Schondorf ist nicht nur der darstellenden Kunst, sondern auch der Literatur eng verbunden. Viele dieser Aktivitäten sind bekannt, aber eine ganz besondere Veranstaltung ist leider ein bisschen unter dem Radar: der Buch-Workshop für Kinder im Schondorfer Gestaltarchiv (https://www.gestaltarchiv.de/).
Schondorf und Literatur
Beim Stichwort Schondorf und Literatur fällt einem spontan einiges ein: Unsere rührige Buchhandlung Timbooktu mit ihren Autorenlesungen (Gegenseitige Anziehung), das Format Literatürchen für junge Leser (https://www.literatürchen.de/), der kleine Verlag editionblaes (https://www.editionblaes.de/) oder Autorinnen wie Carmen Rohrbach (https://carmenrohrbach.de/).

In Schondorf werden aber auch Bücher produziert, und zwar im Gestalt-Archiv Hans Herrmann. Es sind samt und sonders liebevolle Unikate mit individuellen Texten, illustriert mit farbigen Drucken. Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass die Autoren dieser bibliophilen Schmuckstücke erst zwischen acht und zwölf Jahren alt sind.
Buch-Workshop für Kinder
Diese Bücher entstehen beim jährlichen Buch-Workshop für Kinder, den das Gestaltarchiv in Schondorf veranstaltet. Die Aktion fand heuer zum dritten Mal statt, und sie hat sich bereits einen exzellenten Ruf erworben. Der Workshop während der Sommerferien war praktisch schon ausgebucht, kaum dass der Termin angekündigt wurde.

Fünf Tage lang trafen sich die angehenden Autoren im Werkraum in der Landsberger Straße 19. Jeden Tag wurde abwechselnd an den Texten und an der Gestaltung gefeilt. Die Bücher sind nämlich kleine Gesamtkunstwerke, bei denen Umschlag und Buchillustrationen als farbige Linolschnitte gedruckt werden.
Schreiben und Gestalten
Für Kursleiterin Silvie Schmitt ist die Abwechslung zwischen Schreiben und Gestaltung wichtig. Dadurch wird Ermüdung verhindert. Wem zu seiner Geschichte gerade nichts einfällt, macht beim Arbeiten am Linolschnitt eine kreative Pause. Wenn die Phantasie bei der handwerklichen Tätigkeit wieder in Schwung gekommen ist, geht es mit dem Texten weiter.

Am Ende geht es noch ans Binden der Seiten und dann liegt das Produkt der eigenen Kreativität gebunden zwischen zwei Buchdeckeln vor.
Die Buchpräsentation
Ich durfte dabei sein, als die Kinder bei der Abschlussveranstaltung ihre selbstgestalteten Bücher vorlasen. Den jungen Autoren waren die Aufregung und auch der Stolz über das Geschaffene deutlich anzusehen – den anwesenden Eltern erst recht.

Was mich wirklich überrascht hat, war die Individualität und die große Bandbreite. Da gab es kurze, bunt illustrierte Pferdegeschichten, märchenhafte Erzählungen oder auch ein Detektivabenteuer im Stil von Die drei ??? Letzteres übrigens ein richtiges Buchformat mit einem Umfang von über 60 Seiten. Da muss man schon mit viel Eifer bei der Sache sein, um das in fünf Tagen fertigzustellen.
Ganz offensichtlich werden die Kinder bei diesem Buch-Workshop nicht gegängelt, sondern können unter fachkundiger Anleitung ihre ganz persönliche kreative Vision verwirklichen. Beneidenswert. Eigentlich schade, dass das Gestaltarchiv keinen Buch-Workshop für Senioren anbietet. Ich glaube, ich würde mitmachen.