Gratulation an Katharina Ranftl

Bei der Ausstellung das kleine format wurde heuer neben einem Publikumspreis auch ein mit € 1.000 dotierter Fachjurypreis vergeben. Dieser ging an die Dießener Bildhauerin Katharina Ranftl (https://katharina-ranftl.de/). In Schondorf kennen wir sie gut, denn sie hatte über mehrere Jahre ihre Werkstätte im Skriptorium in der Bahnhofstraße. Hier entstand ihre Serie der Montagsfiguren, die man regelmäßig im Schaufenster des kleinen Hauses bewundern konnte (196, 197, 198, 199 …200!).

Eine hochkarätige Jury

Katharina ranftl beim Kleinen Format 2019
Katharina Ranftl: Fashion for Astronauts

Ein Preis freut eine Künstlerin natürlich immer, aber wahrscheinlich noch mehr, wenn er von einer so hochkarätig besetzten Jury vergeben wird. Die Auswahl trafen nämlich Angelika Hoegerl (https://www.angelikahoegerl.de), Jan Davidoff (http://jandavidoff.de/), Werner Kroener (http://www.kroenerkunst.de) und Bernd Zimmer (http://berndzimmer.com). Die vier gehören mit Sicherheit zu den bekanntesten Kunstschaffenden im Fünf-Seen-Land.

Wie ich von Beteiligten gehört habe, tat sich die Jury bei ihrer Entscheidung wirklich nicht leicht. Das wundert mich nicht. Auch ich finde, dass die heurige Ausgabe von das kleinen format ungewöhnlich vielfältig und qualitativ sehr hochwertig war.

Fashion for Astronauts

Katharina Ranftl: Mode für RaumfahrerDie Arbeiten von Katharina Ranftl stechen in diesem Umfeld aber tatsächlich hervor. Sie hatte sich Gedanken über Fashion for Astronauts gemacht. Ihre Vorschläge dazu  präsentierte sie als Skizzen und als fertig ausgearbeitete Holzfiguren.

Anscheinend ließ sich Ranftl dabei von dem Bühnenbildner Oskar Schlemmer inspirieren. Der hatte in den 20er Jahren ähnliche Kostüme für das avantgardistische Tanztheater Triadisches Ballett entworfen.

Witzigerweise habe ich gerade den Roman Pixeltänzer von Berit Glanz gelesen. Darin spielt die expressionistische Tänzerin Lavinia Schulz eine wichtige Rolle. Zusammen mit ihrem Partner Walter Holdt hat sie Tanzkostüme angefertigt, die denen von Oskar Schlemmer ganz ähnlich sind (https://de.wikipedia.org/wiki/Lavinia_Schulz).

Neben diesen Klassikern des Expressionismus erinnert mich die Raumfahrtmode von Ranftl aber auch an die Science-Fiction-Welten von Moebius und Enki Bilal. Auch bei denen sind die Kleidungsstücke oft mehr als nur eine Hülle und wirken wie eigenständige Wesen, die eine symbiotische Beziehung mit den Menschen eingehen. Ein bisschen Afro-Futurismus im Geist von Sun Ra scheint mir bei Ranftls Figuren auch aufzublitzen. Das liegt aber vielleicht nur daran, dass ich ihre Serie der Orisha-Göttinnen noch im Hinterkopf habe.

Fröhlicher Sommer und böser Wolf

Turmspringerin von Franziska Ghirardo
„Fühlt sich wie Sommer an“ von Franziska Ghirardo

Den Publikumspreis gewann Franziska Ghirardo (https://www.franziskaghirardo.com/) für ihre Bronzeskulpturen der Serie Fühlt sich wie Sommer an. Die Motive der Schwimmenden waren schon heuer im Frühjahr in einem ausgesprochen passenden Umfeld zu sehen, nämlich bei Kunst geht baden im Warmbad Greifenberg (https://kunstgehtbaden.de/bwg_gallery/franziska-ghirardo-arbeiten/).

Ich kann gut verstehen, dass sich das Publikum für diese entzückenden Miniaturen entschieden hat, die das Gefühl von Sommer so augenfällig darstellen. Das unbeschwerte Kraulen im Wasser, die zögerliche Haltung auf dem Sprungbrett, die Arschbombe mit wehenden Haarzöpfen – das fühlt sich wirklich an wie Sommer.

Franziska Ghirardo Rotkäppchen
Franziska Ghirardo: Das Mädchen und der böse Wolf

Franziska Ghirardo zeigte außerdem auch ihre Installation Das Mädchen und der böse Wolf. Hier nimmt sie das Märchen von Rotkäppchen auf und führt es auf das zurück, was es wahrscheinlich immer schon war, eine Parabel über sexuelle Gewalt. Ich hatte diese Kombination von Skulpturen und Texten bereits letztes Jahr im Rahmen von Kunst wegen Geschäftsaufgabe im ehemaligen Sporthaus Henle in Herrsching gesehen. Damals schon war ich sehr beeindruckt und beim Wiedersehen hat die Arbeit nichts von ihrer düsteren Faszination verloren.

Immersiv ist bekanntlich das neue Zauberwort im Kunstbetrieb, aber hier passt es tatsächlich. In der Installation stehend fühle ich mich von den Mädchenfiguren beobachtet, habe das ungute Gefühl, selber ein Akteur dieser Geschichte zu sein. Dass der böse Wolf ein Fleisch zerfetzender Fleischwolf ist, nimmt dem Bild alles süßlich-märchenhafte und gibt ihm eine brutale Direktheit. Die ganze Szenerie gibt mir ein beklemmendes Gefühl von Bedrohung. Ich mag es, wenn Kunst so starke Emotionen auslöst.

Noch bis 3. November

Wer die Ausstellung mit den Arbeiten der beiden Preisträgerinnen sehen will, muss sich beeilen. das kleine format ist nur noch diese Woche von Freitag bis Sonntag geöffnet.

das kleine format

19. Oktober bis 3. November 2019
jeweils Freitag, Samstag und Sonntag von 14:00 bis 18:00 Uhr
Kulturforum Blaues Haus
Prinz-Ludwig-Strasse 23
Dießen am Ammersee
http://www.das-kleine-format.de

 

Kommentare

  1. Herzlichen Glückwunsch an Katharina! Ich hatte das Vergnügen, sie vor einigen Jahren persönlich kennenzulernen (im Skriptorium).
    Und natürlich gratuliere ich auch herzlich Franziska Ghirardo!
    Viele Grüße
    Renate

    PS: Kunst (welcher Natur auch immer) ist in meinen Augen nur dann gut, wenn sie Emotionen auslöst (welcher Natur auch immer).

    • Leopold Ploner

      Ich erinnere mich auch noch sehr gerne an ihre Serie der „Montagsfiguren“ im Skriptorium. Das war ein schönes Ritual, jede Woche dort vorbeizuschauen und eine neue Figur mit neuer Geschichte zu entdecken.

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