Aedes vexans im Herbst

Ich meine ja, dass das natürliche Biotop der Aedes vexans der Blätterwald der deutschen Zeitungen und Zeitschriften ist. Hier gedeiht sie von Mai bis Juli ganz hervorragend. Bei guter Pflege erreichen manche Exemplare die Größe eines afrikanischen Elefanten. Ab Juli verschwinden sie dann und überwintern in den Redaktionsstuben. Die Larven liegen dort in Leitz-Ordnern mit der Aufschrift „Sommerloch“. Ihr habt es sicher schon erraten: Bei Aedes vexans handelt es sich um die Stechmücke.

BTI-Entscheid in Eching

Erfahrungen zu Mittel gegen Stechmücken
Wie ernst nehmen wir es mit dem Artenschutz?

Es ist wie gesagt äußerst ungewöhnlich, dass die Stechmücke im Herbst noch im Blätterwald der Zeitungen auftaucht. Heuer ist eine Ausnahme, weil in Eching am Ammersee im November ein Bürgerentscheid zu dem Thema stattfindet. Am 17. November kann die Bevölkerung dort über folgende Frage abstimmen:

Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Eching am Ammersee die Genehmigung bei der Oberen Naturschutzbehörde zur Ausbringung des Bakterienextraktes BTI (Bacillus thuringiensis israelensis) auf den als Mückenbrutstätten festgestellten Überschwemmungsflächen durch Drohnen und Handspritzgeräte beantragt, wenn die Obere Naturschutzbehörde aufgrund einer Mückenplage eine solche Genehmigung in Aussicht stellt?

Einen ausführlichen Bericht dazu gibt es in der Süddeutschen Zeitung: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/ammersee-stechmuecken-schnaken-spritzen-1.4643649

Aedes vexans und ich

Ich persönlich brauche dieses BTI nicht. Ich habe mich mit den Viechern abgefunden und merke nichts von einer zunehmenden Mückenplage. Seit ich hier lebe, gibt es Jahre mit mehr und mit weniger Mückengebrumm. Es stimmt, an manchen Tagen kann einem das die Sommerabende auf der Terrasse verleiden. Inzwischen bin ich aber ganz gut vorbereitet und weiß, wie ich mich gegen die Quälgeister wehren kann (Welche Mittel gegen Schnaken helfen).

Weihrauchpflanze
Weihrauch hilft, unsere Terrasse mückenfrei zu halten

Was das Insektizid BTI angeht, bin ich skeptisch, weil mir hier die Verstrickung verschiedener Interessen nicht ganz geheuer ist (Wissenschaft und Wirtschaft). Außerdem glaube ich, dass die Natur ein sehr komplexes System ist, in dem wir die Zusammenhänge noch längst nicht alle kennen. Dass man hier an einer bestimmten Stelle eingreifen kann, ohne woanders das Gleichgewicht zu stören, das halte ich für eine Illusion.

Die Nagelprobe

In Eching wird man also am 17. November entscheiden, ob die Stechmücken in Zukunft mit BTI bekämpft werden sollen. Auf das Ergebnis dieser Abstimmung bin ich sehr gespannt. Ich sehe das als eine Nagelprobe, die zeigen wird, wie unser Verhältnis zu Natur- und Artenschutz wirklich ist.

Als diesen Sommer über das Volksbegehren Artenschutz abgestimmt wurde, erhielt dieses in Eching – wie überall am Ammersee – eine hohe Zustimmung. 25,39% gingen ins Rathaus, um das Vorhaben zu unterstützen.

Brutgebiet der Aedes vexans in Eching
Das Brutgebiet der Mücken am Seeufer

Nun war es da ja relativ einfach, sich für die Natur einzusetzen. In dem Volksbegehren ging es vor allem darum, was Politik und Landwirtschaft für mehr Artenschutz tun müssen. Für mich persönlich haben die neuen Vorschriften praktisch keine Auswirkungen.

Beim Einsatz von BTI sieht das natürlich anders aus. Hier lockt das Versprechen von mückenfreiem Badevergnügen, ungestörtem Grillen auf der Terrasse und Sommerabenden ohne lästige Schnaken. Werden sich die Menschen in Eching auch dann für Artenschutz entscheiden, wenn man dafür persönlich Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen muss? Wie gesagt, ich bin gespannt.

Kommentare

  1. Man mag ja als Schondorfer zu Mückenplagen in Eching stehen wie man will. Tatsache ist, die Belastung einer Plage ist in beiden Orten nicht vergleichbar.
    Lieber Leo, nach dem Lesen deiner Zeilen hat sich für mich die Frage aufgedrängt, was haben Plagen, also das plötzliche starke ansteigen der Population von 3 bis 4 Arten, hier die Überschwemmungsmücken, mit dem Artensterben zu tun? Ist es also zukünftig nicht mehr mit dem Artenschutz vereinbar etwas gegen den Borkenkäferbefall zu tun, die Raupe des Buchsbaumzünsler zu bekämpfen oder eine Rattenplage einzudämmen?

    Eching strebt das an was viele Regionen und Länder tun: Umweltschonendes Überschwemmungsmücken Controlling, Plagen werden verhindert und die Arten nachweislich geschont. Anders bei den „Privatinitiativen“ mit den chemischen Repellenzien wie Autan, AntiBrumm und Co. die Nervengifte wie Icaridin und DEET enthalten und nachweislich Lurche schädigen, weil sie z.B. beim Baden in die Natur gelangen und den menschlichen Organismus belasten, oder beim Spritzen von Pestiziden wie Masta Kill in die Hecken. Proben aus der Eichinger Kläranlage haben gezeigt, das die Wirkstoffe, chemische Gifte aus diesen Mitteln, in der Kläranlage nachweisbar waren. Sie gelangen also auch in die Natur. Spezialisten müssen nun klären wie diese Zahlen zu bewerten sind. Jetzt wird Chemie eingesetzt und die Frage ist doch ob es nicht viel besser ist staatlich kontrolliert ein Eiweißkristall von Biologen und Ökologen ausbringen zu lassen, dass auch im Biolandbau zugelassen ist und dort häufig Anwendung findet?

    • Leopold Ploner

      Lieber Rainer,
      zumindest wir zwei Schondorfer haben uns ja – ohne Rücksicht auf unsere körperliche Unversehrtheit – aus erster Hand ein Bild von der Mückenbelastung in Eching verschafft.

      Ich für meinen Teil sehe schon einen Zusammenhang zwischen Insektenschwund, Artenvielfalt und Insektiziden. Viele Wissenschaftler vermuten das auch, nur den klaren Ursache-Wirkung Zusammenhang können sie noch nicht herstellen. Wie ich schon geschrieben habe: Ich glaube nicht, dass wir die komplexen Zusammenhänge in der Natur vollständig verstehen. Wenn wir irgendwo eingreifen, dann wissen wir nicht welche Auswirkungen das an ganz anderer Stelle haben kann. Deshalb bin ich beim Einsatz von Insektiziden für große Zurückhaltung. Ob durch den Einsatz von BTI tatsächlich weniger Antibrumm versprüht wird, ist erst einmal nur eine Vermutung.

      • Lieber Leo,
        der Zusammenhang zwischen Insektiziden als eine Ursache für das Insektensterben ist doch völlig unumstritten. Den Begriff Neomics (Neonikotinoide) ist jedem Kind heute geläufig.

        Aber diese mit Bti auf die selbe Stufe zu stellen, wäre etwas so, als würde man gehen Halsschmerzen mit Salbei gurgeln statt ein Antibiotika einzunehmen, würde aber in der Betrachtung der möglichen Nebenwirkungen und Belastungen für den Körper beide Arzneien auf die selbe Stufe zu stellen. Natürlich ist es noch nicht bekannt, was der Salbei für Nebenwirkungen haben könnte, aber man hat damit bereits hinlängliche Erfahrungen gesammelt.

        Ähnlich beim BT-Einsatz im Biolandbau. Hier habe ich noch keine Beschwerden von den Umweltverbänden gehört und auch Bti wird bereits seit 40 Jahren eingesetzt und es gibt zahlreiche, internationale Begleitstudien von Universitäten und staatlichen Organisationen.

        Anders bei den Repellentien, ich weiss auch du nutzt diese nicht, was sehr löblich ist, aber damit bist du eher die Minderheit. Die Absatzzahlen zeigen, welche Mengen davon genutzt werden und letztlich direkt in den Seen landen oder möglicherweise nicht in den Kläranlagen entfernt werden und dann in die Flüsse kommen.

        2002 wurde der Gesamte Bereich der Haushaltsinsektizide für 725 Mio € von Bayer an SC Johnson verkauft und wer die Berichte ließt, erfreut sich die Branche durchaus wachsender Umsätze. Wir haben die leergekauften Drogeriemarkt- und Supermarktregale gezeigt, als bei uns nach dem Pfingsthochwasser war. Wir können doch nicht länger die Augen vor der Realität verschließen. Bei Mückenplagen wird Gift eingesetzt, das ist die bedauerliche Wahrheit.

        https://www.handelsblatt.com/archiv/johnson-uebernimmt-autan-fuer-725-millionen-euro-bayer-verkauft-haushaltsinsektizide/2208598.html?ticket=ST-2042254-EmRW0wgebi2Cnc70Oinm-ap4

  2. Daniela Krüger

    JA , ich bin dafür !!!

    Warum:

    1. )
    Bitte den Bericht über Nebenwirkungen von Deet lesen, einfach runter scrollen!

    https://www.moskitofrei.com/deet-mueckenschutz/

    Und das soll alles gut sein, für Mensch & Natur? Im Sommer haben wir mit zwei Personen, wöchentlich bis zu zwei Flaschen DEET-haltige Antimückensprays verbraucht und das kontinuierlich drei Monate lang.. über den gesamten Tag!
    Über 40.000 Menschen leben am Ammersee. Wenn wir hier die Hälfte der Bevölkerung nehmen , die genau wie wir Deet-haltige Sprays benutzt haben, zu gleichen Zeiten und Mengen…Nur mal berechnet auf den Sommer 2019, auf drei Monate! Dann hätten wir über 24.000 Liter mit nur der Hälfte der Bevölkerung verbraucht (Hier ist die Hälfte der Bevölkerung und all unsere Besucher am Ammersee nicht mit berechnet worden).
    24.000 Liter Antimückenspray könnte in unser Grundwasser und in den Ammersee gegangen sein in nur drei Monaten im Sommer 19! Fast jedes Jahr haben wir eine Mückenplage und über Jahre ist so verfahren worden!
    Da der Wirkstoff Deet nicht wasserlöslich ist, werden mit Sicherheit in Kläranlagen u. in Wasserproben vom Ammersee Rückstände zu finden sein … Viele Milliarden Giftmoleküle die in unserem schönen Ammersee schwimmen .. die der ökologischen Laufbahn der Natur absolut schaden! Warum: Weil der Einsatz von BTI den Verantwortlichen nicht so wichtig ist!
    Das hat nichts mehr mit Naturschutz zu tun!

    2.) https://www.scinexx.de/news/biowissen/anti-mueckenmittel-toetet-schwanzlurche/

    Unverständlich ist, das viele einen grünen Daumen am Ammersee vorspielen! Eine politische Taktik? …Naturschutz ist was anderes!!
    Damit meine ich alle Verantwortlichen, die gegen eine kurzfristige u. kontrollierte biologische Bekämpfung von BTI Einsatz, am Ammersee sind..(BTI wird im übrigen auch in der ökologischen Landwirtschaft eingesetzt)..
    Die Nebenwirkungen werden schnell kommen!
    Die Felder dürfen nach EU Bestimmungen, um den gesamten Ammersee mit Pestiziden u. tonnenweise Kunstdüngern beschickt werden (Bienensterben), gleichzeitig müssen wir uns mit Unmengen an Repellentien einsprühen.
    Die für Mensch u. Tier gefährlich sind. Zum einem, mit unvorhersehbaren Wechselwirkungen mit anderen giftigen Stoffen, wie Pestiziden …
    zum anderen, das wir hier viele Tiere damit zerstören und somit auch den natürlichen Kreislauf der Natur … alles geht in unser Grundwasser!
    Danke an Cary Institute of Ecosystem Studies, für den Bericht!

    3.)
    https://www.google.de/amp/s/amp.n-tv.de/wissen/Gefaehrlicher-Insektenschutz-article447023.html

    Aus finanziellen Gründen der Gemeinden, auf Rücken der Bürger u. Natur zu argumentieren… wäre schlichtweg fahrlässig… Eigennutz … und unverständlich! Es geht hier nicht um eine Vernichtung von Insekten .. sondern um eine kontrollierte Eindämmung der Mückenplage (Überschwemmungsmücke) … Wie in einem Bericht von einem Unterstützer schon geschrieben: Eine Rattenplage hätten wir auch bekämpfen müssen (hier helfen auch keine Kräuter)! Es ist unfassbar, das ortsansässige betroffene Anwohner sich für eine biologische Bekämpfung von BTI jahrelang einsetzen müssen…bevor endlich was gemacht wird! Die Mückenplage der Überschwemmungsmücke ist ein Zeichen des Klimawandels .. was sich jedes Jahr verschlimmern kann, durch extreme Wetterbedingungen und somit dann auch verstärkt unser derzeitiges Problem!
    Eine professionelle Recherche der Nachfolgen, wie der Einsatz von Pestiziden, Düngemitteln, gespritzte Gifte (von Anwohnern) und Anwendungen von Repellentien, stelle ich den Verantwortlichen als Kompetenz voraus.. eine Untersuchung von Wasserproben / Erdproben und Aufklärung an die Bevölkerung und Naturschützern!
    Jeder spricht von Bienensterben, keine Plastiktüten mehr u. Erderwärmung … das Problem was wir hier haben, wird in Zukunft noch ein viel größeres Problem sein (unser Grundwasser u. der ökologische Kreislauf unserer Natur), wenn nicht gehandelt wird! Hier gehts mir nicht um eigene Bedürfnisse, dass ich im Sommer mein Garten benutzen kann oder das jetzt eine neue Echinger Greta geboren wurde, oder das mein Geschäft gestört wird, sondern um Mensch, Tier, Natur und Fakten der Zukunft!!! …
    Wir und auch die Verantwortlichen sollten Umdenken und sich zukunftsorientiert zum Wohl der Natur, in unserer Kulturlandschaft am Ammersee daran beteiligen: Wie können wir den ökologischen Kreislauf der Natur retten? … damit meine ich nicht, sich NUR auf unsere hier lebenden Vögel zu konzentrieren und auf Bienensterben .. sondern das eigentliche Problem in die Hand zu nehmen! (BTI IST EIN REIN BIOLOGISCHES BIOZID, wirkt nur auf Mückenlarven und nicht auf Bienen) … Der Einsatz von BTI am Ammersee würde nur selten bei einer vorhersehbaren Überschwemmung angewandt!
    Das BTI wird von Biologen kontrolliert u. ganz gezielt von Hand ausgebracht ….ohne Hubschrauber… nicht auf stehendes u. fließendes Wasser und auch nicht über bewohnte Gebiete!

    Lieber Leo,
    ich verstehe Deinen Einsatz… aber Du musst die Lage verstehen … nicht jeder, der 40.000 Anwohner am Ammersee und die vielen Besucher im Sommer, denken so wie Du! Bis Du all diese Menschen überzeugt hast, das Kräuter vielleicht eine Alternative bei einer extremen Mückenplage wären, wird der Ammersee einen Großteil seiner sensiblen Tierarten durch Gifte verloren haben ( z.B. der wichtige Schwanzlurch, in der Nahrungskette vor der Mückenlarve) und wir haben gesundheitliche Schäden! Man muss zunächst das größte Problem beseitigen … Gifte in Gärten u. Deet-haltige Substanzen eindämmen … auch die Eindämmung von Kunstdünger u. Pestizide auf den Wiesen & Feldern rund um den Ammersee….
    Danach kann man Deine Kräutertheorie vielleicht in Erwägung ziehen!

    Und deshalb bin ich dafür als Echingerin.
    Jeder der hier Abstimmungsberechtigt ist, muss seiner Verantwortung gegenüber unserer Natur, der Region und allen anderen Mitmenschen, die unter diesen vermeidbaren Plagen leiden, unbedingt nachkommen und für eine biologische Bekämpfung einer sicher wiederkehrenden Mückenplage stimmen.

    • Leopold Ploner

      Liebe Daniela,
      vielen Dank für deinen sehr ausführlichen und fundierten Kommentar. Ich persönlich habe meine Zweifel, ob durch den Einsatz von BTI der Verbrauch an DEET-haltigen Mitteln merklich zurückgeht. Mir ist schon klar, dass nicht alle Leute so denken wie ich (das wäre ja auch schrecklich langweilig) aber ich hoffe doch, dass durch anhaltende Aufklärung ein Umschwenken von DEET-Sprays zu umweltfreundlicheren Alternativen befördert werden kann.

  3. Sabine Pittroff

    Heute haben die AmmerseeMücken an alle Haushalte in Eching eine objektive und sachliche Aufklärung verteilt. Bereits positive Rückmeldungen erhalten und immer wieder Alternativen zur Chemie gehört. An erster Stelle steht gerade der Ventilator.

    • Daniela Krüger

      Text:

      Finde ich gestern einen Flyer im Briefkasten und frage mich, wie die Verfasser schon vorher wissen können, was der Kreisbote schreiben wird? Interessant! Gemeinsame Kampagne? Geht ja gar nicht! Und ich dachte, wir haben eine unabhängige Presse …

      • Leopold Ploner

        Das finde ich jetzt nicht so ungewöhnlich. In den Nachrichten höre ich oft: „Wie die Welt/Bild/Soiegel/SZ in ihrer morgigen Ausgabe berichtet …“ Das scheint also gängig zu sein, dass man schon vorher auf einen kommenden Artikel hinweist.

    • Mario Leierseder

      Der besagte Ventilator hilft als Alternative zu den Pestiziden in der Gartenhecke.
      Mit ihm lässt sich allerdings nur ein sehr begrenzter Bereich mückenfrei halten. Ich möchte gerne den Riesenventilator sehen, mit dem ganze Gärten, der Fußballplatz, der Spieplpatz, der Kindergarten oder der Badestrand mit einem ausreichenden Luftzug versorgt werden.
      Es geht doch nicht nur um das Genießen des schönen Wetters auf der Terrasse, es geht um alltägliche Dinge, wie Gartenarbeit, den Bewegungsdrang der Kinder, Einkäufe, etc. und dafür muss etwas getan werden!

  4. Mario Leierseder

    Sehr geehrter Herr Ploner,
    auch ich bin dafür, die Überschwemmungsmücken in Plagejahren durch eine koordinierte Aktion mit einem biologischen Wirkstoff einzudämmen, anstatt auf Einzelmaßnahmen zurückzugreifen, die Mensch und Natur schaden.
    Es freut mich, dass Sie als Schondorfer am Leid und Anliegen der Echinger Bürger teilhaben, wenn auch in etwas süffisanter Weise.
    In Schondorf kann man sich glücklich schätzen, dass die Mücken dort in der Regel als Sommerlochüberbrückung für die Medien herhalten statt tatsächlich zur Plage für die Einwohner und Gäste zu werden.
    Ich wohne seit sechs Jahren in Eching und bin damals während der Renovierungsphase unseres Hauses in meine erste Mückenplage geraten. Wir hatten uns mehrfach die Frage gestellt, was wir uns da wohl angetan haben. Die erste Investition ins neue Eigenheim waren Mückengitter für sämtliche Fenster, damit wir zumindest im Haus vor den Plagegeistern gefeit waren.
    Sicherlich lässt sich eine Terrasse, je nach Größe, auch mit überschaubarem Aufwand durch Moskitonetze, Räucherspiralen oder auch durch Weihrauchpflanzen einigermaßen mückenfrei halten, um dort ein paar ruhige Stunden zu verbringen. Jedoch geht es auch um alltägliche Dinge, bei denen eine übergreifende Eindämmung eines zu hohen Mückenbestandes von Nöten ist, z.B. um Kindern die notwendige Bewegung im Freien zu ermöglichen. Der Fußballplatz, der Spielplatz oder auch der Außenbereich des Kindergartens lässt sich nun mal nicht flächendecken mit Netzen abhängen oder durch umfangreiche Weihrauchhecken oder andere Pflanzen, die auf Mücken abschreckend wirken, schützen. Gerade Kinder reagieren oft mit größeren, juckenden Schwellungen auf die Stiche und aufgrund ihrer kleineren Körper und des empfindlicheren Organsystems sind die Auswirkungen von Repellentien für sie gravierender als für Erwachsene.
    Der Einsatz von Bti zur zielgerichteten Reduktion der Mückenanzahl in Plagejahren wird in anderen Regionen seit Jahren (Chiemsee) bzw. am Oberrhein sogar seit Jahrzenten erfolgreich praktiziert. Ich habe mich in diesem Zusammenhang mit Echinger Bürgern unterhalten, die dort aufgewachsen sind, bzw. dort längere Jahre gelebt haben. So kann ich z.B. auf die Erfahrung eines Echingers zurückgreifen, der in der Region des „Biedensand“ und den zugehörigen Altrheinarmen lebte und auch heute noch Kontakte dorthin unterhält. Dort, in einem der der größten Vogelschutzgebiete Deutschlands, wird seit mehr als 30 Jahren Bti eingesetzt durch unabhängige Gutachten sowie persönliche Sichtungen der Bevölkerung, die Auswirkungen auf die Natur und insbesondere die Artenvielfalt beobachtet. Die Bestände von Fischen und Vögeln sind dort stabil und es gibt auch weiterhin Stechmücken, jedoch in einer erträglichen Anzahl.
    Eine Mückenbekämpfung in Eching sollte natürlich auch von einem Monitoring begleitet werden, mit dessen Hilfe mögliche Auswirkungen auf die Artenvielfalt transparent gemacht werden und dann weitere Bekämpfungen in Frage gestellt werden können. Die Entscheidung, die am Sonntag gefällt wird, ist nicht in Stein gemeißelt. Sollten sich wider Erwarten negative Auswirkungen abzeichnen muss entsprechend reagiert werden.
    Mit Verlaub möchte ich auf das von Ihnen verwendete Bild bezüglich der mutmaßlichen Brutplätze der Überschwemmungsmücken am Ammersee hinweisen, dies ist sicherlich eine schöne Kulisse, jedoch nur bedingt ein Brutplatz. Wenn ich es richtig sehe, zeigt es den Uferwald zwischen Eching und Schondorf. Dort fällt das Gelände zum See hin steil ab und es gibt nur eine schmale, flache Uferrandzone. Diese weist einen steinigen und sandigen Untergrund auf. Überschwemmungsmücken benötigen für ihre Brut einen Bereich, der stehendes Gewässer bzw. stark durchnässten Boden aufweist. Dies ist dort nicht gegeben, da durch leichten Wellengang das Wasser ständig in Bewegung ist. Der Uferbereich von Eching und dem angrenzenden Ampermoos jedoch ist von flachen Wiesen umgeben, die bei Hochwasser überflutet werden und teils über mehrere Wochen stehendes Gewässer aufweisen. Ein sehr schön nachvollziehbares Beispiel ist die Wiese südlich der Autobahn, die an die Amper angrenzt. Dort hatte ich persönlich kurz vor Pfingsten Schöpfproben entnommen und in einem 200ml Becher Wasser bis zu 50 Larven gezählt. Die Flächen nördlich der Autobahn im Überschwemmungsbereich der Windach standen zu diesem Zeitpunkt ebenso unter Wasser, dort gab es jedoch kaum Larven, da das Wasser kontinuierlich in Richtung Amper abfloss.
    Diese geographischen Unterschiede erklären auch, warum es in Eching, Dießen, in Teilen Herrschings und am Südufer des Ammersees in diesem Jahr zu erheblichen Mückenplagen kam und Schondorf weitestgehend davon verschont wurde.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Mario Leierseder

    • Leopold Ploner

      Lieber Mario Leierseder,
      es tut mir leid, dass es mit der Veröffentlichung des Kommentars etwas gedauert hat. Die ersten beiden Versuche wurden – aus welchen Gründen auch immer – vom system als Spam zurückgewiesen. erst im dritten Anlauf habe ich den Kommentar jetzt gefunden und freigeschaltet.
      Übrigens gut erkannt: Das Aufmacherphoto ist tatsächlich der Uferwald zwischen Schondorf und Eching, und damit nicht unbedingt das bevorzugte Brutgebiet. Ich hatte nur auf die Schnelle kein anderes Photo zur Hand.

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