Der kurze Frühling der Anarchie

Die Sanierung der Bahnhofstraße ist weiterhin das Gesprächsthema in Schondorf (Das Jahr der Baustelle). Dazu gehören auch die verschiedenen Umleitungen inklusive der Einbahnregelung in Schondorf. So war die Greifenbergerstraße in den letzten Wochen eigentlich nur Richtung Osten befahrbar. Eigentlich. Nicht wenige Schondorfer zeigten nämlich plötzlich eine anarchistische Ader und ignorierten die Einbahnschilder.

Einbahnregelung in Schondorf

Ein Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht und nannte die Stelle die „wahrscheinlich meistmissachtete Einbahnstraßenregelung Deutschlands“. Er selbst sehe täglich 6-8 Verstöße von Autofahrern und etwa gleich viele von Radfahrern.

Die Einbahnregelung in Schondorf wurde von Autofahrern nur teilweise befolgt
Die Autofahrer kamen auch in der Einbahn gut miteinander zurecht

Da gebe ich dem Leser recht, denn das deckt sich auch mit meinen Beobachtungen. Die Überlegung dahinter kann ich teilweise nachvollziehen. Die Greifenbergerstraße war davor in beiden Richtungen befahrbar. Warum sollte sie jetzt eine Einbahn sein, nur weil nebenan in der Bahnhofstraße gebaut wird?

Freie Fahrt für die Feuerwehr

Tatsächlich hat sich die Straße nicht verändert, nur die Einmündung in die Bahnhofstraße ist durch die Baustelle schmäler geworden. Genau das ist anscheinend die Crux an der Sache. Greifenberger- und Bahnhofstraße sind der Anfahrtsweg der Feuerwehr, falls es im Internat Landheim brennen sollte.

Für solche Anfahrtswege gibt es wohl genaue Vorschriften, wie breit sie mindestens sein müssen. Die Feuerwehrfahrzeuge sollen bei Gegenverkehr nicht im Stau stecken. Die Einmündung in die Bahnhofstraße war zu schmal, sodass es für die Greifenbergerstraße eine Einbahnregelung brauchte. So hat es mir jedenfalls Frau Wenzel vom Bauamt erklärt.

Kinder sind von Feuerwehrautos fasziniert
Freie Bahn für die Feuerwehr

Wenn es solche Vorschriften gibt, müssen sie von der Gemeinde natürlich befolgt werden. Praktische Probleme hätte ich mit oder ohne Einbahnstraße nicht erwartet. Es gibt in Schondorf genug andere Engstellen. Auch dort müssen die Autofahrer ausweichen, um die entgegenkommende Feuerwehr durchzulassen.

Anarchische Zustände

Natürlich bin ich generell dafür, dass Verkehrsregeln eingehalten werden. Im Falle dieser Einbahnregelung in Schondorf konnte ich mir ein Schmunzeln aber nicht verkneifen. Den Deutschen wird ja gerne nachgesagt, sie seien wenig rebellisch und sehr obrigkeitshörig. In diesem Fall offensichtlich nicht. Man verstand den Sinn hinter der Maßnahme nicht und deshalb wurde sie von vielen einfach ignoriert.

Einbahnregelung in Schondorf: Die Greifenbergerstrasse war in Richtung Westen gesperrt
Eigentlich ist die Beschilderung ganz klar

Mich hat überrascht, wie störungsfrei das funktionierte. Der Gegenverkehr machte einfach Platz oder wartete vor der Engstelle. Soweit ich es gesehen habe, ging das ganz ohne aufgebrachte Gesten, Gehupe oder Beschimpfungen.

Angeblich kam die Abkürzung gegen die Einbahn einigen teuer zu stehen, weil sie von einer Polizeikontrolle ertappt wurden. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Selber habe ich in diesen Wochen nie ein Polizeiauto in der Greifenbergerstraße gesehen.

Sackgasse statt Einbahnstraße

Inzwischen hat sich das Thema von selbst erledigt. Seit 4. Mai ist die Einmündung in die Bahnhofstraße wieder gesperrt. In diesem Bereich muss ein Wasserverteiler erneuert werden. Die Greifenbergerstraße ist erst einmal eine Sackgasse. In etwa zwei Wochen soll der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein, dann wird diese Kreuzung wieder geöffnet.

Sanierung der Bahnhofstraße in Schondorf: Die drei Bauabschnitte
Die Bauabschnitte wurden mittlerweile umgestellt: BA III beginnt Mitte Mai

Auf der Website der Gemeinde findet man leider keine aktuellen Hinweise. Stand heute steht dort immer noch die mittlerweile überholte Informationen vom Februar: https://www.schondorf-ammersee.de/bauen-wohnen/bahnhofstrasse

Aktualisierung 6. Mai: An dieser Stelle muss ich bei der Gemeinde Abbitte leisten. Kaum war dieser Betrag veröffentlicht, hatte ich Abends Post vom Bauamt im Briefkasten. Auf mehreren Seiten wird darin detailliert erklärt, was die nächsten Baumaßnahmen sind, wo Ausweichparkplätze eingerichtet werden und wie in der Bauphase die Müllabfuhr organisiert ist. Die Website ist allerdings immer noch auf dem Stand von Februar.

Eine erstaunlich verlässliche Informationsquelle ist dagegen die Buchhandlung Timbooktu. Die stehen im Rahmen der Initiative https://servus-schondorf.de/ in engem Kontakt mit dem Bauamt und veröffentlichen Neuigkeiten zur Baustelle auf ihrer Website https://timbooktu-ammersee.de/.

1 Kommentar zu „Der kurze Frühling der Anarchie“

  1. Die Argumentation für die Einbahnregelung wegen der sicherlich wichtigen Feuerwehrzufahrt ist aus zwei Gründen nicht stichhaltig:
    1. Die Komplettsperrung ab dem 04.05. wegen des Einbaus eines Wasserverteilers im Kreuzungsbereich erfordert sowieso eine Alternativroute für die Feuerwehr zum Landheim und zum Unterschondorfer Nordosten.
    2. Der Einmündungsbereich Bahnhofstrasse/ Greifenberger Straße ist so übersichtlich, dass er bei mit Blaulicht und Sirene anrückenden Einsatzfahrzeugen in kürzester Frist frei gemacht wäre. Solche Behinderungssituationen für Einsatzfahrzeuge, wie Engstellen und Ampeln, sind ja im städtischen Bereich nichts ungewöhnliches.

    Dessen ungeachtet ist die gesamte Ausführungsplanung ziemlich Nutzerunfreundlich. Nun ist der 1. BA seit Baubeginn nicht nur für den Kfz-, sondern auch für den Fußgängerverkehr gesperrt. Das nützt nur der ausführenden Firma, die völlig ungestört ihre Einsätze planen und ausführen kann. Dass generell innerhalb der einzelnen Bauabschnitte eine Vollsperre geplant ist und nicht versucht wird, zumindest temporär eine halbseitige Befahrbarkeit zu gewährleisten ist ein Affront gegen die Geschäftsleute in der Bahnhofstrasse. Dass es auch anders geht, wurde bei den ersten gravierenden Umbauten in der Bahnhofstrasse zwischen 1992 und 1996 bewiesen. Trotz Verlegung der Gehwege, Anlage von Längs-und Senkrecht-Parkern und einer neuen Fahrbahndecke wurde immer eine Spur und ein Gehweg freigehalten. Dies war möglich, weil es bereits in den Ausschreibungsunterlagen einschließlich der sich ändernden Umleitungsbeschilderung so gefordert war.

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