Ein rüstiger Siebziger

Etwas verspätet gratuliere ich dem Ammersee Kurier ganz herzlich zum 70. Geburtstag und wünsche ihm noch ein langes Leben. Er ist wirklich ein rüstiger Siebziger, immer noch fit, gesund und geistig hellwach.

Redakteure vor Ort

Ich hatte schon einmal geschrieben, dass die lebendige Zeitungslandschaft in der Region ein großer Gewinn ist (Warum ich Zeitungen liebe). Hier sitzen die Redakteure noch tatsächlich vor Ort und berichten aus eigener Anschauung. Das hat schon eine andere journalistische Qualität, als nur eingehende Pressemeldungen am Computer zu bearbeiten.

Schlagzeile Killer-Hund
Der Ammersee Kurier erspart mir solche Schlagzeilen.

Außerdem mag ich die Unaufgeregtheit der Berichterstattung. Den Kontrast sehe ich deutlich, wenn ich am örtlichen Zeitungsständer einer Münchner Boulevardzeitung vorbeikomme. Deren Schlagzeilen haben regelmäßig einen hysterischen Ton. Praktisch jeden Tag lese ich dort, dass wir von Verarmung, Steuererhöhungen, neuen Krankheiten oder Killer-Hunden bedroht werden.

Dagegen pflegt der Ammersee Kurier einen ruhigen, sachlicher Stil. Selbst der renommierte Historiker Götz Aly hat das einmal in einer Kolumne für die Berliner Zeitung beschrieben. Für ihn ist unser Heimatblatt geradezu ein Symbol für das beschauliche, wohlgeordnete Leben in Oberbayern:  https://www.berliner-zeitung.de/politik/kolumne-goetz-aly-in-oberbayern-ist-die-welt-noch-in-ordnung-6567452

Ammersee Kurier 1949

70. Jubiläum Ammersee Kurier

Jubilaren macht man ja gerne das Kompliment, ihr Aussehen hätte sich überhaupt nicht verändert. Das stimmt beim Ammersee Kurier tatsächlich. In der Jubiläumsausgabe zum 70. Geburtstag war auch die Titelseite der Ausgabe 1 vom 27. August 1949 abgedruckt. Das damals gestaltete Logo sieht heute noch genauso aus wie damals.

Die Themen bleiben

Witzigerweise wäre auch die Schlagzeile vom August 1949 heute noch aktuell. „Warum wird nicht gebaut?“, fragte die Zeitung damals auf der Titelseite. Der Beitrag darunter berichtet, „dass die Wohnungsnot noch für lange Zeit das brennendste Problem unserer Wirtschaftspolitik bleiben wird“. Weiter heißt es: „An Programmen und Vorschlägen zur Beseitigung dieser übelsten sozialen Krankheit der Gegenwart hat es nicht gefehlt, aber sie sind auf dem Papier geblieben.“

Der Mangel an Wohnraum hat also auch schon vor siebzig Jahren die Menschen bewegt. Würde man den ersten Jahrgang sorgfältig durchsuchen, würde man vermutlich auch irgendwo einen Bericht über enthemmt randalierende Jugendliche finden. Manche Themen sind einfach zeitlos.

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