Himmlische Ruhe

Ab Anfang September war die Staatsstraße St2055 durch den Ort für zehn Tage gesperrt. Grund dafür waren Gleisbauarbeiten in Schondorf an den Bahngleisen der Regionalbahn. Der Autoverkehr musste über die Landsbergerstraße ausweichen. Die Uttingerstraße verwandelte sich in dieser Zeit in ein Paradies für Fußgänger und Radfahrer. Allerdings hatte diese himmlische Ruhe auch ihre Schattenseiten.

Déjà-vu am Bahngleis

Wie wahrscheinlich jeder im Ort bemerkt hat, wurden in der ersten Septemberhälfte die Bahngleise in Schondorf erneuert. Ich habe mir verwundert die Augen gerieben, weil auch letztes Jahr schon an diesem Abschnitt gearbeitet wurde (https://www.deutschebahn.com/de/presse/presse-regional/pr-muenchen-de/aktuell/presseinformationen/DB-Investitionsprogramm-Modernisierung-der-Ammerseebahn-startet-im-August-12954050).

Gleisbauarbeiten in Schondorf an der Bahnstrecke der Regionalbahn Augsburg-Schongau
Hier liegen normalerweise die Bahnschienen

Einer der Bauarbeiter sagte mir, der Untergrund sei nicht richtig verfestigt, komme ins Schwimmen und müsse verdichtet werden. Jedenfalls wurden Schienen und Schwellen abgetragen und das Schotterbett ausgebaggert.

Eine Flaniermeile

Durch die Sperrung des Bahnübergangs war die Ortsdurchfahrt auf der Staatsstraße St2055 unterbrochen. Für mich als Fußgänger paradiesische Zeiten. Normalerweise meide ich die Uttingerstraße. Die Gehsteige sind schmal und der Verkehr fühlt sich bedrohlich an, umso mehr, wenn man neben sich auch noch einen Hund an der Leine hat. Wahrscheinlich halten sich die meisten Verkehrsteilnehmer an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h. Es ist aber einfach beängstigend, wenn ein LKW oder Sattelschlepper mit Tempo 50 wenige Zentimeter an meinem Ellbogen vorbeirauscht.

Freie Fahrt für Radfahrer auf der Uttingerstraße während der Gleisbauarbeiten in Schondorf
Kein Auto auf der Straße

Während der Gleisbauarbeiten in Schondorf war das ganz anders. Da hätte ich zwischen Bahnhofstraße und Stegwiese auch mitten auf der Uttingerstraße spazieren können. Autos waren kaum unterwegs und die wenigen Radfahrer genossen es sichtlich, einmal die ganze Straße für sich zu haben.

Des einen Freud …

Weniger begeistert waren naturgemäß die Autofahrer, die den Umweg über Oberschondorf nehmen mussten. Und noch weniger begeistert waren vermutlich die Anwohner der Ausweichrouten. Ich bin in diesen Wochen einmal über die Schulstraße gegangen. An der Einmündung zur Landsbergerstraße stauten sich die Autos, weil der konstante Fahrzeugstrom Richtung Norden kaum eine Lücke zum Abbiegen ließ.

Himmlische Ruhe oder Grabesstille

Auf der Uttingerstraße war die Situation wie gesagt ganz anders. Hier bewegte sich nur ein Bruchteil des Verkehrs, den man an normalen Tagen gewohnt ist. Das machte sich auch im Einzelhandel bemerkbar. Ich habe dazu keine Zählungen angestellt, aber der subjektive Eindruck war, dass deutlich weniger Kunden die Geschäfte frequentierten. Egal ob Edeka, Manhart oder Eisdiele: überall standen weniger Leute an der Kasse an, als an normalen Tagen.

Während der Gleisbauarbeiten in Schondorf wurde die Uttingerstraße zur Flaniermeile
Kaum Verkehr auf der Uttingerstraße

Einerseits zerschneidet die Staatsstraße den Ort, ist gefährlich für Fußgänger und Radfahrer, und eine gesundheitsschädliche Lärmquelle für die Anwohner (Mehr Lebensqualität). Andererseits bringt sie aber auch Kunden zum örtlichen Einzelhandel und ist damit ein Wirtschaftsfaktor. Ich hoffe immer noch, dass wir durch eine vernünftige Geschwindigkeitsbeschränkung einen guten Kompromiss zwischen beiden Aspekten finden können.

1 Gedanke zu „Himmlische Ruhe“

  1. Ich hoffe immer noch, dass sich die Erkenntnis durdurchsetzt, dass eine wirkliche Entlastung aller Gemeinden am Ammersee-Westufer nur über eine vernünftige Umgehungs-/Staatsstraße von der A96 Pähl erreichbar ist.

    Geschwindigkeitsbeschränkungen etc. können nur ein/e Übergangslösung/Kompromiss sein, aber keine Lösung für die stetig weiter steigende Besiedlung und damit wachsenden Verkehr in unserer Region.

    Zeit, dass sich die Gemeinden zusamnmen mit Land & Bund auf eine gemeinsame Lösung verständigen und diese auch umsetzen.

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