Der letzte seiner Art

Am Dienstag, den 30. Dezember, erschien wie gewohnt der Ammerseekurier. Es war allerdings ein besonderes Datum, denn es war die letzte gedruckte Ausgabe unserer Regionalzeitung. Ab jetzt werden die Nachrichten vom Ammersee nur noch als Teil des Landsberger Tagblatts gedruckt. Darüber hinaus wird der Ammerseekurier in Zukunft digital berichten.

Eine Institution seit 1949

Der Ammerseekurier war eine Institution. Seit 1949 schrieb er über Interessantes und Kurioses aus unserer Region. Zum 70. Geburtstag habe ich noch gratuliert (Ein rüstiger Siebziger), den 75. habe ich irgendwie verschlafen und einen 80. wird es nicht mehr geben. Die Druckausgabe wurde zum Ende 2025 eingestellt.

70. Jubiläum Ammersee Kurier
Die Ausgabe zum 70. Jubiläum

Gedruckte Neuigkeiten aus Dießen und der Region gibt es zukünftig als Teil des Landsberger Tagblatt. Auch der Online-Auftritt bleibt in das Angebot des LT integriert (https://www.augsburger-allgemeine.de/ammersee). Zumindest auf diesem Weg kann ich auch weiterhin die kritischen und dabei sachlichen Kommentare von Gerald Modlinger lesen.

Zeitungen in der Zwickmühle

Direkt überraschend kommt dieser Schritt für mich nicht. Ich war selbst als Publizist tätig und weiß, wie sehr die Kosten für Papier und Versand in den letzten 10, 15 Jahren angezogen haben. Parallel dazu werden auch beim Ammerseekurier, wie bei praktisch allen Zeitungen, Abonnements und Einzelverkauf zurückgegangen sein.

Titelseite der letzten Ausgabe der Zeitung Ammerseekurier
Ein Foto in der letzten Ausgabe erinnert an das 50-jährige Jubiläum 1999

Zusätzlich ist in den letzten 20 Jahren ein ganzer Bereich weggebröckelt, der für die Verlage jahrzehntelang eine verlässliche Einnahmequelle war: die Anzeigenwerbung. Stellen-, Immobilien-, Partnerschafts- und Automobilanzeigen sind Schritt für Schritt ins Internet abgewandert. Vermutlich war der die kleine Regionalzeitung für das Mutterschiff Landsberger Tagblatt schon länger ein Zuschussgeschäft. Jetzt hat man einen Schlussstrich gezogen.

Selber Schuld

Es macht mich schon sentimental, dass es jetzt keinen Ammerseekurier mehr in den Zeitungsständern gibt. Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass ich nicht viel für sein Überleben getan habe. Wie viele andere auch, informiere ich mich inzwischen hauptsächlich über das Internet.

Dabei halte ich eine recht strikte Nachrichtendiät ein. In der Früh ein Blick auf BR24 und BBC, das reicht dann bis zum nächsten Morgen. Falls zwischendrin die Welt untergeht, werde ich es schon irgendwie erfahren, und alles andere kann bis zum nächsten Tag warten.

Ammerseekurier im Zeitungsständer der Buchhandlung Timbooktu Schondorf
In Zukunft nicht mehr im Zeitungsständer

Den Ammerseekurier habe ich fast nur noch gekauft, wenn mir jemand einen bestimmten Beitrag speziell empfohlen hat. Am Zeitungskiosk habe ich sonst eher die 60 Cent draufgelegt, und die Landkreiszeitung statt des Regionalblattes gekauft. In Zukunft stehe ich nicht mehr vor dieser Wahl. Das ist schade, aber in einem gewissen Sinn habe ich mir das selbst eingebrockt.

2 Gedanken zu „Der letzte seiner Art“

  1. Lieber Leo, ich liebe deinen (lakonischen) Schreibstil und deine Blogartikel-Inhalte gleichermaßen. Du machst das einfach wunderbar.
    Herzliche Grüße von (fast) nebenan.
    Renate
    PS: Beate Bentele, viele Jahre sehr aktive Mitarbeiterin/Mitmacherin beim Ammersee-Kurier, war eine der ersten, der ich vor vielen Jahren meine Kurzgeschichten zur kritischen Bewertung anvertraute. Ihre Reaktion freut mich bis heute. Denn sie bezeichnete mich als „Meisterin der Kurzgeschichten.“ Dieses Lob wärmt mein Herz immer noch.

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