwas nicht bekomme, was ich gerne hätte. Die Familie von Perfall hat das Projekt fünf Jahre lang unterstützt. Jetzt ist, wie zu Beginn vereinbart, Schluss damit. Das ist schade, aber man kann ja niemanden dazu zwingen, auf seinem Privatgrund Kunstwerke aufstellen zu lassen.

Luftboot von Hilde Seyboth am Ammersee-Skulpturenweg
„Luftboot“ von Hilde Seyboth

In der Rückschau überwiegt bei mir die Freude, dass dieses tolle Projekt überhaupt in Schondorf realisiert werden konnte. Deshalb danke ich an dieser Stelle den Initiatoren Jo Dürler, Walter Mayer und Peter Wittmaack, der Familie von Perfall und der Gemeinde Schondorf.

Pfiat di, Skulpturenweg, schön war’s mit dir.

Kommentare

  1. Susanne Dr. Lücke

    Finde ich auch – sehr schade! Natur und Kunst im Dialog – ein uraltes Thema seit der Renaissance bis hin zu Land Art etc. mit immer wieder überraschenden Variationen, Ästhetik und Reflexion im Einklang. Bald also nicht mehr,wenigstens zwischen Schondorf und Eching.

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