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Erinnerung an die Märtyrer von Boves

Die Kirche St. Anna in Schondorf bekommt ein Reliquiar der beiden Märtyrerpriester von Boves

Kirche St. Anna in Schondorf

Es tut sich was in Schondorf, auch wenn ich nicht viel davon mitbekommen habe. Die Beziehung zu unserer Partnerstadt Boves im Piemont vertieft sich immer weiter. Eine Delegation aus Italien wird anlässlich eines Besuchs vom 5. bis 7. Mai ein spezielles Gastgeschenk mitbringen: ein Reliquiar mit Knochenfragmenten der beiden Märtyrerpriester Giuseppe Bernardi und Mario Ghibaudo.

Krieg und Versöhnung

Im September 1943 brannte eine SS-Division in einer Racheaktion die Stadt Boves nieder, und ermordete über 20 Zivilisten. Der Verantwortliche für dieses Massaker liegt auf dem Schondorfer Friedhof begraben. Das war für die Scuola di Pace (Friedensschule) in Boves der Anlass, Kontakt mit Schondorf aufzunehmen und die Hand zur Versöhnung auszustrecken (Über Hoffnung). Daraus entwickelten sich regelmäßige gegenseitige Besuche, die 2021 im Abschluss einer offiziellen Städtepartnerschaft mündeten.

Unter den Opfern des Massakers von 1943 waren auch die beiden Priester Giuseppe Bernardi und Mario Ghibaudo, die bis zuletzt versucht hatten, eine friedliche Lösung zu finden. Letztes Jahr wurden die beiden für ihren aufopferungsvollen Einsatz seliggesprochen.

Staatspräsident gedenkt der Märtyrerpriester

Zum Gedenken an die beiden Märtyrerpriester kam am 25. April, dem Tag der Befreiung Italiens, sogar Staatspräsident Sergio Mattarella nach Boves. Soweit ich weiß, war zu den Feierlichkeiten auch eine Delegation aus Schondorf eingeladen.

Am 5. Mai kommt nun eine Delegation unserer Partnerstadt zu uns. Sie haben ein besonderes Gastgeschenk dabei, ein Schaugefäß mit Knochenstücken der beiden Märtyrer, das in der Kirche St. Anna aufgestellt werden wird. Ich persönlich finde den Kult um Reliquien etwas aus der Zeit gefallen. Andererseits kann ich verstehen, dass das für gläubige Menschen immer noch eine besondere Bedeutung hat.

Messa di Gloria

Zu Ehren unserer Gäste wird am 6. Mai um 20:00 Uhr in der Heilig-Kreuz-Kirche die Messa di Gloria von Giacomo Puccini aufgeführt. Es ist die einzige Messvertonung des hauptsächlich als Opernkomponisten bekannten Puccini. Unter der künstlerischen Leitung von Erich Unterholzner singen Tenor Eric Price, Bariton Jakob Albert und der Kirchenchor Heilig Kreuz. Die musikalische Begleitung übernimmt das Orchester der Schondorfer Kirchenkonzerte mit Konzertmeisterin Dorothea Emmert.

Münsterorganist Stefan Ronkov (Foto © Florian Jettenberger)

Zur Einstimmung spielt der Dießener Münsterorganist Stephan Ronkov einen Satz aus der 6. Orgelsymphonie von Louis Vierne. Der französische Komponist war ein Schüler von César Franck und ab 1900 Titularorganist der Kathedrale Notre-Dame de Paris.

Als Dank für diesen Gastauftritt wird übrigens der Schondorfer Kirchenchor am 22. Oktober an einer Aufführung der 2. Symphonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy im Dießener Marienmünster mitwirken.

Die feierliche Übergabe der Reliquien erfolgt dann am 7. Mai. Um 17:30 Uhr zelebriert der Augsburger Bischof Bertram Meier in Heilig Kreuz einen Gottesdienst zu Ehren der beiden Seliggesprochenen. Anschließend wird das Reliquiar in einer Prozession unter Begleitung der Blaskapelle Utting zur St.-Anna-Kirche gebracht.

Ausstellung im studioRose

Anlässlich des Besuchs aus Boves zeigt das studioRose vom 3. bis 7. Mai die Ausstellung Märtyrer für eine neue Stadt (https://studiorose.de/2023/04/26/maertyrer-fuer-eine-neue-stadt/). Eine Reihe von Schautafeln gibt dabei einen informativen und wirklich berührenden Eindruck vom Ablauf und den Opfern des Massakers von 1943. Wenn man sich die Brutalität der damaligen Ereignisse vor Augen führt, erscheint die Versöhnung zwischen Boves und Schondorf als das, was sie tatsächlich ist: ein Wunder.

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