Und dann?

Kaum ein anderes Thema spaltet den Schondorfer Gemeinderat so sehr, wie die Güterhalle am Bahnhof. Befürworter und Gegner eines Abrisses halten sich etwa die Waage, und beide Seiten gehen das Thema recht emotional an.

Bahnhof in Schondorf am Ammersee
Sieht das ohne Güterhalle besser aus?

Die Güterhalle der Ammerseebahn

Vor drei Jahren wurde das – meiner Meinung nach ziemlich verkorkste – Ratsbegehren zugunsten eines Abrisses der Güterhalle von den Bürgern angenommen. Allerdings widerspricht hier der Denkmalschutz, der die Halle als Teil des geschützten Bahnhof-Ensembles betrachtet.
Dagegen kämpfen die Abrissbefürworter mit großem Engagement an. Als erster Schritt wurde gegen die Entscheidung des Denkmalamtes eine Klage eingereicht. Eine vom Schondorfer Künstler Andreas Kloker im Rahmen der Kreiskulturtage beantragte Kunstaktion in der Lagerhalle, fand im Gemeinderat keine Mehrheit. Man befürchtete, dass die Denkmalpfleger daraus eine mögliche zukünftige Nutzung des Schuppens ableiten könnten.
Aus dem gleichen Grund gab es sogar einen Antrag, dass die Halle bis zum Abriss generell nur als Lager verwendet werden dürfe.

Gutachten zum Denkmalstatus

Letzteres dürfte sich mittlerweile erledigt haben. Die Gemeinde hat ihre Klage auf Anraten des Anwalts wieder zurückgezogen. Formaljuristisch wäre an der Entscheidung des Denkmalamtes nichts auszusetzen, die Chancen des Verfahrens standen damit schlecht. Hätte man es trotzdem auf die Klage ankommen lassen, wäre der Denkmalschutz wahrscheinlich gerichtlich bestätigt worden.
Jetzt versucht man einen anderen Weg, und will wohl mit einem eigenen Gutachten die Denkmaleigenschaft der Lagerhalle anfechten.

Jede Menge kreative Energie

Ich bin beeindruckt, wieviel kreative Energie in den Abriss gesteckt wird. Ich würde mir allerdings wünschen, dass ein Teil dieses erfindungsreichen Eifers auch in die Planung für die Zeit danach investiert wird. Falls die Halle tatsächlich abgerissen wird, was dann?
Ich vermisse die Ideen für den Fall, dass der Abriss durchgesetzt wird. Nach dem Bürgerentscheid hieß es, man wolle „eine Steigerung der Attraktivität der Bahnhofstrasse ‚Ortsmitte‘ erzielen„. Parkplätze für drei SUVs hinzubetonieren kann’s ja wohl nicht sein.
Ich persönlich würde die Güterhalle gerne erhalten sehen. Für mich ist sie ein Teil des Bahnhofs, der in der historischen Entwicklung Schondorfs eine sehr wichtige Rolle spielt. Unterschondorf, wie wir es heute kennen, entstand größtenteils erst nach dem Bau der Ammerseebahn 1898.

Steigerung der Attraktivität

Andererseits hänge ich auch nicht mit Herzblut an der Lagerhalle. Wenn sie durch etwas Schöneres ersetzt wird, das den Ort aufwertet, dann könnte ich mich damit durchaus anfreunden. Lediglich eine asphaltierte Leerstelle zu schaffen ist aber nicht das, was ich mir unter einer „Steigerung der Attraktivität“ vorstelle.
In den letzten Jahren ist der Bereich um den Schondorfer Bahnhof sehr viel freundlicher geworden. Die Straße ist jetzt keine geflickte Schotterfläche mehr, das Feuerwehrhaus und das Jugendhaus wurden neu gebaut, und sogar die Container von Edeka Schmidt sind hinter Stellwänden verschwunden. Der Platz hat heute durchaus Potential, um etwas daraus zu machen.
Wo sind also die kreativen Ideen für diesen Bereich in der Mitte des Ortes? Ich habe noch von keiner Einzigen gehört.

Denkmalschutz und dann?

Das Gleiche frage ich mich auch bei den Befürwortern eines Erhalts der Halle. Schön, wenn sie stehen bleibt, aber was dann? Auch hier vermisse ich die Konzepte für eine Nutzung, die den Ort aufwertet. Ein leerstehender Schuppen wird die Herzen der Schondorfer nicht gewinnen.
Mich erinnert die jetzige Situation an eine zänkische Familie: Eigentlich wollte man im Wohnzimmer ein schönes Gemälde aufhängen. Dann hat man sich heillos zerstritten, ob man das mit einem Hammer oder Bohrer machen soll. Das Gemälde, der ursprüngliche Zweck der Aktion, geriet darüber völlig in Vergessenheit.
Der Abriss oder Erhalt der Güterhalle sind kein Selbstzweck. Es ging eigentlich darum, die Ortsmitte attraktiver, den Ort besser und schöner zu machen. Ich hoffe, dass sich jenseits der verhärteten Fronten eine Koalition der Vernunft findet, dass es zu einem Wettstreit der Ideen kommt.

Kommentare

  1. Wie wäre es mit einer Umfrage bezüglich Vorschlägen?
    Mir persönlich gefällt die Nutzung als kleine "Galerie" sehr gut. Die Idee, die kleine Güterhalle für Kunst aller Art zu nutzen, ist ja nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern stammt von Künstlern der Ammersee-Westseite (wenn ich mich richtig erinnere).
    Was gäbe es als Alternative? Ein Kiosk vielleicht.
    Bestimmt gibt es noch andere Vorschläge …

  2. AF

    Lieber Leo, danke, dass Du das Thema noch einmal aufgreifst. Abgesehen, dass der Güterschuppen unter Denkmalschutz steht und zu dem denkmalgeschütztem Bahnhof ein wunderbares Ensemble bietet, gibt es für mich keinen denkbaren Grund die Halle abzureißen. Sie könnte ein kleines Schmuckstück für Schondorf werden und den trostlosen Platz aufwerten, man könnte zB bei der Renovierung die Farben des Bahnhofs aufnehmen. Wer soll das bezahlen? Auch dafür gab es schon einige Sponsoren, wo ein Wille, da ein Weg. Zum Nutzungskonzept, wo für mich Kunst und Kultur natürlich an erster Stelle steht, könnte ich mir aber auch ein kleines Fremdenverkehrsamt oder ein kleines Stehcafe vorstellen. Das Nutzungskonzept steht für mich an zweites Stelle, denn da sind einfach nur ein paar Ideen notwendig, selbst eine Vermietung ist denkbar; die Erhaltung von einem Stück Heimat ist für mich das wichtigste, Abriss bedeutet Zerstörung eines kleinen Kulturgutes, das im Moment heruntergekommen ist, wenn man mit ein wenig Feingefühl den Portionen nähert, findet man schnell Anschluß an die Vergangenheit und ein Stück Geschichte Schondorfs. Nichts könnte das aufwiegen. Ich glaube in Schondorf, da geht es nicht mehr um die Sache und das ist das bittere dabei…
    In Utting steht eine ähnliche Güterhalle und was ich aus dem ehemaligen Stellwerk gemacht habe, weißt Du ja auch…das hat 2010 auch dermaßen hässlich ausgesehen…
    Bitte, bitte gebt dem eine Chance!
    http://www.kunst-im-stellwerk.de/stellwerk-diessen/ende2010.html

  3. Susanne Dr. Lücke

    Mein Kommentar – etwas verspätet, aber nicht weniger engagiert:
    mir ist es nach wie vor unverständlich, wie man für den Abriss eines ensemblegeschützten Bauwerks stimmen konnte.

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