Schondorfs Ballermann?

Bekanntlich hat der Schondorfer Gemeinderat entschieden, dass es in der Seeanlage ein zeitweises Alkoholverbot gibt (siehe Alkoholfrei). Viele im Ort waren davon überrascht, weil das in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen wurde. Wie kam es zu dem Verbot und wie soll es nun weiterghen? Das wurde am 7. November bei einer Bürgersprechstunde im Rathaus diskutiert.

Alkoholverbot in der Seeanlage

Das Thema schlägt in den sozialen Medien hohe Wellen und wird dort eifrig kommentiert. Das Interesse an einer persönlichen Diskussion ist anscheinend deutlich geringer. Die Teilnehmerzahl bei der Bürgersprechstunde war ausgesprochen überschaubar. Jugendliche, die am direktesten von der Angelegenheit betroffen sind, verirrten sich nicht in den Sitzungssaal. Auch Vertreter der Gastronomie an der Seeanlage glänzten durch Abwesenheit.

Skulptur in der Seeanlage in Schondorf am Ammersee
Erschöpfung nach der Party

Wie schlimm ist es?

Erst einmal wurde darüber gesprochen, wie schlimm die Situation eigentlich ist. Die meiste Zeit geht es in der Seeanlage ruhig und friedlich zu. Allerdings gab es heuer auch Abende, die alles andere als ruhig und friedlich waren. Erst artete eine Schülerparty in der Seepost aus, endete mit Komasaufen, Krawall und Sachbeschädigungen (Kreisbote: https://www.kreisbote.de/lokales/landsberg/schondorfer-gemeinderat-erlaesst-alkohol-musikverbot-10352456.html). Die Gemeinde erließ deshalb für die nächste angemeldete Veranstaltung ein Alkoholverbot in der Seeanlage. Genützt hat es nur teilweise. Am See war es zwar ruhiger, aber im Ort schlugen wieder ein paar betrunkene Vandalen zu (Landsberger Tagblatt: https://www.augsburger-allgemeine.de/landsberg/Bei-einer-Party-in-Schondorf-gehen-zwei-Maenner-aufeinander-los-id52555211.html).

Keine Patentrezepte

Das wird sich auch in Zukunft nicht völlig vermeiden lassen. Bürgermeister und Gemeinderatsmitglieder erklärten ganz offen, dass man kein Patentrezept gegen Krawall am See hat. Das Verbot von Alkohol und lauter Musik gibt der Polizei immerhin eine Möglichkeit zum Eingreifen. Allerdings hat die Polizei auch so genug zu tun, gerade an den Wochenenden. Die Wache in Dießen wird wahrscheinlich nicht personell verstärkt, um das Alkoholverbot der Gemeinde zu überwachen.

Einigkeit herrschte darüber, dass man in Schondorf kein generelles Alkoholverbot wie in Herrsching oder Utting möchte. Die Einschränkungen sollen nur bei „Gefahr in Verzug“ greifen, wenn die nächste große Party geplant ist.

Sozialarbeiter am See

Ebenfalls einig waren sich alle Anwesenden, dass neue Verbote das Problem bestenfalls verlagern, aber nicht lösen. Was man außer Verboten tun könne, darauf hatte niemand eine Antwort. Die Gemeinde könne ja nicht gut einen eigenen Streetworker für die Jugendlichen in der Seeanlage anstellen, hieß es resignierend. Warum eigentlich nicht? Für einen privaten Sicherheitsdienst ist beispielsweise in Utting auch Geld da. Warum dieses Geld nicht lieber in Prävention statt Überwachung stecken? Vielleicht könnte man sich das auch mit den Nachbargemeinden teilen, oder den Landkreis mit ins Boot holen.

Gemeinderat Wolfram Häberle regte schließlich an, das Thema in einer öffentlichen Sitzung zu besprechen. Das wird wegen des vollen Terminplans allerdings erst 2019 passieren. Bis dahin sollen Ideen gesammelt werden. Wer Vorschläge hat, wie sich das Alkoholverbot in der Seeanlage vermeiden lässt, möge sich bitte bei der Gemeinde Schondorf melden.

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