Als die Angst die Seite wechselte

Der Name Siegbert Schefke wird vielleicht nur wenigen geläufig sein. Er ist aber die Person, die unser kollektives Gedächtnis an die Tage vor dem Mauerfall ganz entscheidend geprägt hat. Er filmte 1989 heimlich die Demonstrationen in Leipzig und brachte diese Aufnahmen in den Westen, wo wir sie im Fernsehen gesehen haben. Am 21. November veranstaltet die Buchhandlung Timbooktu (https://timbooktu-ammersee.de/) einen Vortragsabend mit Schefke (https://siegbert-schefke.de/). Er liest dabei aus seinem Buch Als die Angst die Seite wechselte und zeigt Bilder aus jenen dramatischen Tagen.

Wo kamen die Bilder her?

Siegbert Schefke beim filmen
© Robert-Havemann-Gesellschaft

Im Rückblick wundere ich mich, dass ich mich vor 30 Jahren nicht über die Fernsehbilder von den Demonstrationen in Leipzig gewundert habe. Das Staatsfernsehen hatte ja kein Interesse daran, diese Bürgerbewegung publik zu machen, und westliche Sender bekamen zu dieser Zeit keinen Zugang mehr nach Leipzig. Wo kamen die Bilder also her? Zu einem guten Teil kamen sie von Siegbert Schefke und Aram Radomski.

Schefke engagierte sich seit den 80er-Jahren aktiv in der Umwelt- und Friedenspolitik. Als Photograph, Kameramann und Reporter dokumentierte er die Umweltzerstörung und den Verfall historischer Stätten in der DDR. Die Stasi sah in ihm deshalb einen der gefährlichsten Oppositionellen. Seine Bespitzelung erfolgte unter dem Decknamen Satan.

Montagsdemonstration in Leipzig

Frank-Walter Steinmeier mit Siegbert Schefke
Siegbert Schefke mit Bundespräsident Steinmeier (Photo © Siegbert Schefke)

Am 9. Oktober 1989 filmte Siegbert Schefke gemeinsam mit Aram Radomski heimlich die Montagsdemonstration in Leipzig. Diese Aufnahmen spielte er dem Spiegel-Korrespondenten Ulrich Schwarz zu. Am nächsten Tag strahlte die Tagesschau den Film aus, der zeigte, dass das SED-Regime kurz vor dem Kollaps stand.

Man muss sich vergegenwärtigen, welches Risiko Schefke dabei auf sich nahm. Er wurde von der Stasi beobachtet und der friedliche Mauerfall war noch nicht vorherzusehen. Es wäre durchaus möglich gewesen, dass – wie in Budapest 1956 oder Prag 1968 – die Panzer rollen und der Protest gewaltsam niedergeschlagen würde.

Für seinen mutigen Einsatz erhielt Siegbert Schefke 2005 das Bundesverdienstkreuz.

Siegbert Schefke in Schondorf

Siegbert Schefke: Als die Angst die Seite wechselte
(Photo © Transit Buchverlag)

Seine Erlebnisse hat er in einem neuen Buch zusammengefasst: Als die Angst die Seite wechselte (https://www.transit-verlag.de/produkt/als-die-angst-die-seite-wechselte-die-macht-der-verbotenen-bilder/). Aus diesem Buch liest Schefke am 21. November im Vortragssaal des Landheim Ammersee.

Es geht dabei nicht nur um die dramatischen Ereignisse vom Herbst 1989. Es geht auch um den Weg vom einfachen Maurersohn zum engagierten Regimekritiker, um die Vorgeschichte des demokratischen Umbruchs, und um Freunde und Mitstreiter. Selbstverständlich unterlegt der Photograph und Kameramann Schefke seine Texte mit Bildern aus jener Zeit.

Siegbert Schefke

Lesung zum Thema 30 Jahre Mauerfall
21. November 2019, 19:30 Uhr
Landheim Ammersee, Vortragssaal
Schondorf am Ammersee
Eintritt: € 10,-

Anmeldung

Buchhandlung Timbooktu
Bahnhofstrasse 24
Schondorf am Ammersee
https://timbooktu-ammersee.de/

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