Neues aus dem Huosigau

Die ersten 66 Jahre in meinem Leben habe ich mich absolut Null für Trachtenvereine interessiert. Ich finde die Kleidungsstücke ganz hübsch, aber mit dem organisierten Betrieb drumherum konnte ich nichts anfangen. Das hat sich ein bisschen geändert, als ich letzte Woche mit Clemens Engelhardt gesprochen habe. Der ist der frisch gewählte 1. Vorstand im Schondorfer Trachtenverein D’Kirchseer.

Der Trachtenverein D’Kirchseer

Witzigerweise hat der mit dem Vereinswesen ursprünglich genauso gefremdelt wie ich. Der gebürtige Schondorfer machte erst Karriere in den europäischen Metropolen, bevor er mit seiner Familie in den Heimatort zurückkehrte. Zu D’Kirchseer und in das Vorstandsamt kam er durch seine Kinder, die begeisterte Mitglieder sind.

Clemens Engelhardt, 1. Vorstand des Trachtenvereins D'Kirchseer in Schondorf am Ammersee
1. Vorstand Clemens Engelhardt (Foto © D’Kirchseer)

Von Engelhardt habe ich zum ersten Mal erfahren, dass unser Trachtenverein zum Huosigau gehört. Die Trachtler organisieren sich nämlich nicht nach Bezirken oder Landkreisen, sondern nach Gauen. Der Huosigau ist grob gesagt das Gebiet zwischen Lech und Isar. Benannt ist er nach einem bayerischen Adelsgeschlecht, das schon in der Lex Baiuvariorum im 8. Jahrhundert erwähnt wird.

Mode und Tradition

Der Trachtenverein D’Kirchseer ist deutlich jünger, der wurde erst 1970 gegründet. Das ist nicht ungewöhnlich. Solange am Land noch allgemein Tracht getragen wurde, gab es keinen Grund, Vereine dafür zu gründen. Während Dirndl und Lederhosen in den Dörfern zunehmend verschwanden, machten sie in der Stadt Karriere. Städtische Sommerfrischler fanden die urigen Klamotten ungemein schick. Ein Trend, der bis heute anhält.

Ausstellung "Dirndl – Tradition goes Fashion" im tim, Augsburg (Foto Bernhard Rampf
„Tradition goes Fashion“ im augsburger Textilmuseum (Foto © Bernhard Rampf/tim)

Dazu gibt es übrigens noch bis Oktober im Textilmuseum Augsburg (tim) eine interessante Ausstellung. Dirndl – Tradition goes Fashion beleuchtet die Wechselwirkung zwischen Handwerkskunst, Geschichte und modischem Statement (https://www.timbayern.de/ausstellungen/dirndl-tradition-goes-fashion/).

Aktivitäten für die Jungen

Zurück an den Ammersee. Clemens Engelhardt will als neuer Vorsitzender nicht einfach alles weiterlaufen lassen wie bisher. Er möchte frischen Wind in den Verein bringen. Das beginnt mit der Altersstruktur. Erfreulich viele Kinder sind Mitglieder. Ein rundes Drittel davon übrigens nicht aus alteingesessenen Familien, sondern Zugezogene.

Da leistet der Trachtenverein D’Kirchseer also tatsächlich einen Beitrag, dass Neuankömmlinge in das Gemeinschaftsleben im Ort hineinfinden. Engelhardt betont in diesem Zusammenhang die wichtige Rolle des Ehrenamtes: „Was wäre Schondorf ohne die vielen Menschen, die ein Ehrenamt übernehmen bei Feuerwehr, Wasserwacht, TSV, Schondorfer Kreis und vielen mehr?“

Die Trachtenjugend des Vereins D'Kirchseer beim Kirchweihfest in Schondorf
D’Kirchseer beim Kirchweihfest (Foto © D’Kirchseer)

Auch bei den älteren Semestern ist der Trachtenverein durchaus beliebt. Nur in den Altersgruppen dazwischen sieht es etwas dünn aus. Kein Wunder, denn ab einem bestimmten Alter konkurriert das Vereinsleben mit einer Vielzahl anderer Freizeitmöglichkeiten.

Clemens Engelhardt möchte das Angebot speziell für die Jugendlichen attraktiver machen. Er plant Ausflüge auf die Oide Wiesn oder zum Tegernseer Waldfest, um mehr junge Burschen anzulocken. Außerdem sollen Goaßlschnalzer dazukommen und die Schuhplattler-Gruppe ausgebaut werden. Das könnte gut ankommen, denn Schuhplatteln ist ja praktisch die bayerische Urform von Aerobic und Zumba.

Präsenz in der Öffentlichkeit

Das zweite wichtige Anliegen ist das Bild in der Öffentlichkeit. Ich kann nur von mir sprechen, aber ich hatte bislang eigentlich überhaupt kein Bild vom Trachtenverein D’Kirchseer. Ja, ich weiß, dass es da irgendwo am Gartenäcker ein Vereinsheim gibt, und ich habe die Truppe schon ab und an bei Kirchenfesten gesehen. Das war’s aber auch schon. Auf mich wirkte es ein bisschen wie eine geschlossene Clique, die nicht den Kontakt zu Außenstehenden sucht.

Der Trachtenverein D'Kirchseer beim traditionellen Maibaumaufstellen in Schondorf
Beim Maibaumaufstellen (Foto @ D’Kirchseer)

Das soll sich ändern, was sicher nicht von heute auf morgen geht. Aber es ist schon mal ein Anfang, wenn die Trachtler beim Maibaumaufstellen nicht nur anwesend sind, sondern sich auf der Bühne vorstellen. Der nächste Auftritt ist für das italienische Fest in der Seeanlage geplant (Darauf eine Cedrata Tassoni), das heuer am 26. Juli stattfindet. Später soll auch die etwas eingeschlafene Sängergruppe reaktiviert werden.

Beim Thema Öffentlichkeit wird über kurz oder lang auch die Frage aufkommen, was die Schondorfer Tracht eigentlich ist. Ist sie gewissermaßen die Uniform für die aktiven Mitglieder im Trachtenverein D’Kirchseer, oder möchte man sie allgemein zugänglich machen?

Die Schondorfer Tracht

Wie sieht sie eigentlich aus, die Schondorfer Tracht? Mich hätte man das nicht fragen dürfen. Ich erinnere mich nur, dass leuchtend gelbe Tücher dabei sind. Das Gelb sei tatsächlich ein auffälliges Merkmal der Schondorfer Tracht, hat mir der 1. Vorsitzende erklärt. Generell sei Trachtenkleidung eher in gedeckten Farben gehalten. Der Grund ist ganz einfach der, dass bunte Farben in früherer Zeit rar und teuer waren.

Der Schondorfer Trachtenverein D'Kirchseer beim Gaufest des Huosigau 2024
Beim Huosigau-Gaufest (Foto © D’Kirchseer)

In Schondorf tragen die Frauen also goldgelbe Schürzen und Schultertücher zu grünem Rock und schwarzem Satinmieder. Bei den Männern ist das gelbe Halstuch der Farbtupfer zu dunkelbrauner Joppe und schwarzer Lederhose. Dazu tragen sie einen schwarzen Hut mit zwei goldenen Kordeln und drei Reiherfedern, Federn vom Silberreiher, um genau zu sein.

Grillfest am 28. Juni

Würde ich das selber anziehen? Ich glaube, eher nicht. Aber zumindest hat sich mein Bild vom Trachtenverein D’Kirchseer etwas gewandelt.

Der Schondorfer Trachtenverein D'Kirchseer beim Feuerwehrfest 2024
Beim Schondorfer Feuerwehrfest (Foto © D’Kirchseer)

Wer selber mal sehen will, wie das Vereinsleben eigentlich ist, hat dazu am 28. Juni Gelegenheit. Da veranstaltet die Trachtengruppe ab 17:00 Uhr ein öffentliches Grillfest vor dem Vereinsheim am Gartenäcker 21. Neben Essen und Trinken gibt es dabei auch Musik und Tanzvorführungen der Trachtenjugend (http://trachtenverein-schondorf.de/).

6 Gedanken zu „Neues aus dem Huosigau“

  1. Schade, dass Kommentare hier gelöscht werden. Man sieht, dass der Verfasser des Artikels große Vorurteile hat. Ein Artikel mit kleinen Gemeinheiten gespickt. Es fragt sich, was die Intention dahinter ist. Ehrenamtliches Engagement erleidet durch solche Artikel Schaden.

    Antworten
    • Nein, Kommentare werden bei mir nicht gelöscht, außer sie enthalten Beleidigungen oder strafbare Inhalte. Es ist nur so, dass dieses Blog ein privates Hobby von mir ist, und ich die Aktivitäten auf der Website nicht stündlich verfolge. Deshalb kann es schon vorkommen, dass ein Kommentar erst nach einem Tag freigeschaltet wird.

      Antworten
  2. Traurig, wenn jemand aus dem eigenen Dorf so einen Artikel gespickt mit Gemeinheiten über einen Verein schreibt, der ehrenamtlich jeden Freitag die Jugend aus dem Dorf betreut und im Gegenzug, wie der Verfasser behauptet „keine eingeschlossene Clique“ ist, sondern aktiv über Jahre versucht viele neue Mitglieder zu werben. Ich kann mich dem Kommentar zuvor nur anschließen: Man sollte nur über etwas schreiben, wovon man auch Ahnung hat und nicht einen Verein im Dorf schlecht machen. Es wirkt als habe der Verfasser große Vorurteile.

    Antworten
  3. ich muß mich für einige Schreibfehler entschuldigen, aber ich habe mich über den Artikel so geärgert, daß ich meinen Kommentar so schnell wie möglich loswerden wollte und ihn nicht mehr durchgelesen habe.

    Antworten
  4. Traurig,daß uns des Verfasser des Artikels nur von Kirchenfesten kennt.
    Von unserem öffentlichen Grillfest, das seit den 70er-Jahren, zuerst in der Seeanlage, ab 1997 beim Vereinsheim, stattfindet, hat er scheinbar noch nie gehört.
    Auch unser jährliches, öffentliches Kirchweihfest ist ihm scheinbar unbekannt.
    Das wir seit Vereinsgründung an jeder Maifeier aktiv beteiligt waren, scheint ihm entgangen zu sein.
    Das Mitwirken unseres Jugendchores beim Christkindlmarkt entging ihm ebenfalls.
    Der Verfasser hat vermutlich nie an einer unserer Veranstaltungen teilgenommen. Plakate und Zeitungsartikel, die aus diese hinwiesen, hat er wahrscheinlich 50 Jahre lang übersehen.
    Den „Schondorfer Vier-Gesang“ als „etwas eingeschlafene Sängergruppe“ hinzustellen, ist eine Frechheit.
    Fakt ist, daß die Sänger auch 50 Jahre älter geworden sind und durch Krankheits- und Todesfälle derzeit so geschwächt sind, daß öffentliche Auftritte fast nicht mehr möglich sind.
    Zum Thema Tracht:
    Tracht war schon immer sehr farbenfroh. Das zeigen Abbildungen der letzten 150 Jahre.
    Unsere Tracht ist keine Modeerscheinung, sondern sie wurde kurz nach der Vereinsgründung von den Mitgliedern der Vereinsvorstandschaft, dem Gautrachtenwart, dem Kreisheimatpfleger und dem Bezirksheimatpfleger (Mitglied des Kultusministeriums) als „Erneuerte Ammerseetracht“ entworfen.
    Ich bin der Meinung, der Verfasser sollte zukünftig nur über etwas schreiben, das er kennt, oder über das er sich vorher umfassend informiert hat.

    Antworten
    • „Traurig, dass uns der Verfasser des Artikels nur von Kirchenfesten kennt.“ Ja, Detlef Hummel, das finde ich auch schade. Aber so ist es nun mal, dass ich bis vor kurzem herzlich wenig über D’Kirchseer wusste. Genau darum geht es in dem Beitrag, wie ich den Verein bis jetzt wahrgenommen habe, und dass ich nun ein bisschen mehr darüber erfahren habe. Ich habe meinen eigenen Beitrag noch einmal aufmerksam durchgelesen, und ich finde nicht, dass ich D’Kirchseer darin herabwürdige oder mich darüber lustig mache. Bei euch ist das offensichtlich anders angekommen. Warum setzen wir uns nicht bei einem Bier zusammen, und reden darüber?

      Antworten

Schreibe einen Kommentar