Letzte Woche veranstaltete der Verein dieKunstBauStelle eine Tagung mit Workshop, um den Landkreis Landsberg in der BayernHistory App zukünftig noch lebendiger zu präsentieren. Gefördert wurde dieses Projekt „Austausch und Anerkennung für die Heimatforschung und das ehrenamtliche Engagement“ durch die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE).
Meine Frau und ich durften teilnehmen, zusammen mit fünf weiteren Amateur-Heimatforschern aus der Region. Organisator Wolfgang Hauck hatte zusammen mit dem Philosophen und Journalisten Alois Kramer (https://aloys.news/de/) ein dichtes Programm vorbereitet, in dem verschiedenste Aspekte der Geschichtsvermittlung beleuchtet wurden.
Ein digitaler Geschichtsatlas
Handy und Internet haben ganz neue Möglichkeiten eröffnet, Geschichte erlebbar zu machen. Von diesen Möglichkeiten war auch Wolfgang Hauck begeistert, als er vor einigen Jahren auf die berlinHistory App stieß. So etwas wollte er auch für Bayern anbieten. Dabei war er schlau genug, das Rad nicht erneut erfinden zu wollen. Er startete die BayernHistory App auf der technischen Plattform des Berliner Modells (https://bayernhistory.de/).

Seit gut drei Jahren ist Schondorf in diesem digitalen Geschichtsatlas mit dabei, und es kommen regelmäßig neue Einträge hinzu (Schondorf in der BayernHistory App).
Landsberg in der BayernHistory App
Bereits heute ist der Landkreis Landsberg in der BayernHistory App ausgesprochen gut vertreten. Wir sind gewissermaßen eine Vorreiter-Region. Trotzdem gibt es noch viele weitere Möglichkeiten. Diese auszuloten, war das Ziel dieses Workshops. So trafen wir uns beispielsweise in Füssen mit einer Lokalzeitung und diskutierten über Synergieeffekte zwischen gedruckten und digitalen Medien.

Im örtlichen Fremdenverkehrsbüro ging es logischerweise um die touristischen Aspekte. Urlaubsgäste können mit einem Klick mehr über die Orte erfahren, an denen sie gerade vorbeispazieren. Sie können vertiefende Informationen zu Schlössern, Kirchen oder Bürgerhäusern erhalten, ohne umständlich im Baedeker blättern zu müssen.
Die alten Rittersleut
Ein Höhepunkt war dann das Treffen mit dem Burgen-Pabst Dr. Joachim Zeune (https://www.burgenforschung-zeune.de/). Viele kennen ihn wahrscheinlich aus den Fernsehserien Willi wills wissen und Terra X. Zeune hat rund 300 Burgen im In- und Ausland untersucht, saniert oder kulturtouristisch erschlossen. Wir trafen ihn im Burgenmuseum Eisenberg bei Pfronten (https://www.eisenberg-allgaeu.de/burgenmuseum-eisenberg/). Es war schon sehr beeindruckend, wie hier auf kleinem Raum, mit wenigen, ausgewählten Exponaten, Schautafeln und audiovisuellen Präsentationen die alte Ritterburg lebendig dargestellt wird.

Dazu ist Dr. Zeune ein begnadeter Erzähler, der nebenbei mit einigen populären Irrtümern aufräumte. Brauchte man hauptsächlich Steine, um eine Burg zu bauen? Nein, es brauchte vor allem Unmengen an Holz, um den Löschkalk für den Mörtel zu brennen. Hatte jede Burg eine Folterkammer? Zeune sagt, dass er in den hunderten von ihm besuchten Burgruinen noch keine einzige gefunden hat.
Heimatforschung am Wohnort
Zurück aus dem Mittelalter kam der für mich spannendste Teil des Workshops, nämlich der gegenseitige Austausch. Wie gehen die anderen Teilnehmer die Aufgabe an, ihre Region in der BayernHistory App zu präsentieren? Welche Schwerpunkte setzen sie und auf welche Quellen können sie zurückgreifen? Daraus entwickelten sich spannende Diskussionen und so manche Aha-Momente.

Etwas neidisch war ich bei diesen Gesprächen auf die Gemeinde Windach. Die haben mit Gerhard Heininger einen Heimatforscher, der die Geschichte des Ortes in schier unglaublichem Detailreichtum erfasst. Was er findet, landet nicht im Archiv, sondern wird in regelmäßigen Publikationen veröffentlicht.
27 Ausgaben der Schriften des Archivs der Gemeinde hat er bereits herausgegeben (https://heininger.bayern/schriften-des-archivs-der-verwaltungsgemeinschaft-windach-ausgaben-2). Auf rund hundert Seiten werden dabei alle möglichen Aspekte des Dorflebens dokumentiert, von der Schützengesellschaft über das Schloss bis zu den Sudetendeutschen. Witziges Detail am Rande: Heininger ist kein gebürtiger Windacher, sondern ein Zuazogner.
Geschichte von unten
ich habe aus dem Workshop viele Inspirationen mitgenommen, und bin zuversichtlich, dass wir auch die Präsenz von Schondorf in der BayernHistory App weiter ausbauen können. Gewissermaßen in den Startlöchern steht ein gründlich recherchierter Beitrag von Silvie Schmitt zur Geschichte des Schulwesens in Schondorf.

Darüber hinaus hoffe ich, dass wir über das Büchlein Schondorf Erinnerungen (Schondorf Erinnerungen gesucht) Beiträge zur Ortsgeschichte sammeln können. Eine Ortsgeschichte, die sich nicht auf Kirchen und Fürsten beschränkt, sondern auch die Alltagskultur für die Nachwelt bewahrt. Wer das Büchlein noch nicht hat, kann sich ein Exemplar kostenlos im Rathaus abholen oder bei mir bestellen.