Drei Gedanken zum Buchenpark

Am 25. Juni boten die „Architektouren Bayern“ wieder die Gelegenheit, architektonisch ungewöhnliche Privathäuser zu besichtigen. Ich habe das genutzt um mir die in Schondorf recht umstrittene Wohnanlage Buchenpark (Buchenpark. Brrr!) einmal von Innen anzusehen.
Felix Bembé vom Architekturbüro Beer Bembé Dellinger war vor Ort und erklärte geduldig, und auch für Laien verständlich, die Überlegungen hinter der Gestaltung.

Wohnen anders gedacht

Der ursprüngliche Plan war anscheinend, hier 7-8 Wohneinheiten als Reihenhäuser zu bauen. Um mit weniger Grundfläche auszukommen, entschied man sich aber für vier „Doppelhäuser“. Anders als bei konventioneller Bauweise sind diese nicht vertikal, sondern horizontal geteilt.
Es war schon interessant, das Thema Wohnen einmal anders gelöst zu sehen. In dem besichtigten Haus haben die beiden Parteien jeweils das halbe Erdgeschoß und dann den kompletten ersten, bzw. zweiten Stock. Das ergibt einen außergewöhnlich einladenden und luftigen Eingangsbereich. Auch das jeweilge Obergeschoß wirkt sehr transparent.
Statt der konventionellen Raumaufteilung gibt es sehr großzügige freie Bereiche, die flexibel genutzt werden können. Es geht also auch ohne die gewohnte Aufteilung in Ess-, Wohn- und Arbeitszimmer. Die Badewanne gehört zum Schlafraum und bietet über die raumhohe Verglasung (dazu gleich noch mehr) freien Blick nach draußen.

Stadelheim am Ammersee

Luxuswohnungen am Ammersee

Das zur Besichtigung freigegebene Haus war sichtlich noch nie bewohnt. Soweit ich es bei den beiden Nachbarhäusern sehen konnte, war dort jeweils nur eine Wohnung belegt. Aktuell sind also höchstens die Hälfte der Wohnungen vermietet. Offensichtlich stehen die Leute nicht gerade Schlange, um rund € 3000 für eine Mietwohnung auszugeben. Das manchmal gezeichnete Schreckensbild vom Millionärsghetto Schondorf liegt wohl noch in der Zukunft.
Angeblich haben die Häuser in der Ammerseeregion den Spitznamen „Stadelheim“. Das liegt dann aber nicht, wie ein Leser in einem Kommentar vermutet hat, an der chronischen Überbelegung. 

Das Glaswand-Dogma

Vollverglaste Wände sind ein Dogma der zeitgenössischen Architektur. Da ist viel von lichtdurchfluteten Räumen die Rede und davon, die Natur ins Haus zu lassen. In den Architekturzeitschriften sieht das wunderbar aus, da stehen die Häuser auch in viele Hektar großen Privatgrundstücken und erlauben atemberaubende Ausblicke.
In der Praxis trifft der Blick aber nicht auf die irische Atlantikküste oder toskanische Pinienwälder, sondern auf die Pupille des Nachbarn. Der guckt nämlich aus zehn Metern Entfernung auch gerade aus dem Fenster, direkt in die eigene Wohnung.
Bezeichnenderweise waren in den bewohnten Wohnungen die großen Glasflächen mit Vorhängen verhängt. Statt mehr Ausblick bringen die raumhohen Fenster am Ende also weniger, nämlich gar keinen Ausblick mehr.
Warum die Architektur trotzdem stur an den Glaswänden festhält, ist mir ein Rätsel. Aber vielleicht ist unter den Lesern ja ein Architekt, der mir das erklären kann.

Kommentar

  1. Anonym

    Was für ein geniales und treffendes Plonerische Bonmot mit der „Blick auf die Pupille des Nachbarn“.

    Eine tolle Steigerung zur ironischen Bemerkung der Überbelegung.

    So rasch wird man als Architekt mit Recht zum Gespött.

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