Klimapartnerschaft Puerto Leguizamo

Puerto Leguizamo liegt in Kolumbien, nahe der peruanischen Grenze am Fluß Putumayo. Ein hübsch gelegener Ort im Regenwald, der größtenteils von Indigenen bewohnt wird.
Das sind meine wesentlichen Erkenntnisse aus der Vorstellung der Klimapartnerschaft Puerto Leguizamo im Schondorfer Gemeinderat.
Eigentlich brauchst Du also gar nicht mehr weiterlesen.

Kommunen in der einen Welt

Bei der Gemeinderatssitzung am 29. Oktober wurde das Projekt einer Klima-Partnerschaft mit Puerto Leguizamo vorgestellt. Ich habe mir das angehört, weil mich das Thema interessiert, auch wenn ich bei „Klimabündnissen“ etwas skeptisch bin (siehe Klimabündnis: Solidarität oder Ablasshandel?).
Das Förderprogramm für Kommunale Klimaschutz- und Klimaanpassungsprojekte (FKKP) wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert. Mit diesen Klimapartnerschaften soll die fachliche Zusammenarbeit deutscher Städte mit Kommunen im globalen Süden im Bereich Klimaschutz gestärkt werden.

(21. 11. Richtigstellung durch die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt: „Das Förderprogramm für kommunale Klimaschutz- und Klimaanpassungsprojekte (FKKP) ist eine nur für Klimapartnerschaften zugängliche Möglichkeit der Finanzierung konkreter Projekte, die den Kommunen in den letzten vier Jahren offen stand. Sie ist aber nicht identisch mit unserem Projekt ’50 Kommunale Klimapartnerschaften bis 2015′.“)

Klimapartnerschaft für fachliche Zusammenarbeit

Für Schondorf wäre die Partnerkommune Puerto Leguizamo in Kolumbien. Herr Klaus Hecht von der durchführenden Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) (21. 11.: Die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt hat mich darauf hingewiesen, dass Herr Hecht nicht für diese Organisation arbeitet, sondern aus eigener Initiative und ehrenamtlich tätig ist) präsentierte das Projekt mit ansteckender Begeisterung. Gemeinde aus Deutschland hilft Gemeinde im armen Süden bei Umweltschutz, erneuerbarer Energie und nachhaltiger Landwirtschaft.

Bio-Schokolade aus Kolumbien

Eines der Projekte die Herr Hecht vorstellte, war die Stadtschokolade. Deutsche Kommunen unterstützen ihre südamerikanischen Partnergemeinden beim Anbau von Bio-Kakao zur Herstellung und Vermarktung fair gehandelter Schokolade. Diese wird dann z.B. in Hannover als Stadtschokolade vermarktet. Das klingt gut und vernünftig.

Workshops, Kongresse und Netzwerktreffen

Die Ernüchterung folgte später, als ich mich auf der Website der Servicestelle Eine Welt näher über die Sache informierte.
Die Rubrik „Aktuelles“ ist eine einzige Abfolge von Konferenzen, auf denen Positionspapiere erarbeitet werden, die dann in Workshops vorgestellt, und in Fachforen von Experten weiter diskutiert werden.
Die Seite wirkt auf mich, als hätte sie ein Kabarettist gestaltet, der sich über die Klimabürokratie lustig machen will.

Langstreckenflüge für den Klimaschutz

Noch einmal zurück zur oben erwähnten Stadtschokolade Hannover. Um die Partner kennenzulernen flog 2012 erst einmal eine Delegation aus Hannover zum Auftaktworkshop nach Cost Rica. Im Juni 2013 kamen dann die Kolumbianer nach Hannover, wofür sich die Niedersachsen im August mit einem Gegenbesuch bedankten. Im April 2014 flog dann erneut ein Team aus Hannover nach Kolumbien, um das Handlungsprogramm abzustimmen. (Einzelheiten hier)
Selbst wenn eine Delegation jeweils nur aus zwei Leuten bestand, ergeben die Flüge laut Atmosfair eine Klimawirkung entsprechend 47,6 Tonnen CO2 (ungefähr die Menge Benzin, die ich in den letzten 15 Jahren verfahren habe).
Ich glaube, man muss viel Bio-Schokolade essen, um das wieder zu kompensieren.

Es geht auch einfacher

Ich persönlich bevorzuge einen direkten, unbürokratischen Weg, um die Entwicklung im globalen Süden zu fördern. Dafür gibt es beispielsweise die Mikrokredite von Kiva. Hier kann man schon ab US$ 25 regionale Projekte mit einem Kredit unterstützen.
Mir gefällt an Kiva, dass die Menschen nicht zu Almosenempfängern degradiert werden, sondern Kleinunternehmer und Investor auf Augenhöhe zusammenarbeiten.
Schau dir Kiva einmal an: www.kiva.org

Kommentare

  1. Alexander Herrmann

    Hallo Leo,
    wenn man es so nüchtern in die Tastatur hackt und nur auf die Schokoseite begrenzt, dann sieht es allerdings ziemlich traurig aus. Was Du an dieser Stelle allerdings unter den Teppich der Satire kehrst, ist die sicherlich veränderte Wahrnehmung der Menschen in den jeweilig beteiligten Kommunen. Ich bin fest davon überzeugt, daß hier eine Veränderung stattgefunden hat.

  2. Lieber Alexander,
    Du hast mit deinem Vorwurf wahrscheinlich Recht: Es ist viel, viel einfacher, ein Projekt mit Spott nieder zu machen, als überhaupt erstmal etwas auf den Weg zu bringen. Zu meiner Entschuldigung sage ich an diesem Punkt, dass die 'Servicestelle Eine Welt' eine fast unwiderstehliche Steilvorlage für alle Spötter gibt.
    Ich schreibe das nicht als notorischer Nörgler und Klimaskeptiker, sondern eher als der enttäuschte Fan. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd würde ich mir wünschen, aber solche bürokratischen Auswüchse lassen mich verzweifeln.
    Auch die von Dir angesprochene veränderte Wahrnehmung der Menschen mag ich nicht recht glauben. In so einem geschlossenen System wird fleißig den bereits Bekehrten gepredigt, die Außenwirkung ist vermutlich minimal.
    In einem Punkt bin ich mir sicher: Wir können das besser. Soviel Vertrauen habe ich in unsere Gemeinde allemal, dass wir einen besseren, unbürokratischeren Weg der Zusammenarbeit mit dem globalen Süden finden werden.

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