Schondorf sucht die Superidee

Am 14. September war der Tag der Entscheidung für die Ideen für Schondorf. Analog zu Castingshows wie Deutschland sucht den Superstar stellten sich die Projekte für das Schondorfer Bürgerbudget dem kritischen Urteil des Publikums. Schondorf sucht die Superidee.

26 Projekte für das Bürgerbudget

Projekt weniger Autoverkehr in Schondorf
Sabiene Michalsky will den Autoverkehr eindämmen

Präsentiert wurden die Ideen bei einer öffentlichen Veranstaltung in der Schulaula. Zuerst gab es eine kurze Einführung durch Bürgermeister Alexander Herrmann und das Organisationsteam. Allgemein war man überrascht, dass immerhin 26 verschiedene Ideen für das Schondorfer Bürgerbudget an den Start gingen.

Wer hätte gedacht, dass der Aufruf zur Bürgerbeteiligung so viel Resonanz findet?

Ich war ursprünglich vom Ort der Präsentation nicht besonders begeistert gewesen. Es gibt in Schondorf schönere Orte als die nüchterne Schulaula, um einen strahlend schönen Samstagvormittag zu verbringen. Außerdem bin ich in puncto Lokalpolitik ein Traditionalist. Für mich gehören solche Veranstaltungen ins Wirtshaus, wo man die Themen beim Bier besprechen kann.

Gemeinschaft, Teilen, Nachhaltigkeit

Trotzdem war die Vorstellung der Ideen für das Bürgerbudget ausgesprochen anregend. An kleinen Tischen wurden die verschiedenen Ideen präsentiert und lebhaft diskutiert. Auffallend war, dass kaum „selbstsüchtige“ Projekte dabei waren. Die große Mehrzahl der eingereichten Vorschläge drehte sich um die Themen Gemeinschaft, Teilen und Nachhaltigkeit.

Fairteiler für gerettete Lebensmittel
Ein Fairteiler soll helfen, dass solches Obst nicht mehr weggeworfen wird

Die einzelnen Konzepte wurden vorgestellt, erhielten Zustimmung oder Ablehnung, wurden weitergedacht und präzisiert. In der Schulaula summte es wie in einem Bienenstock. Selbst Ideen, die mir anfänglich etwas bizarr erschienen waren, wie z. B. Pumpipumpe, klangen nach einem persönlichen Gespräch gleich viel einleuchtender. Ich war am Ende erstaunt, wie schnell die drei Stunden vergangen waren.

Stimmzettel im Aktenvernichter

Aktenvernichterals Wahlurne
Ein Aktenvernichter als Wahlurne?

Schon war es Zeit sich zu entscheiden. Maximal drei Projekten konnte man eine Stimme geben und dann kam der Wahlzettel in die improvisierte Wahlurne. Anders als vom Aufkleber auf dem Karton angedroht, enthielt dieser keinen Aktenvernichter. Die Stimmzettel wurden nicht geschreddert, sondern kamen heil zur Auszählung.

Die Top 5 Ideen

Nach einer Auszählung der Wahlzettel haben diese fünf Projekte die meisten Stimmen bekommen:

  1. Ein Fairteiler für Lebensmittel, die sonst weggeworfen werden: https://buergerbudget.schondorf-ammersee.de/projekte/entry/26/?gvid=3404&pagenum=2
  2. See-U für mehr öffentliche Zugänge zum Seeufer: https://buergerbudget.schondorf-ammersee.de/projekte/entry/38/?gvid=3404&pagenum=3
  3. Das Pflanzen von 50 Bäumen für Schondorf: https://buergerbudget.schondorf-ammersee.de/projekte/entry/40/?gvid=3404&pagenum=3
  4. Der Schondorfer Gemüsegarten als gemeinschaftlich genutzte Ackerfläche: https://buergerbudget.schondorf-ammersee.de/projekte/entry/27/?gvid=3404&pagenum=2
  5. Eine Bücherbox, in der gebrauchte Bücher eingestellt und entnommen werden können: https://buergerbudget.schondorf-ammersee.de/projekte/entry/33/?gvid=3404&pagenum=2
Die Top 5 Ideen für das Schondorfer Bürgerbudget
Die Top 5, vom Fairteiler bis zur Bücherbox

Unter den Top 5 sind also zwei der vier Projekte, die zu meinen Lieblingsideen gehört haben (Ideen für Schondorf) und das freut mich natürlich. Wie viele Projekte schließlich realisiert werden, ist noch nicht klar. Insgesamt steht ein Budget von € 10.000 zur Verfügung. Wenn das mit den fünf Erstplatzierten nicht ausgeschöpft ist, könnten noch weitere der vorgestellten Ideen nachrutschen.

Letzte Chance

Außerdem ist die Abstimmung noch nicht beendet. Bis zum kommenden Freitag, 20. September kann man im Rathaus noch den Stimmzettel ausfüllen. Mitmachen dürfen alle, die in Schondorf leben und älter als 14 Jahre sind. Um das zu belegen, muss man zur Abstimmung den Personalausweis mitbringen.

Das ist also die letzte Chance, wenn jemand ein bestimmtes Projekt auf der Liste noch weiter nach vorne bringen möchte.

Entscheidung im Gemeinderat

Anfang Oktober beschäftigt sich der Gemeinderat mit den Ideen aus dem Schondorfer Bürgerbudget. In Bayern hat dieses Gremium nämlich das letzte Wort bei allen Fragen der kommunalen Finanzierung.

Von daher war ich etwas enttäuscht, dass das Interesse an dieser Veranstaltung vonseiten des Gemeinderates nicht besonders groß war. Ratsmitglied Marius Polter war als einer der Organisatoren natürlich dabei. Ansonsten habe ich nur Gemeinderätin Helga Gall gesehen, die sich die verschiedenen Projekte angeschaut und mit den Ideengebern diskutiert hat. Ich hätte gehofft, dass mehr Ratsmitglieder diese Gelegenheit nutzen, um etwas über die Projekte zu erfahren, über die sie abstimmen werden.

Aber vielleicht hat der Gemeinderat einfach großes Vertrauen in die Schwarmintelligenz der Bevölkerung und vertraut darauf, dass wir schon das Richtige ausgesucht haben.

Kommentare

    • Leopold Ploner

      Anscheinend haben überraschend viele Leute die Möglichkeit genutzt, ihre Stimme bei der Gemeinde abzugeben. Das hätte ich nicht gedacht. Die Top 10 wurden da nochmal ordentlich umgekrempelt.

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