Big Bench am Ammersee

Am 17. Oktober werden bei einer öffentlichen Veranstaltung die Projekte des Bürgerbudgets 2020 in Schondorf vorgestellt. Eines davon ist eine überlebensgroße Bank, eine Big Bench am Ammersee: https://buergerbudget.schondorf-ammersee.de/projekte-2020-21/entry/57/?gvid=3404. Wer in den letzten Jahren einmal im Piemont Urlaub gemacht hat, ist vielleicht schon auf diese Panchina Gigante gestoßen. 117 dieser rund 3,50 x 1,80 m großen Sitzbänke sind mittlerweile in Norditalien aufgestellt.

Die Idee von Chris Bangle

Dass ausgerechnet in Norditalien so viele Big Benches stehen, hat einen Grund. Chris Bangle, der Vater der Idee, lebt nämlich in der Gegend. Der Amerikaner arbeitete über 15 Jahre als Chefdesigner bei BMW, bevor er sich 2009 zur Ruhe setzte. Er zog mit seiner Familie in das kleine Dorf Clavesana in der Provinz Cuneo. Vielleicht liegt es am berühmten Langhe Arneis Wein der Region, jedenfalls kam Bangle hier auf die Idee mit den überdimensionierten Parkbänken.

Chris Bangle vor einer Big Bench
Chris Bangle vor einer Big Bench (Photo © Big Bench Community Project)

Als das Kind Kind war

Die Idee ist ganz simpel, und sie funktioniert. Ich bin selbst einmal auf einem XXL-Sitzmöbel in den Tiroler Bergen gesessen, und es ist einfach ein schönes Erlebnis. Durch die Größe der Bank fühlt man sich selbst wieder klein. Der Blick auf die Welt wird ein anderer. Es versetzt einen zurück in die Zeit, „als das Kind Kind war“, wie Peter Handke in einem Gedicht schreibt.

Ich hatte oben erwähnt, dass Chris Bangle in der Provinz Cuneo, in der Lombardei lebt. Einigen ist diese Gegend vielleicht ein Begriff. Dort befindet sich nämlich auch der Ort Boves. Mit Boves hat Schondorf inzwischen eine recht enge Beziehung, auch wenn der ursprüngliche Anlass ein sehr trauriger war (Über Hoffnung). In der Nähe, in Peveragno, steht übrigens auch eine von Bangles Bänken: https://ilmilodonte.wordpress.com/2017/11/03/la-panchina-gigante-di-peveragno/

Die Big Bench Community

Nun kann man natürlich einfach eine überlebensgroße Sitzbank bauen. Man kann aber auch Teil des Big Bench Community Projects werden (https://bigbenchcommunityproject.org/en/). Dazu bewirbt man sich mit Photos und einer Beschreibung des geplanten Aufstellungsortes. Wenn der Antrag akzeptiert wird, bekommt man die Baupläne und einen individuellen Farbvorschlag. Der ganze Spaß kostet € 100. Dafür steht die Bank dann im offiziellen Verzeichnis auf der Website. Die Big Bench am Ammersee wäre übrigens die erste nördlich der Alpen. (Wie in einem Kommentar richtigerweise gesagt wurde, gibt es bereits eine nördlich der Alpen, nämlich in Schottland. Wir müssen uns also ein anderes Superlativ einfallen lassen: Erste kontinentaleuropäische Bank nördlich der Alpen, Erste Big Bench in Bayern, oder – ab Anfang 2021 – nördlichste Big Bench der EU.)

St. Anna statt Seeufer

Standort für eine Big Bench am Ammersee

Im Projekt für das Bürgerbudget soll die Big Bench am Ammersee stehen, nämlich in der Schondorfer Seeanlage. Ich persönlich finde, dass es dort schon Attraktionen genug gibt. Mir würde es besser gefallen, die Bank auf dem Feld nördlich von St. Anna aufzustellen. Zum einen hat man von dort oben einen wirklich grandiosen Weitblick. Zum anderen kommen dann auch ein paar Touristen nach Oberschondorf, entdecken die Wirtshäuser Sailer und Drexl, und die schönen Wanderwege Richtung Greifenberg und Utting.

4 Gedanken zu „Big Bench am Ammersee“

  1. Spannend und witzig! Tolle Idee, die in Schondorf hoffentlich realisiert wird – danke für den – mal wieder – interessanten Bericht! Es ist natürlich die Frage, ob es sich lohnt, 100 Euro dafür auszugeben, einen Bauplan für eine einfache Bank zu bekommen und in eine Liste eingetragen zu werden, die eher nicht so bekannt ist. Man könnte ja auch gleich für die 100 Euro Holz kaufen und so eine Bank – natürlich mit „bayerischem“ Design – von einem regionalen Schreiner anfertigen lassen.
    Nur noch etwas: ist die erste nördlichste Bank der Alpen nicht die in Schottland?

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  2. Ja, es ist nicht zu leugnen: Arbroath in Schottland liegt zweifelsfrei nördlich der Alpen. Diese Bank hatte ich schlicht und ergreifend übersehen.
    Was die € 100 angeht, finde ich das keinen übertriebenen Beitrag, um Teil dieser Gemeinschaft zu werden. Man sollte die Reichweite auch nicht unterschätzen, die Big Bench Community hat auf Facebook gut 10.000 Follower.

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  3. Gut, Chris Bangle lebt dort in der Gegend, aber er kann kein Italiener sein, und er ist auch keiner. Die Italiener sind keine sitzende Nation bzw. sie scheinen keinen nennenswerten Bedarf an Sitzgelegenheiten zu haben. Man ist entweder auf den Beinen, oder man holt sich nach der Siesta einen Küchenstuhl vor die Haustür und schaut den Leuten zu. So wars jedenfalls noch vor einigen Jahren (allerdings etwas weiter im Süden).

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    • Liebe Susanne, da muss ich Dir widersprechen. Italien hat ganz offensichtlich eine innige Beziehung zum Sitzen. Von Poltrona Frau bis Maserati, von Ducati bis Pinarello: lauter handwerkliche Meisterwerke, die allesamt im Sitzen genutzt werden.

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