Wie die Jugend tickt

Wie denken Jugendliche über ihre berufliche Laufbahn, wo verbringen sie ihre Freizeit, welche Verkehrsmittel benutzen sie und wie gehen sie mit digitalen Medien um? Das versucht eine große Umfrage unter Jugendlichen im Landkreis Landsberg herauszufinden. Jetzt liegen die Ergebnisse der Jugendbefragung in Schondorf vor und geben einige interessante Einblicke.

Deine Meinung zählt!

Deine Meinung zählt! war der Slogan einer Online-Umfrage unter Jugendlichen, die der Landkreis Landsberg im Februar 2025 durchführte. Für Schondorf sind die Ergebnisse dieser Jugendbefragung jetzt ausgewertet und können auf der Website der Gemeinde abgerufen werden: https://www.schondorf-ammersee.de/aktuelles/details/news/ergebnisse-der-jugendbefragung-2025-sind-online

Streetart-Stipendium im Landkreis Landsberg am Lech mit Erwa.One
Wie denkt die Jugend über ihre Zukunft?

Natürlich müssen solche Statistiken in kleinen Orten mit ein bisschen Vorsicht betrachtet werden. Im Ganzen haben bei der Studie in Schondorf 31 Teilnehmer zwischen 11 und 20 Jahren mitgemacht. Da können schon wenige Stimmen die Prozentwerte gewaltig beeinflussen.

Das führt teilweise zu bizarren Ergebnissen. Beispielsweise haben laut Grafik 25 % Diskriminierung im Verein oder in der Jugendgruppe erlebt. Ich musste erst genauer hinschauen, um zu sehen, dass diese Frage überhaupt nur von vier Teilnehmern beantwortet wurde. Die besorgniserregenden 25 % entsprechen tatsächlich also genau einer Antwort. Das soll das Problem der Diskriminierung nicht kleinreden; es soll nur zeigen, dass man bei spektakulären Diagrammen genau darauf achten sollte, wie die Daten zustande gekommen sind.

Jugendbefragung in Schondorf

Im Großen und Ganzen scheint die Auswertung aber die Lebenswelt der Heranwachsenden realistisch wiederzugeben. Dabei fällt mir vor allem auf, dass die Jugend von heute auch nicht viel anders denkt, als ich vor 50 Jahren.

Die Trachtenjugend des Vereins D'Kirchseer beim Kirchweihfest in Schondorf
Sport- und Trachtenvereine spielen nach wie vor eine wichtige Rolle (Foto © D’Kirchseer)

94 % wohnen mit beiden Elternteilen zusammen, zwei Drittel haben sich noch nicht um ihre zukünftige Karriere gekümmert, und Freunde zu treffen ist mit 68 % die mit Abstand beliebteste Freizeitbeschäftigung. Alles Antworten, die auch ich als Jugendlicher angekreuzt hätte. Auch das Vereinsleben hat sich in den letzten 50 Jahren anscheinend nicht groß verändert. Am ehesten sind Jugendliche im Sportverein aktiv (74 %), gefolgt von Feuerwehr/Wasserwacht, Trachtenverein und Pfarrjugend.

Was sich geändert hat

Zwei Veränderungen gegenüber der Vergangenheit sind mir dann doch aufgefallen. Das eine ist das Mobilitätsverhalten. Unsere Kinder wurden nur in Ausnahmefällen von uns mit dem Auto irgendwo hingebracht. Heute scheint das eher die Normalität zu sein, selbst innerhalb des Ortes.

Jugendbefragung in Schondorf 2025: Mobilitätsverhalten der Jugendlichen
Jugendbefragung zum Mobilitätsverhalten

Bei der Jugendbefragung in Schondorf gaben 55 % an, dass sie von den Eltern im Ort dorthin gebracht werden, wo sie ihre Freizeit verbringen. Ein Trostpflaster ist, dass Fahrrad fahren und zu Fuß gehen hier immer noch höhere Werte erzielen, nämlich 61 % bzw. 90 %. Wenn es in Nachbargemeinden oder andere Orte im Landkreis geht, dann rangiert das Elterntaxi an erster Stelle. Kaum genutzt werden anscheinend das Anrufsammeltaxi (Taxi nach Landsberg) oder die Mitfahrbänke.

Facebook ist sooo altmodisch

Die zweite große Veränderung gegenüber meiner eigenen Jugend ist das Internet, das es damals einfach noch nicht gab. Mittlerweile habe ich mich als Digital Immigrant an die sozialen Medien gewöhnt.

Jugendbefragung zur Nutzung von Social Media im Landkreis Landsberg
Die Nutzung verschiedener Social Media Kanäle

Allerdings musste ich aus der Jugendstudie erkennen, dass ich in diesem Bereich dem Zeitgeist hoffnungslos hinterherhinke. X oder Facebook? Nur rund 10 % der befragten Jugendlichen haben noch einen Account auf diesen Plattformen. Die must-have App der Jugend ist WhatsApp, das 90 % mindestens einmal am Tag nutzen. Daneben rufen viele noch TikTok, Instagram und Snapchat täglich auf.

Insgesamt verbringen die Jugendlichen laut Studie unter der Woche täglich 3,19 Stunden am Handy oder Laptop, am Wochenende sogar 3,48 Stunden. Klingt erst einmal nach sehr viel Zeit, aber so viel weniger ist es bei mir auch nicht. Ich habe gerade nachgeschaut, und anscheinend war ich letzte Woche durchschnittlich mehr als zwei Stunden pro Tag mit dem Handy beschäftigt. Auch in diesem Bereich ist die Lebenswelt der Jugend von der meinen gar nicht so sehr verschieden.

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