Der rührige RWV Ammersee (https://www.rwv-ammersee.de/) inszeniert zum zehnjährigen Vereinsjubiläum Wagner am Ammersee. Am 11., 17. und 19. Juli ist der Tannhäuser im Carl-Orff-Museum Dießen in einer Open-Air-Aufführung zu sehen. An diesem Punkt könnte ich eigentlich mit dem Schreiben aufhören, weil ohnehin niemand weiterliest. Die eingefleischten Wagnerianer nicht, weil sie schon längst Karten für die Aufführung gekauft haben; die anderen nicht, weil sie mit Wagner generell nichts anfangen können.
Wagner am Ammersee
Wagner polarisiert wie kein anderer Komponist. Zwischen glühender Begeisterung und kopfschüttelndem Unverständnis scheint es kein Mittelmaß zu geben.
Das ist schade, denn die Inszenierung in Dießen wäre eine hervorragende Gelegenheit, sich mit Wagner anzufreunden. Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens muss man sich nicht erst in die komplette nordische Mythologie einlesen, um der Handlung folgen zu können. Im Tannhäuser geht es um das allgemein verständliche Thema der Liebe.

Zweitens sitzt man bei dieser Inszenierung nicht in einem stickigen Opernhaus, sondern im lauschigen Garten des Carl Orff Museum in Dießen (https://co-mu.de/). Zu guter Letzt gibt es in der Aufführung zwei Pausen, damit man das Gehörte in der charmanten Klangbar des COMU nachhallen lassen kann.

Mit gut 70 Mitwirkenden ist dieser Tannhäuser vermutlich die größte freie Opernproduktion in der ganzen Region. Besonders stolz ist der RWV, dass man den Tenor Stefan Vinke für die Titelrolle gewinnen konnte,. Der ist immerhin schon mehrfach in Bayreuth als Siegfried auf der Bühne gestanden.
Das Tannhäuser-Problem
Im Prinzip geht es im Tannhäuser um den Konflikt zwischen sinnlichem Begehren und reiner Liebe. Wagner hat das mit zwei gegensätzlichen Bühnenwelten dargestellt. Die künstliche Welt der Höhle im Venusberg steht für Sinnlichkeit und Genusssucht. Das kontrastiert Wagner mit der reinen, idyllischen Natur rund um die thüringische Wartburg.

Das Problem ist nun, dass die von Wagner idealisierte Natur auf der Opernbühne logischerweise nur mit künstlichen Mitteln dargestellt werden kann. Da sollen dann ein gemalter Himmel und Baumattrappen aus der Requisitenkammer unberührte Natürlichkeit vorspiegeln.
Das schreit ja förmlich nach einer Open-Air-Aufführung. Genau das macht der RWV jetzt. Der Tannhäuser wird in die Natur geholt, mit echtem Vogelgezwitscher, Bergblick und Sonnenschein.
Kein Konkurrenzdenken
Ich finde es ganz erstaunlich, dass das Carl Orff Museum Wagner am Ammersee so herzlich willkommen geheißen hat. Normalerweise sind Museen ja strikt auf „ihren“ Komponisten fokussiert und dulden keine Konkurrenz.

COMU-Leiterin Judith Janowski ist da großzügiger und stellt den schönen Garten von Orffs ehemaligem Wohnhaus für die Aufführung zur Verfügung. Irgendwie ist das auch stimmig, denn Orff war mit der Familie Wagner befreundet.
Wagner in Dießen, Orff in Schondorf
Ein bisschen stört es natürlich meinen Lokalpatriotismus, dass die Oper in Dießen und nicht in Schondorf gespielt wird. Aber wir wollen nicht kleinlich sein. Immerhin hatten wir in Schondorf mit dem Fliegenden Holländer (Badeanstalt statt Bayreuth) auch schon Wagner am Ammersee.

Außerdem rächen wir uns auf subtile Weise: Wenn Dießen sich Richard Wagner holt, dann schnappen wir uns im Gegenzug den Dießener Komponisten Carl Orff. Im Rahmen unserer 1275-Jahr-Feier wird am 24. Juli Orffs bekanntestes Werk, die Carmina Burana, im Schondorfer Festzelt aufgeführt.
Auch hier passt der Spielort perfekt. So wie der Tannhäuser die idyllische Natur glorifiziert, feiert die Carmina Burana das pralle Leben. Wo würde das besser passen, als im Bierzelt?
Tannhäuser
11., 17. und 19. Juli 2026, jeweils 16:00 Uhr
COMU – Carl Orff Museum
Ziegelstadel 1, Dießen am Ammersee
Tickets unter https://pretix.eu/rwvammersee/Tannhaeuser/