Nein, ich sperre mich nicht zuhause ein

Ich erhalte gerade von allen Seiten Aufforderungen #bleibzuhause oder #stayathome. Trotz der Pandemie werde ich mich aber nicht daheim einschließen. Ich werde trotz Corona spazieren gehen, oder besser gesagt gerade wegen Corona. Bevor jetzt der Shitstorm losgeht, möchte ich noch ein paar Sachen dazu erklären.

Abwehrkräfte stärken

Seit rund 60 Jahren höre ich, dass man speziell in Grippezeiten seine Abwehrkräfte stärken soll. In diesem Artikel erklärt der Infektiologe Thomas Löscher wie wichtig ein starkes Immunsystem gerade auch bei Corona-Infektionen ist: https://www.t-online.de/gesundheit/gesund-leben/id_85436208/immunsystem-was-staerkt-die-koerpereigenen-abwehrkraefte-.html

Vitamin C stärkt die Abwehrkräfte

Zur Stärkung der Abwehrkräfte gehört eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Dazu gehört aber auch Sport oder Bewegung an der frischen Luft. Das bestätigt selbst die Bundesapothekerkammer (Obwohl die Apotheken sicher gerne Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel verkaufen): https://www.t-online.de/gesundheit/gesund-leben/id_85436208/immunsystem-was-staerkt-die-koerpereigenen-abwehrkraefte-.html

Trotz Corona spazieren gehen

Trotz Corona spazieren gehenIch tue also etwas für den Selbstschutz, wenn ich regelmäßig nach draußen gehe. Anscheinend sehen das die derzeit gültigen Ausgangsbeschränkungen in Bayern auch so. Spazieren zu gehen ist als einer der triftigen Gründe aufgeführt, wegen derer man das eigene Haus verlassen kann (Stand 25. März 2020).

Selbstverständlich halte ich mich dabei an die gängigen Regeln. Ich gehe alleine raus, bzw. mit Frl. Rosa, unserem Labrador. Ich suche mir für meine Runden möglichst wenig begangene Strecken. Freunde die ich unterwegs treffe begrüße ich nicht mit einer Umarmung, und Fremden niese ich nicht ins Gesicht. Und ich wasche mir auch immer brav die Hände.

Die Gefahr einer Ansteckung dürfte draußen in der Natur minimal sein. Es ist kein Zufall, dass laut New York Times von allen Berufsgruppen Waldarbeiter derzeit das geringste Infektionsrisiko haben: https://www.nytimes.com/interactive/2020/03/15/business/economy/coronavirus-worker-risk.html

Ältere unter Hausarrest

Ich stelle nun fest, dass gerade bei der Generation der über 70-Jährigen das anscheinend ganz anders gesehen wird. In den letzten Tagen hörte ich von mindestens drei Leuten aus dieser Altersgruppe, dass sie wegen der Ausgangssperre leider nicht mehr das Haus verlassen dürfen. Mein Hinweis, dass man trotz Ausgangsbeschränkung spazieren gehen darf, fruchtete nichts. Nein, nein, man wolle lieber keinen Ärger mit der Polizei riskieren. Wenn überhaupt, dürfe man die Wohnung nur zum Einkaufen verlassen.

Und genau das tun ältere Menschen jetzt anscheinend verstärkt, wie ich beim Edeka gehört habe. Weil man glaubt, Einkaufen sei die einzig legale Möglichkeit um raus zu kommen, macht man das am liebsten mehrmals täglich. Klar, in der Wohnung fällt einem sonst irgendwann die Decke auf den Kopf.

Unter Hausarrest

Es ist absurd. Weil man sich wegen Corona nicht spazieren gehen traut, geht man genau dorthin, wo das Risiko am größten ist. Die Chance sich an der Supermarktkasse oder in der Warteschlange beim Bäcker anzustecken ist unendlich höher, als bei einem Spaziergang im Wald oder selbst auf der Straße.

Wie gesagt, ich mache es lieber umgekehrt. Ich vermeide nach Möglichkeit die Ansteckungsherde, bewege mich aber regelmäßig an der frischen Luft. Ich sperre mich nicht zu Hause ein, sondern gehe trotz Corona spazieren.

Was meint ihr? Ist das vernünftig, oder handle ich unverantwortlich? So, jetzt kann der Shitstorm kommen.

10 Gedanken zu „Nein, ich sperre mich nicht zuhause ein“

  1. Lieber Leo, ich mache es genau wie du: Ich gehe raus in die Natur, und dort jogge ich. Das mache ich seit 20 Jahren und hoffe, es auch noch weitere 20 Jahre machen zu können. Und ich laufe dort, wo die wenigsten Menschen zu erwarten sind: im Wald.

    Einkaufen gehe ich auch, allerdings nicht täglich, sondern einmal die Woche. Und dann passe ich auf, dass der Sicherheitsabstand eingehalten wird. Von mir zu anderen und umgekehrt.
    Bleib gesund und grüß Fräulein Rosa herzlich von mir. Ich glaube sogar, euch beide vor ein paar Tagen von der Ferne gesehen zu haben …
    Liebe Grüße
    Renate

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  2. PS: Dass man die Wohnung nur zum Einkaufen verlassen darf, ist definitiv Blödsinn. Wie du schreibst, wird oft genug darauf hingewiesen, dass man spazieren und joggen gehen nicht nur darf, sondern auch soll. Aus den von dir genannten Gründen. Ich habe übrigens seit weit pber 10 Jahren keine Erklältung mehr gehabt – vermutlich aus dem Grund, dass ich bei JEDEM Wetter jogge. Egal, ob es 35 Grad plus oder 15 Grad minus hat. Das härtet offensichtlich ab.
    Übrigens findet man zur Zeit draußen u. a. Bärlauch, wilden Schnittlauch und Knoblauchsrauke. Alle drei sehr leckere Wildkräuter, mit denen man prima Gerichte zaubern kann. Und gesund sind sie außerdem …

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  3. Ich glaub die stayathome Nummer ist eher für die Stadt gedacht. Wir sind jeden Tag draußen. Aber eben da, wo wir allein sind.

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    • Mir ist schon klar, dass das mit dem raus gehen in der Stadt vielleicht problematischer ist. Mir geht es aber ganz konkret um die Situation hier am Ammersee.

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  4. habe gerade diese Information bekommen

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    nach einem Hinweis der Bayerischen Staatsregierung soll Bewegung an der frischen Luft in
    der näheren Umgebung auch für Ausflüge an beliebige Orte, trotz der
    Bewegungseinschränkungen, möglich sein. So wurde vom Pressesprecher des
    Polizeipräsidiums Oberbayern eingeräumt, dass ein Münchner prinzipiell auch in die Berge
    fahren darf, um dort zu wandern.

    …also ich glaube du kannst in die Berge.

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  5. Lieber Leo, bitte gehe ganz viel Spazieren, damit Du noch länger lebst.
    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/corona-krise-homeoffice-wird-zu-todesfaellen-fuehren-16698308.html?utm_source=pocket-newtab
    Bewegungsmangel und die Hausmittel Rauchen und Alkohol zum Abbau von Stress werden derzeit massiv zunehmen. Hier sollte der Kopf über die Angst siegen. Denn: Eigentlich bräuchte es kein Hausarrest, wenn alle Bürger ganz einfach 2 Meter Abstand halten und nicht mit den Händen im Gesicht herumfummeln. Dann hätte der Virus keine Chance und es gäbe auch keine Pandemie. Aber bis vor kurzem sind auch hier in Schondorf Erwachsene noch eng beim Einkaufen in der Schlange gestanden. Jetzt müssen sie wegen der Unvernunft eingesperrt werden. Selber schuld, sage ich da. Denn das war unnötig rücksichtslos den Risikogruppen gegenüber. Klar, wir Normalos werden mehrheitlich nicht an Corona sterben, sondern an Krebs, Rauchen und Alkohol. Ganz normal eben. Trotzdem hätten wir früher mitmachen und reagieren können. Aber stattdessen gab es auf Facebook die lustigen Partyfotos aus den Alpen. Schon ein bisschen schade.
    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/98062/Drei-Millionen-Todesfaelle-jaehrlich-durch-Alkohol
    https://www.aerzteblatt.de/archiv/172961/Tabakatlas-121-000-Rauchertote-jaehrlich-in-Deutschland

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    • Da hast Du sicher recht Tobias. Wahrscheinlich sterben wir eher an „normalen“ Todesursachen. Wobei die Chancen eines vorzeitigen Ablebens natürlich massiv ansteigen, wenn die Krankenhäuser hoffnungslos mit Coronapatienten überlastet sind.
      Das mit den Todesursachen würde ich, wenn ich Zeit habe, mir gerne einmal genauer anschauen. Es gibt ja regelmäßig Pressemeldungen, wie viele Menschen wegen Rauchen, Alkohol, Feinstaub, falscher Ernährung, etc. sterben. Wenn man diese Zahlen alle zusammenzählt, ob das wohl deutlich mehr als die Gesamtzahl der Todesfälle in einem Jahr ist?

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