Bei Streetart gehen die Meinungen weit auseinander. Für die einen sind die gesprayten Bilder und Parolen ein Ärgernis, für andere eine willkommene Verschönerung grauer Betonflächen. Das hängt natürlich auch von der Qualität der Arbeiten ab. Dank eines entsprechenden Stipendiums des Landkreises Landsberg haben wir nun Streetart in Schondorf, die eindeutig zur qualitativ hochwertigen Sorte gehört. Zusammen mit dem etablierten Sprayer Erwa.One (https://erwa.one) hat die junge Künstlerin Emma Schindelmann die leerstehenden Garagen in der Schulstraße verschönert.
U27 Streetart Stipendium
Ausgangspunkt der Aktion war das Landsberger U27 Streetart Stipendium (Den Landkreis bunter machen). Es ermöglichte zwei angehenden Künstlern, auf legale Weise und unter fachkundiger Anleitung ihre technischen Fähigkeiten zu entwickeln. Aus den Bewerbungen wählte die Jury dafür Emma Schindelmann und Bjarne Jaschhof aus. Als Lehrmeister fungierte dabei der etablierte Streetart-Künstler Erwa.One, den wir in Schondorf bereits von verschiedenen Aktionen her kennen, beispielsweise der Hop-on/Hop-off Lesung im Bahnhof.
187 auf dem Garagentor
So hatte man Schüler und Lehrer, fehlten nur noch die geeigneten Flächen zum Besprühen. Zum Glück sagten Gemeinde und Landratsamt sofort ja, als Erwa.One die leerstehenden Garagen in der Schulstraße für Streetart in Schondorf vorschlug. Die meisten kennen wahrscheinlich diese Dreifachgarage am Haus neben der Schule, in dem früher Sozialwohnungen waren. Schon seit Jahren waren die drei Tore mit den Ziffern 187 besprüht.

Die Zahl ist vermutlich eine Reminiszenz an die Deutschrap-Stars 187 Straßenbande. Die beziehen sich wiederum auf den Paragrafen 187 im kalifornischen Strafgesetzbuch, der Mord-Straftaten behandelt. Das kann man durchaus als Beispiel für die Ghetto- und Gangsta-Wurzeln der Streetart sehen, eine Augenweide war es aber nicht gerade.
Eisvogel und Wanderer
So machten sich Ende Juni Erwa.One und Emma Schindelmann daran, die Tore zu verschönern. Der Dritte im Bunde, Bjarne Jaschhof, musste leider krankheitsbedingt absagen. Die Herangehensweise war ganz unterschiedlich. Erwa.One machte es sichtlich Spaß, seine ausgefeilte Spraytechnik herauszustellen. In verblüffend kurzer Zeit erstrahlte auf der grauen Fläche ein farbenfroher und detailreicher Eisvogel.

Daneben hatte er noch Zeit, Emma Schindelmann praktische Tipps für ihre Arbeit zu geben. Die kommt eigentlich von der Malerei her und ist gerade dabei, das Sprayen als weitere künstlerische Ausdrucksform zu entwickeln.
Wenig überraschend, dass sie sich für ein Bild aus der klassischen Malerei entschied. Das Garagentor ziert jetzt ihre Version von Caspar David Friedrichs Wanderer über dem Nebelmeer. Sehr passend, denn heuer feiert man den 250. Geburtstag dieses visionären Malers der Romantik.

Schindelmann hat das ikonische Bild allerdings im Stil der Streetart neu interpretiert. Im Original blickt der Wanderer auf eine grau verhangene Nebellandschaft. In dem Graffiti scheint er unterwegs ein paar Magic Mushrooms gefunden zu haben. Die Berggipfel in der Ferne sieht er in knallbunten, psychedelischen Farben.
Das mittlere Tor ist erst einmal noch in tristem Grau. Hoffentlich ist Bjarne Jaschhof, der zweite Stipendiat, bald wieder auf den Beinen. Ich bin schon gespannt auf seine Version von Streetart in Schondorf.
Street Art – hat das nicht was mit Art = Kunst zu tun? – Insofern kann man die Bemühungen diverser Künstler und jener, die es werden wollen, nur begrüßen. Ob die Wandmalerei beim Studio Rose noch dazuzählt sei mal dahingestellt – zum benachbarten Kindergarten passt sie allemal. Wo eine künstlerische Gestaltung ganz gewiss passen würde, wäre z.B. die Südfassade eines Wohnhauses in der Seebergstraße, wo wohl ein wildgewordener Architekt ein Doppel-Wohnhaus mit knallroter Blechverkleidung in die Landschaft gestellt hat. Wohnen in der Blechdose mag wer will, aber so einen Farbklotz in die Gegend zu stellen, ist schon etwas abgehoben. Aber wie gesagt, vielleicht taucht doch noch mal ein neuer HUNDERTWASSER auf und heilt die Sache.
Man kann ja mal mit den Eigentümern reden, ob sie ihre Fassade durch Wandmalerei verschönert haben möchten 🙂