Der Schondorfer Andreas Kloker (https://andreaskloker.de/) hat den Kunstpreis des Landkreises Landsberg 2026 erhalten. Dabei sieht er sich selbst gar nicht als Künstler. In diesem Punkt bin ich seiner Meinung. Ich finde Thaumaturg – Wundertäter – eine viel passendere Bezeichnung für ihn.
Kunst ohne Künstler
Bei der Preisverleihung am 24. April im Landratsamt Landsberg hielt Dr. Ulrich Kaiser die Laudatio. Auch er stand vor dem Problem, einen Künstler zu ehren, der sich selber nicht als Künstler bezeichnen mag. Er löste das sehr elegant, indem er Kloker als Menschen beschrieb, für den der schöpferische Prozess im Mittelpunkt steht, und der sich selbst dabei beobachtet.

Es geht ihm nicht darum, ein Œuvre zu schaffen, das irgendwann im Museum ausgestellt werden kann. Kloker macht bewusst vergängliche Arbeiten, bei denen er sich gewissermaßen selbst zusieht.
Aus dem Nichts
Das tat er auch bei der Preisverleihung. Er malte eines seiner ephemeren Wasserbilder, die er selbst Elementarzeichnungen nennt, und die wir in Schondorf recht gut kennen (Die vier Elemente). Bilder, die ganz ohne Leinwand, Acryl- oder Ölfarbe auskommen. Sie entstehen nur aus Wasser und Luft, praktisch aus dem Nichts, wie durch ein Wunder.

Deshalb finde ich Thaumaturg einen so passenden Ausdruck. Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen und setzt sich aus den Worten thauma (Wunder) und tourgos (Arbeiter/Vollbringer) zusammen. Das musste ich zugegebenermaßen bei Wikipedia nachschlagen. Ich habe eine technische Ausbildung genossen, keine humanistische. Deshalb spreche ich leider kein Altgriechisch.
Eine arkane Magie
Auf den Thaumaturgen bin ich erst in einem Roman des englischen Schriftstellers China Miéville gestoßen. Das Buch spielt in der Fantasiewelt von New Crobuzon, in der diese arkane Möglichkeitsmagie an den Universitäten gelehrt wird und selbstverständlicher Teil des Alltags ist (allerdings mit eher düsteren Folgen).

Die Magie funktionierte auch bei der Preisverleihung in Landsberg. Ulrich Hohmann spielte minimalistische Töne auf Bambusröhren, Rahmentrommel und Viola, und Andreas Kloker malte dazu ein flüchtiges Wasserbild auf einer Schiefertafel.
Kunstpreis seit 2016
Das wundersame Werden, Verwandeln und Vergehen des Bildes zog das Publikum in den Bann. Es herrschte gespannte Stille im Saal, auch bei der zahlreich erschienenen Politprominenz. Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl, MdB Michael Kießling und Landtagsvizepräsident Ludwig Hartmann waren unter den Gästen. Der scheidende Landrat Thomas Eichinger dankte anschließend der Sparkasse Landsberg-Dießen (https://www.sparkasse-landsberg.de/), die den Kunstpreis mit € 4000 dotiert.

Mit erfrischender Selbstironie ging er auf das Element der Vergänglichkeit in Klokers Werk ein. Er selbst habe bei der letzten Wahl gerade sehr persönliche Erfahrungen mit der Vergänglichkeit gemacht.
Außerdem erinnerte Eichinger daran, dass die Auszeichnung vor zehn Jahren von der Dießener Künstlerin und Kulturpolitikerin Annunciata Foresti initiiert worden ist. Inzwischen wurde daraus eine Art „Hall of Fame“ der Künstler im Landkreis, deren Werke in einer Dauerausstellung im Landratsamt zu sehen sind (https://www.landkreis-landsberg.de/kunstpreis/).
Andreas ist ein bemerkenswerter Mensch. Ich freue mich, ihn persönlich kennengelernt zu haben. Zum ersten Mal vor einigen Jahren – als wir über das (damalige) Schwein in seinem Garten gesprochen haben. Ein sehr interessantes Gespräch …