Weniger Petunien, mehr Bienen

Ich war ziemlich überrascht, als ich vor ein paar Tagen am Pflanzbeet nahe dem Dampfersteg in der Seeanlage vorbeikam. Wo sonst tiefschwarze Gartenerde auf die frischen Setzlinge wartet, war plötzlich eine Sand- und Kiesfläche, auf der ein paar alte Äste lagen. Erst später habe ich erfahren, dass sich die Gemeinde an dieser Stelle etwas Neues traut. Statt konventioneller Blumenrabatte mit bunten Blüten in Reih und Glied, soll hier ein Wildstaudenbeet in Schondorf entstehen.

Wildstaudenbeet in Schondorf

Die Idee, vom konventionellen Wechselbeet auf eine naturnahen Bepflanzung umzusteigen, kommt von der Gärtnerei Dumbsky aus Hechenwang. Die haben mit ihrem Monis Naturgarten (https://www.gaertnerei-dumbsky.de/monis-naturgarten-3) schon gezeigt, was auf diese Art möglich ist: Ein pflegeleichter Lebensraum für Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten, der noch dazu hübsch anzusehen ist.

In diesem Wildstaudenbeet in Schondorf:sollen sich zukünftig Bienen und andere Insekten wohlfühlen
Das Totholz im Beet bietet Unterschlupf für Insekten

Die Bepflanzung des Beetes in der Seeanlage hat Dumbsky übernommen, um es als eine Art Schaufenster für die Möglichkeiten eines Naturgartens zu nutzen. Man hofft, dass auch private Gartenbesitzer auf den Geschmack kommen und sich so ein Wildstaudenbeet anlegen lassen.

Magerer Boden für mehr Vielfalt

Ein Mitarbeiter der Gärtnerei hat mir erklärt, dass die typische Pflanzerde viel zu nährstoffreich für einen vielfältigen Bewuchs ist. Wenn man nichts tut, wachsen in dieser Erde hauptsächlich Gräser, die alle anderen Pflanzen recht schnell verdrängen. Deshalb muss immer fleißig neu gepflanzt, gejätet, gedüngt und gemulcht werden. Die meisten Gartenbesitzer kennen das.

Für eine artenreiche Vielfalt muss die Erde magerer sein. Gras tut sich dann schwer, aber es gibt viele heimische Gewächse, die auf genau solche mageren Böden spezialisiert sind. Mir fällt dazu ein, dass sich an unserem Haus die Königskerze ausgerechnet auf einem schmalen Schotterstreifen zwischen Asphalt und Hauswand ausgesprochen wohlfühlt.

Die Königskerze in einer botanischen Zeichnung von Otto Karl Berg
Königskerze von Otto Karl Berg (Quelle: Wikipedia)

Um den Boden weniger nährstoffreich zu machen, wurde erst einmal eine Menge Kies und Sand in das Beet gekippt. Sehr attraktiv sah das nicht aus, eher wie eine Miniatur-Sandgrube. So haben es einige wohl auch genutzt. Anscheinend waren eines Morgens die Reifenspuren von Mountainbikes im Sand zu sehen.

Ein Experiment

Mittlerweile ist das Beet mit Seilen umgrenzt und eine Infotafel erklärt die Hintergründe. Außerdem sorgen jetzt Primeln für ein paar Farbtupfer im Grau. Der Rest soll nach und nach wachsen, bis hier ein heimisches Blumen- und Wildstaudenbeet in Schondorf entsteht.

Wildstaudenbeet in Schondorf: Die Seeanlage wird von der Gärtnerei Dumbsky naturnah bepflanzt
Informationen zum Naturgarten der Gärtnerei Dumbsky

Ob das klappt, wird man sehen. Vor einigen Jahren gab es schon einmal den Versuch, eine Verkehrsinsel in der Greifenbergerstraße naturnah zu bepflanzen. Das Ergebnis fiel ziemlich ernüchternd aus und das Experiment wurde bald wieder beendet (Die Verkehrsinsel des Grauens).

Verkehrsinsel Greifenbergerstrasse
Die Verkehrsinsel von 2019

Hoffentlich klappt es beim Wildstaudenbeet in der Seeanlage besser. So eine naturnahe Bepflanzung ist nämlich kein Selbstläufer. Einfach nur anlegen und dann beim Wachsen zuschauen, das funktioniert nicht. Gerade in der Anfangszeit braucht das neue Beet viel Aufmerksamkeit, bis sich die Pflanzengemeinschaft eingespielt hat. Ob dann wirklich Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten hier schwirren und summen, hängt von vielen Details ab. Artenauswahl, Bodenaufbau und Umgebung müssen ins Gleichgewicht gebracht werden.

Ich hoffe, das funktioniert und wir haben bald ein schönes und ökologisch wertvolles Wildstaudenbeet in Schondorf. Natürlich retten die paar Quadratmeter alleine nicht die Artenvielfalt oder stoppen das Bienensterben. Es ist aber schön, dass die Gemeinde mit gutem Beispiel vorangeht. Wenn später auch private Gartenbesitzer mitziehen, könnte es ein Beitrag zu einer gesünderen Natur werden.


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