Am 14. September findet der diesjährige Tag des offenen Denkmals statt, mit über 3.000 teilnehmenden Orten das größte Kultur-Event Deutschlands. Der Verein Schondorfer Kreis, bei dem ich Mitglied bin, beteiligt sich an dieser Veranstaltung. Vorgestellt werden heuer die Art-déco-Ufermauer und verwandte Bauten am Seeufer. Dazu gibt es ganztägig einen Informationsstand nahe dem Dampfersteg und regelmäßige Führungen.
Art-déco-Ufermauer
Letztes Jahr hat der Schondorfer Kreis das römische Bad Villa Rustica am Schondorfer Badesteg präsentiert (http://schondorfer-kreis.de/2024/09/09/tag-des-offenen-denkmals/). Das fand so großen Anklang, dass der Verein auch heuer wieder mitmacht.
Vorgestellt wird dieses Jahr ein Denkmal, das gerne übersehen wird, weil es fast zu offensichtlich ist. Die Rede ist von der Schondorfer Seeanlage, speziell von der Art-déco-Ufermauer.

Ich höre immer mal wieder Eltern, die ihren Kindern erklären, das seien Zinnen wie auf einer Burg. Dabei hat die Gestaltung der Ufermauer nichts mit mittelalterlichen Zinnen zu tun. Vielmehr orientierte sich Architekt Max Joseph Gradl am in den 1920er-Jahren hochmodernen Art déco.
Das Chrysler Building und der Ammersee
Manche Leute sehen Art déco lediglich als Spätphase des Jugendstils. Die beiden Richtungen unterscheiden sich in ihrem Ansatz aber ganz grundsätzlich. Wo der Jugendstil eine pastorale Idylle beschwor, war Art déco zukunftsoptimistisch und technikverliebt.
Technische Elemente wie Stromlinienförmigkeit, klare Linien und geometrische Ornamente prägen die Ästhetik. Kein Wunder, dass der Stil vor allem in den USA großen Anklang fand, wo das Chrysler Building in New York das wahrscheinlich berühmteste Beispiel dieser Architektur ist.

Aber auch in Deutschland hatte die Stilrichtung ihre Anhänger. Als Architekt Max Joseph Gradl in den 1920er-Jahren die Schondorfer Seeanlage entwarf, nutzte er Stilelemente der neuen Zeit. Seine Art-déco-Ufermauer zeigt deshalb keine organisch gerundeten Formen, sondern zitiert die Wellen des Ammersees durch rechteckige Stufen.
Gestalterischer Zusammenhang
Damit stellte Gradl einen gestalterischen Zusammenhang zu anderen Gebäuden am Seeufer her. Elemente des Art déco finden sich auch am Sonnenbad Ernst, am Strandbad Forster und am Chauffeurshaus der Röhm-Villa im Weingartenweg. Dorothee Mayer-Tasch, 1. Vorsitzende des Schondorfer Kreis, hat sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Bei den Führungen am Tag des offenen Denkmals wird sie die Zusammenhänge erklären und den Blick für die durchgängige Gestaltung schärfen.
Wertvoll, unersetzlich, gefährdet
Der Tag des offenen Denkmals ist eine bundesweite Veranstaltung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht. Rund 3.000 Denkmäler öffnen an diesem Tag ihre Tore. Das Motto der diesjährigen Veranstaltung ist „Wert-voll: unbezahlbar oder unersetzlich?“.
Die Frage stellt sich auch bei der Schondorfer Ufermauer, deren Bestand leider keineswegs gesichert ist. Vor drei Jahren hat die Gemeinde einen Gestaltungswettbewerb zur Seeanlage ausgeschrieben. Zum Sieger wählte die Jury ausgerechnet den Entwurf, der die Art-déco-Ufermauer abreißen und durch einen Neubau ersetzen will.

Es ist übrigens genau jenes Architekturbüro, das auch für die Gestaltung des Hauptplatzes in Landsberg und der Dießener Seeanlagen verantwortlich ist. Bei diesen Arbeitsbeispielen befürchte ich auch für Schondorf eine pflegeleicht gepflasterte, aber gesichtslose Lösung.
Der Charme der historisch gewachsenen Anlage wäre damit unwiderruflich zerstört. Der Tag des offenen Denkmals ist eine wichtige Gelegenheit, um alle Schondorfer für unser wertvolles historisches Erbe zu sensibilisieren.
Tag des offenen Denkmals
14. September 2025, 10:00 bis 18:00 Uhr
Seeanlage Schondorf
Infostand nahe dem Dampfersteg
Führungen um 11:00, 14:00 und 16:00 Uhr
https://www.tag-des-offenen-denkmals.de/