Die (Nicht-)Räumsituation

Wie ich schon öfters gesagt habe, freue ich mich immer über Kommentare oder Anregungen meiner Leser. Eine solche Anregung erhielt ich letzte Woche von einer Leserin, als das Schneechaos in Schondorf den Verkehr lahmlegte. Aus gegebenem Anlass könnte ich doch etwas über Schnee und Eis und die aktuelle (Nicht-)Räumsituation schreiben.

Schnee bis an die Zipfelmütze

Die heftigen Schneefälle am ersten Dezemberwochenende werden uns wohl länger in Erinnerung bleiben. Ab Freitag schneite es wie im Märchenfilm, und bis zum Samstag lagen an vielen Stellen gut 50 Zentimeter Schnee. „Schnee bis an die Nasenspitze, Schnee bis an die Zipfelmütze“, wie es in dem bekannten Kinderlied heißt.

Schneechaos in Schondorf: Die tief verschneite Promenade am Ammersee
Trampelpfad durch den Schnee in der Seeanlage

Selber habe ich das durchaus genossen (So schön war’s), aber mir ist klar, dass das nicht alle so sahen. Meine Leserin wies mich darauf hin, dass „große Teile des Ortes aktuell kaum mehr begeh- oder befahrbar sind, und die Sicherheit der (älteren!) Bürger nicht mehr gewährleistet ist.“ Das war auch mein Eindruck.

Die Hauptstraßen waren einigermaßen geräumt, die Nebenstraßen waren wegen der aufgeschütteten Schneewälle an vielen Stellen nur einspurig befahrbar. In manchen Straßen blieb der Schnee einfach liegen. Beispielsweise im Kalkbrünnerlweg oder in der Stegwiese war keine Spur von einem Schneepflug zu sehen.

Fußgänger im Nachteil

Die Straßen waren also zumindest halbwegs befahrbar, dafür sah es für Fußgänger richtig schlecht aus. Über das Thema habe ich vor zwei Jahren schon einmal geschrieben (Räumpflicht). Schon damals fand ich es ungerecht, dass Autofahrer ihre Straßen verhältnismäßig zuverlässig von der Gemeinde geräumt bekommen, Fußgänger aber auf den guten Willen der jeweiligen Hausbesitzer angewiesen sind. Die Anwohner sind nämlich zum Schnee schaufeln verpflichtet, das regelt die gemeindliche Verordnung über die Sicherungen der Gehbahnen im Winter, wie man hier nachlesen kann: https://www.schondorf-ammersee.de/fileadmin/download_schondorf/Ortsrecht/Verordnungen/Verordnung_ueber_die_Reinhaltung_und_Reinigung_der_oeffentlichen_Strassen_und_die_Sicherung_der_Gehbahnen_im_Winter.pdf

Hindernislauf auf den Gehsteigen

Laut dieser Verordnung müssen die Anwohner die Gehwege ab 7:00 Uhr Morgens räumen und bei Bedarf mit Split bestreuen. Dass das nicht durchgängig funktioniert, konnte man an diesem Schneewochenende sehen.

Schneechaos in Schondorf
Dicke Schneedecke im Roseweg

Die Gehwege verwandelten sich in einen Hindernisparcours. Vor manchen Häusern war geräumt, dann wieder nicht und man musste über die Schneewälle auf die andere Straßenseite klettern. An manchen Stellen war der Gehsteig beidseitig nicht begehbar, und man musste wohl oder übel auf die Straße ausweichen.

Chaos in ganz Bayern

Allerdings war das nicht nur in Schondorf so. Nach allem, was ich gehört und teilweise selbst erlebt habe, war die Situation in Utting, Greifenberg oder Landsberg auch nicht besser. Von München ganz zu schweigen, das völlig im Schneechaos versank. Busse, Straßenbahnen und S-Bahnen standen still, der Betrieb am Bahnhof war eingestellt und am Flughafen ebenso.

Es hätte meinem Lokalpatriotismus geschmeichelt, wenn ausgerechnet Schondorf das Schneechaos störungsfrei bewältigt hätte, aber realistisch ist dieser Wunsch nicht. Mir tat wirklich jeder leid, der an diesen Tagen unbedingt irgendwohin musste, also beispielsweise Ärzte, Pflegedienste oder Servicetechniker.

Räumpflicht verschneiter Strassen in Schondorf

Aber mal ehrlich: Wie viele von uns mussten an diesen Tagen unbedingt irgendwohin? Verabredungen kann man verschieben, die Schule kann man schwänzen und die meisten Chefs haben Verständnis, wenn man weder mit dem Auto noch mit der Bahn ins Büro kommen kann. Außerdem sind unsere Kühlschränke üblicherweise so weit gefüllt, dass nicht schon nach zwei Tagen der Hungertod droht. Ich finde, mit etwas Gelassenheit war das Schneechaos in Schondorf durchaus zu ertragen.

Ganz neu sind so plötzliche Wintereinbrüche übrigens nicht. Das sieht man in diesem Beitrag des BR aus dem Jahr 1961: https://br.de/s/5PMYX2s Ich bin mir aber ziemlich sicher: Beim nächsten heftigen Schnefall ist das Chaos wieder genauso groß.

6 Gedanken zu „Die (Nicht-)Räumsituation“

  1. Da muss ich widersprechen. Ich habe festgestellt, dass zwar private Wege überwiegend geräumt waren, jedoch Fußwege, von der Gemeinde geräumt werden sollten ( z.B. Fußweg entlang der Bahnlinie ) auf der Uttingerstrasse nicht begehbar waren!!!

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  2. Vielleicht dazu nicht uninteressant und ein weiterer Blickwinkel

    https://www.unikims.de/blog/autoverkehr-kostet-die-kommunen

    „In der Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen bringt der Rad- und Fußverkehr regelrecht einen Gewinn, da er wenig Infrastrukturinvestitionen voraussetzt, keine Emissionen und Lärm verursacht, mit wenig Unfallrisiken einhergeht und erheblich zur Gesundheitsprävention und damit zur Vermeidung von Krankheitskosten beiträgt.“

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  3. Hallo Zusammen,

    Wir alle müssen zur Arbeit und unseren Dienst verrichten. Wenn Schüler schwänzen sollen, wie sollen sie dann im Berufsleben, bei Schnee agieren? Wie soll diese Gesellschaft bestehen? Ist es zuviel verlangt den Schnee wegzuräumen? Und überhaupt hat die Gemeinde soviel Geld übrig, Straßen nicht zu sanieren? Für jede Beschädigung die nachweislich durch Schlaglöcher passiert, bei angemessenen Tempo haftet die Gemeinde auch muss auf Schlaglöcher hingewiesen werden, was passiert hier -> nix. Es ist ein Trauerspiel mit Schondorf.

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    • Ich plädiere hier für etwas Gelassenheit. Schule schwänzen, weil weder Busse noch Bahnen fahren – davon geht die Welt nicht unter (ich spreche aus eigener Erfahrung). Es ist ja nicht so, dass Schondorf den ganzen Winter über von der Außenwelt abgeschnitten wäre. Wir hatten einen sehr starken Schneefall, wie er anscheinend schon jahrzehntelang nicht mehr vorkam. In solchen Extremsituationen kann man auch mal fünfe gerade sein lassen. Meine Meinung.

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