Mit dem Slogan „Ihr Bürgeramt der Zukunft“ warb Landsberg für den umstrittenen Neubau am Penzinger Feld (Was ein Landratsamt kostet). Daraus wurde bekanntlich nichts, weil ein Bürgerentscheid das Vorhaben kippte. Bei der Diskussion um dieses Projekt ging es auch darum, wie viele Büros und Arbeitsplätze die Verwaltung überhaupt noch braucht. Schließlich soll das digitale Landratsamt der Zukunft viele Vorgänge vereinfachen und Behördengänge überflüssig machen. Teilweise geht das heute schon, und das habe ich ausprobiert. Den Umtausch meines Führerscheins habe ich online mit der BundID App und der dazugehörigen Karte beantragt.
Technikverliebt
Technische Spielereien liegen mir im Blut. Nicht umsonst bin ich Ingenieur der Nachrichtentechnik geworden und habe mein ganzes Berufsleben in der Hightech-Branche verbracht. Auch privat habe ich mir immer eine gewisse Technikverliebtheit erhalten. Eine Emailadresse, Satellitennavigation oder eine eigene Website hatte ich schon, als viele mit diesen Begriffen noch nichts anfangen konnten.

Kein Wunder also, dass ich auch das digitale Landratsamt ausprobieren wollte. Den Anlass dafür lieferte mir der anstehende Umtausch meines alten Führerscheins. Das ist nämlich einer der Behördengänge, die man im Landratsamt Landsberg online erledigen kann. Letzten Herbst nahm ich den Umtausch in Angriff, obwohl ich noch bis Ende 2026 Zeit gehabt hätte. Aus langjähriger Erfahrung weiß ich inzwischen: Mit Computern geht alles schneller, dafür dauert es etwas länger.
Führerscheinumtausch online
Um die Angebote im digitalen Landratsamt nutzen zu können, braucht man ein BundID-Konto (https://id.bund.de/de). Das ist ein zentrales Konto, mit dem man sich online gegenüber Behörden ausweisen kann. Beim Anlegen des Kontos entscheidet man sich, wie man sich beim Zugang identifizieren will. Ich entschied mich für die sicherste Variante, nämlich einen Online-Ausweis. Deutsche Staatsbürger können diese Online-Funktion in den Personalausweis integrieren. Als Österreicher musste ich eine eigene BundID-Karte beantragen. Die bekam ich nach ungefähr zwei Wochen über die Gemeinde.

Anschließend installierte ich die dazugehörige AusweisApp auf meinem Smartphone (https://www.ausweisapp.bund.de/). Auch das funktionierte ohne Probleme. Jetzt hatte ich alles, um ins digitale Landratsamt zu surfen und meinen Führerscheinumtausch zu beantragen. Unten auf der Website https://www.buergerservice-portal.de/bayern/lkrlandsberglech/bsp_fw_umtausch_eu_kfs/#/ ist der Link zum Anmelden mit dem BundID-Konto.
Mit BundID und AusweisApp
Zur Anmeldung für einen Vorgang startet man die AusweisApp und hält die BundID-Karte an das Smartphone. Nach der Eingabe der persönlichen PIN-Nummer liest das Handy per NFC die Daten von der Karte aus und überträgt sie an den Server der Behörde.

Damit hat man sich identifiziert und wird jetzt durch eine Reihe von Eingabemasken geführt. Unter anderem müssen dabei Vorder- und Rückseite des alten Führerscheins abfotografiert werden. Nervig fand ich, dass man bei jedem Schritt nach fünf Minuten Inaktivität automatisch ausgeloggt wird, und sich dann wieder neu anmelden muss. Fotos des Führerscheins und ein biometrisches Passbild sollte man also besser schon vorher bereit haben.
Stolperstelle Passbild
Das biometrische Passbild erwies sich dann als Stolperfalle. Das Portal wollte das Foto aus meinem österreichischen Reisepass partout nicht akzeptieren. Warum, blieb unklar. Es gab nur bei jedem Versuch die Meldung, dass das Bild nicht den biometrischen Anforderungen entspreche. Dass mein Foto gut genug für einen Reisepass aber nicht für einen Führerschein ist, verstehe ich bis heute nicht.
Dieses Hindernis hat meinen Ausflug ins digitale Landratsamt erst einmal rund zwei Monate verzögert. So lange dauerte es, bis ich zufällig an einem Fotostudio vorbeikam und daran dachte, dass ich ein neues Passbild brauche. Mit dem neuen Foto klappte es dann einwandfrei.

Anfang Januar hatte ich den Online-Antrag dann endlich eingereicht. Ziemlich genau vier Wochen später erhielt ich eine Email vom Landratsamt Landsberg, dass ich meinen neuen Führerschein abholen könne.
Beim nächsten Mal geht’s schneller
Alles in allem hat das ganze Prozedere vom Antrag der BundID bis zum neuen Führerschein rund ein halbes Jahr gedauert. Mit einem ganz konventionellen Gang zur Behörde wäre es sicher schneller gegangen. Fairerweise muss ich sagen, dass ich es vielleicht auch in zwei Monaten erledigen hätte können, wenn ich mich ernsthaft dahintergeklemmt hätte.
Ich verbuche es als Lernerfahrung. Immerhin weiß ich jetzt besser, wie das digitale Landratsamt funktioniert und habe alles, was man für Online-Behördengänge braucht. Beim nächsten digitalen Amtsbesuch geht es sicher schneller.