Aus der Vergangenheit in die Zukunft

Jetzt ist die Partnerschaft Schondorf – Boves offiziell besiegelt. Eine Delegation aus dem Piemont kam an den Ammersee, und hat am 23. Juli das Freundschaftsabkommen zwischen den beiden Gemeinden unterzeichnet. Eigentlich hätte das Ganze im Rahmen eines großen italienischen Festes in der Seeanlage stattfinden sollen. Wegen der aktuellen Quarantäneverordnungen war das natürlich nicht möglich. So blieb es bei einer kleinen, aber stimmungsvollen Feier am See. Den Reden der Bürgermeister Alexander Herrmann und Maurizio Paoletti merkte man an, dass ihnen die Partnerschaft Schondorf – Boves auch ein persönliches Anliegen ist. Ein Schritt aus einer düsteren Vergangenheit heraus, hinein in eine freundschaftliche Zukunft.

Partnerschaft Schondorf – Boves Feier

Ausstellung Adriana Filippi

Mit der Unterzeichnung des Freundschaftsabkommens wurde auch eine Ausstellung im Sitzungssaal des Schondorfer Rathauses eröffnet. Hier kann man sich bis zum 1. Oktober Bilder der Malerin Adriana Filippi aus Boves anschauen. Das sollte man tun, denn die Bilder erinnern an den schmerzlichen Beginn der Beziehung zwischen Schondorf und Boves. Bei einem Racheakt am 19. September 1943 brennen deutsche Soldaten in dem Ort 350 Häuser nieder, und ermorden über zwanzig Zivilisten (Über Hoffnung).

Die Bilder von Adriana Filippi sind eine Art Tagebuch aus dieser Zeit des Partisanenkampfes. Die Malerin lebte in Boves und dokumentierte die bedrückende Stimmung dieser Jahre. In ihren Bildern sind die Partisanen weder künstlerisch überhöht, noch heroisierend dargestellt. Man sieht Männer auf Wachposten im tiefen Schnee, beim Aufstieg über steile Bergpfade, oder die notdürftige Versorgung eines Verwundeten in der Kirche. Oft sprechen einfach die Gesichter für sich, wie in dem Porträt eines Mannes, dessen Sohn erschossen wurde.

Bild von Adriana Filippi

Man kann sich vorstellen, wie viele schmerzhafte Erinnerungen geweckt wurden als sich herausstellte, dass der Verantwortliche des Massakers von Boves auf dem Schondorfer Friedhof begraben ist. Trotzdem streckte die Scuola del Pace (https://www.comune.boves.cn.it/Home/Menu?IDDettaglio=105655) die Hand zur Versöhnung aus. Aus diesem ersten Kontakt entstand eine immer engere Beziehung zwischen den beiden Gemeinden.

Una festa sui prati

Bald gab es regelmäßige gegenseitige Besuche der Mandatsträger aus beiden Ortschaften. Die Beziehungen mit einem Freundschaftsabkommen zu festigen wurde reiflich überlegt und schließlich in beiden Gemeinderäten mit überwältigender Mehrheit befürwortet. Der Austausch soll jetzt nicht mehr nur auf den Ebenen der Politik und der Kirchen stattfinden, sondern möglichst alle Menschen mit einbeziehen.

Schondorfer Blasmusik

Startschuss dafür hätte eigentlich heuer bei der Unterzeichnung sein sollen. Geplant war ein großes italienisches Fest in der Schondorfer Seeanlage, mit Musik, Essen, Trinken, Kultur und Kunsthandwerk. Nun musste das coronabedingt verschoben werden. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. 2022 soll es wirklich ein großes Fest auf der Wiese geben, Una festa sui prati, wie in dem bekannten Hit von Adriano Celentano.

2 Gedanken zu „Aus der Vergangenheit in die Zukunft“

  1. In unseren zunehmend virtuellen Zeiten werden reale menschliche Begegnungen immer wichtiger. Augen-Blicke, ein Lächeln, eine Umarmung, ein Händeschütteln, ein kleiner Gedankenaustausch … wir sollten diese Möglichkeiten nutzen und praktizieren. Denn sie erwärmen unser Herz. Oft nur für meinen Moment. Aber dieser Moment manifestiert sich in unserem Unterbewusstsein. Für immer.

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    • Das stimmt. Nach fast einem Jahr Zoom-Meetings habe ich jetzt wieder an einem richtigen Stammtisch des Schondorfer Kreises teilgenommen (http://schondorfer-kreis.de/). Das ist doch eine ganz andere Qualität der menschlichen Nähe und des persönlichen Austausches.

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