Stille Nacht

Wer hätte gedacht, dass der Titel des bekannten Weihnachtsliedes heuer auch eine Woche später noch perfekt passt? Dank dem Verkaufsverbot für Böller und der nächtlichen Ausgangssperre erleben wir dieses Jahr ein stilles Silvester am Ammersee. Diesmal findet der Jahreswechsel ohne die gewohnte Knallerei statt (Schall und Wahn). Müssen wir deshalb auf alles verzichten, was wir zu Silvester gewohnt sind? Nicht unbedingt. Hier sind ein paar Vorschläge für passenden Ersatz.

Stilles Silvester am Ammersee

Natürlich können wir auch heuer in der Neujahrsnacht Sekt bis zum Sodbrennen schlucken. Das traditionelle Silvesterfeuerwerk müssen wir uns allerdings zuhause anschauen. Zum Glück gibt es auf YouTube eine Sammlung der schönsten Pyrotechnik aus der ganzen Welt, z. B. aus Funchal, Madeira: https://youtu.be/D_gfU-4TO3M. Dazu noch die Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel, und das optisch-akustische Erlebnis ist perfekt.

Begleiterscheinungen zum Jahreswechsel

Eine typische Silvesternacht hat allerdings noch einige weitere Begleiterscheinungen. Alleine in München musste die Feuerwehr letztes Jahr 116 Brände löschen. Es braucht aber nicht unbedingt Raketen, um die Wohnung in Brand zu setzen. Einfach noch einmal die Kerzen auf dem schon etwas ausgetrockneten Christbaum anzünden, und während Händels Feuerwerksmusik unbeaufsichtigt lassen. Das sollte den gewünschten Effekt erzielen.

Feuerwerksraketen sind natürlich nicht nur dazu da, um Häuser niederzubrennen. Laut einem Bericht der Medical Tribune haben deutsche Kliniken als Folge der Silvesterböllerei etwa 800 Augenverletzungen zu behandeln. Wer auch heuer nicht auf den Besuch beim Ophthalmologen verzichten mag, muss die Champagnerflasche zu Hilfe nehmen. Einfach aus nächster Nähe beobachten, wann genau der Korken aus der Flasche springt.

Sektflasche für stilles Silvester am Ammersee

Das früher traditionelle Knalltrauma hat sich eigentlich erledigt. Da sich immer mehr Menschen rund um die Uhr mit Ohrhörern beschallen, nehmen Gehörschäden generell zu. Ganz klar ein zivilisatorischer Fortschritt, dass wir für Tinnitus und Schwerhörigkeit nicht mehr auf den Knall von Silvesterböllern angewiesen sind.

Silvester wie immer

Bis jetzt haben wir nur an uns gedacht, aber die Silvesternacht hat weitreichendere Auswirkungen. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Feinstaubbelastung zum Jahreswechsel die gesetzlichen Grenzwerte in manchen Städten um das 24-fache übersteigt. Das haben wir dem Schwarzpulver und den Metallsalzen in den Feuerwerkskörpern zu verdanken.

Da wir heuer ein stilles Silvester am Ammersee feiern, fällt diese Feinstaubquelle weg. Ersatzweise könnten wir unsere Diesel-SUVs die ganze Nacht mit laufendem Motor auf der Straße abstellen. Das bringt zwar nicht die gleiche Feinstaubkonzentration, aber der gute Wille zählt.

Wenn man alle diese Ratschläge beherzigt, ist man gut vorbereitet auf die Frage: „Na, wie war denn dein stilles Silvester am Ammersee?“ Man kann entspannt antworten: „Ach, eigentlich so wie immer.“

4 Gedanken zu „Stille Nacht“

  1. Ich wäre dankbar wenn dieser Konsum und diese immense Umweltverschmutzung endlich endet. In diesem Fall bin ich froh dass an Silvester nichts gemacht wird

    Antworten
  2. Das Schönste an Silvester bzw. am ersten Tag des neuen Jahres war für uns (nachdem die letzten Böller in der Auenstraße verstummt waren) ein zartes, fast schüchternes Lied, von einem Dudelsack in die Stille hinein … Den konnte ich nie genau orten. Seit ich in einem anderen Teil Schondorfs wohne, höre ich ihn überhaupt nicht mehr und vermisse ihn sehr. Kann mir ein Blogleser vielleicht verraten, ob es ihn noch gibt und wo genau?

    Antworten
    • Zarte Dudelsackmusik … was für ein schönes Silvestererlebnis, liebe Susanne.
      Auch dir wünsche ich ein gutes und gesundes neues Jahr. Vielleicht können wir dann doch mal wieder ein kleines Treffen veranstalten und ein bisschen miteinander plaudern. Würde mich sehr freuen!
      Liebe Grüße
      Renate

      Antworten
  3. Ich dachte/hoffte, dass mein überänglicher Kater diese Silvester endlich seine Ruhe hat. Falsch gedacht, ein paar meiner nahegelegenen Nachbarn veranstalteten das, was sie jedes Jahr in ihren Gärten veranstalten: Lärm und Krach – vorzugsweise mit sehr lauten Böllern. Rosso musste also wieder in die hinterste Ecke flüchten und brauchte 2 Stunden, um dort wieder rauszukommen.
    Ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen Feuerwerkskörper abgeschossen, sondern zünde an Silvester um Mitternacht immer ein Wunderkerzchen an … das reicht mir.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar