Autofahrer aufgepasst

Autofahrer müssen sich bei der Ortsdurchfahrt durch Schondorf umstellen. In zwei Abschnitten gilt jetzt Tempo 30 auf der Staatsstraße St2055, also der Greifenberger- bzw. Uttingerstraße. Möglich gemacht hat das eine Reform des Straßenverkehrsrechts von 2025. Sie gibt den Kommunen jetzt mehr Spielraum für Geschwindigkeitsbegrenzungen, um beispielsweise die Umgebung von Schulen und Kitas sicherer zu machen. Das hat Schondorf nun genutzt.

Initiative für Tempo 30

Ich bin schon lange der Ansicht, dass 50 km/h in vielen Abschnitten der Greifenberger- und Uttingerstraße einfach zu schnell ist. Im Bereich der Schule gibt es keine Fußgängerampel oder Zebrastreifen, um die Straße sicher zu überqueren. An anderen Stellen sind die Gehwege extrem schmal und Schulkinder drängeln sich an den Bushaltestellen.

Darum habe ich vor fünf Jahren die Initiative Freiwillig Tempo 30 gegründet (Tempo 30 nimmt Fahrt auf). Ich fand schnell engagierte Mitstreiter (https://freiwillig30.de/) und auch in der Gemeinde war das Thema seither regelmäßig auf der Tagesordnung.

Start der Aktion Freiwillig 30 in Schondorf im November 2021
Start der Aktion im November 2021

An dieser Stelle möchte ich mich bei Bürgermeister Alexander Herrmann und den Ratsmitgliedern bedanken. Sie haben die Angelegenheit wirklich mit Nachdruck behandelt und verschiedene Lösungsansätze verfolgt.

Zwei Straßenabschnitte

Jetzt gibt es zumindest einen Teilerfolg. Auf zwei Streckenabschnitten der Ortsdurchfahrt gilt jetzt Tempo 30 auf der Staatsstraße. Der erste Abschnitt beginnt auf der Greifenbergerstraße bei der Fußgängerquerung am nördlichen Ortsende. Er reicht bis etwa auf Höhe der Apotheke an der Uttingerstraße.

Karte der beiden Tempo 30 Zonen in Schondorf.am Ammersee
Die beiden Abschnitte an der Staatsstraße

Anschließend können Autofahrer wieder auf 50 km/h beschleunigen. Allerdings nur für etwa 250 Meter, bis zum Bahnübergang. Ab dort gilt wieder Tempo 30 auf der Staatsstraße, und zwar bis zum Fußgängerüberweg am südlichen Ortsende.

Die beiden empo 30 Zonen in Schondorf gelten tagsüber zwischen 7:00 und 17:00 Uhr
Das Tempolimit gilt nur tagsüber

Da die Geschwindigkeitsbegrenzung zur Sicherheit der Schulkinder eingeführt wurde, gilt sie nur tagsüber von 7:00 bis 17:00 Uhr. Die lärmgeplagten Anwohner der Uttingerstraße haben Nachts also nichts von dem Tempolimit.

Tempo 30 auf der Staatsstraße

Die jetzt umgesetzten Maßnahmen verbessern zweifellos die Sicherheit von Kindern und Senioren, von Fußgängern und Radfahrern in Schondorf. Ganz zufrieden bin ich damit aber noch nicht.

Auch die Landsbergerstraße ist eine Staatsstraße und folglich darf hier weiterhin mit 50 km/h gefahren werden. Das ist dort einfach zu schnell. Die Straße ist unübersichtlich und es gibt nur auf einer Seite einen – noch dazu sehr schmalen – Gehweg. Hier wäre Tempo 30 dringend geboten.

Grafik zum Lärmaktionsplan
Lärmmessung an der Straße (Bild © Gemeinde Schondorf)

Das ist kein utopisches Ziel. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Geschwindigkeitsbegrenzung für den ganzen Ort angestrengt. Dazu wurde ein Lärmaktionsplan entsprechend den Vorgaben der bayerischen Staatsregierung erstellt. Der kam zum eindeutigen Ergebnis, dass der Lärm für die Anwohner gesundheitsschädlich ist, und empfahl Tempo 30 auf den Staatsstraßen durch den Ort.

Entscheidung aus Landsberg

Leider wurde das vom Landratsamt Landsberg verhindert. Gegen diese Entscheidung klagt Schondorf zusammen mit Utting, das vor demselben Problem steht. Bekanntlich gab es nun bei der Wahl Mitte März einen Wechsel an der Spitze des Landratsamtes. Neue Landrätin ist Daniela Groß von den Grünen. Die steht dem Wunsch nach Verkehrsberuhigung vielleicht offener gegenüber als ihr Vorgänger.

8 Gedanken zu „Autofahrer aufgepasst“

  1. Ich habe die gleiche Meinung wie Frau Blaes, Tempo 30, dann wieder Tempo 50, dann wieder 30 ist Schwachsinn. Das ist nur Schikane für die Autofahrer. Und was die Landsberger Straße betrifft, diese ist vollkommen zugeparkt, so dass man teilweise nur im Schritttempo fahren kann! Aber da philosophieren Bürger und fordern einen weiteren Schilderwald, welche gar nicht in der Landsberger Straße wohnen und augenscheinlich die örtlichen Gegebenheiten nicht kennen!

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    • Der Wechsel zwischen Tempo 30 und Tempo 50 ist keine Schikane, sondern entsteht aus der geltenden Rechtslage. Einzelne Tempo 30 Zonen dürfen nur bis zu einem bestimmten Abstand miteinander verbunden werden. Zwischen Ortsmitte und Schule ist dieser Abstand zu groß. Deshalb gilt auf dem Stück dazwischen wieder Tempo 50. Allerdings ist niemand gezwungen, auf dem kurzen Stück zu beschleunigen und wieder zu bremsen. Man kann auch einfach gemütlich mit 30 durchrollen.

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  2. Die 250 Meter ohne Tempolimit sind in meinen Augen ein Schildbürgerstreich – also völliger Schwachsinn. Aber: Man kann ein paar Schilder mehr aufstellen. Ist doch was … für den Schildproduzenten zumindest.

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    • So wie ich es verstanden habe, liegt das an den gesetzlichen Vorgaben. Bis zu einer gewissen Entfernung dürfen einzelne Tempo-30-Bereiche entlang einer Straße miteinander verbunden werden. Die Abschnitte an der fußgängerquerung Am Eichet und an der Schule sind wohl nahe genug für eine gemeinsame Zone. Schule und Ortszentrum sind zu weit auseinander, weshalb das Tempo 30 dazwischen aufgehoben werden muss.

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      • In diesem Zusammenhang betrachte man den KM-30-Schilder-Bürokratismus am nördlichen Ortsende. Denn der bedeutet: für eine Sekunde (!) den Fuß vom Gaspedal nehmen, dann wieder drauf.
        Schwachsinn, ick hör dir trapsen!

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  3. Maximale Schikane für den Verkehr bei minimalem Ergebnis – zumindest sind die Schulkinder sicher/er.

    Freiwillig Tempo 30, wie gehabt, wäre die weitaus bessere Lösung.

    Dauerhaft hilft nur eine weitläufige Umgehungsstraße um und Verkehrsberuhigung in allen Gemeinden am Westufer. Nur so können Gefahren, Lärm und Abgase reduziert werden und dem stetig wachsenden Verkehr Rechnung getragen werden.

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    • Das sehe ich anders. Die Sicherheit der Schulkinder – und anderer Fußgänger – ist für mich kein Minimalergebnis. Im Gegenteil, das sollte zentral in der Verkehrsplanung des Ortes sein.
      Auf der anderen Seite sehe ich als Autofahrer Tempo 30 nicht als maximale Schikane. In Inning ist das schon länger eingeführt, und ich rolle da ganz entspannt durch den Ort.

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