Mir hat geträumt

Mir hat geträumt: In München haben sich nach dem Oktoberfest Anwohner mit einem Brief an die Stadt beschwert. Privatgrundstücke wurden betreten und teilweise als Toiletten benutzt. Viele Flaschen wurden abgestellt und teilweise zerschlagen. Die Anwohner seien von Wiesnbesuchern bis 4 Uhr früh belagert worden, wird in dem Schreiben geklagt. Die Stadt reagiert sofort auf diesen Protest. In einer Bannmeile um die Theresienwiese gilt zum Oktoberfest ein striktes Alkoholverbot. Als weitergehenden Schritt kann sich der Bürgermeister vorstellen, dieses Areal während der Wiesn ganz zu sperren. Denkbar ist auch eine von den Wiesnwirten bezahlte eigene Security. Die patrouilliert dann außerhalb der Theresienwiese und sorgt dort für Ruhe und Ordnung. Der zweite Bürgermeister meint: „Das Oktoberfest muss wieder schrumpfen.“ Die Dauer soll auf die Hälfte reduziert werden. Außerdem überlegt man, die Wiesn an einen anderen Ort zu verlegen, vielleicht nach Ramersdorf.

Da bin ich aufgewacht.

Sammersee Beschwerden

Ich habe mich gewundert, wo so ein blöder Traum herkommt. Dann ist es mir wieder eingefallen. Ich hatte vor dem Schlafen noch einen Artikel im Landsberger Tagblatt gelesen: Sammersee-Festival – Die Anwohner gehen auf die Barrikaden https://www.augsburger-allgemeine.de/landsberg/Sammersee-Festival-Die-Anwohner-gehen-auf-die-Barrikaden-id52852906.html

Von einigen Anwohnern gab es nach dem heurigen Sammersee Beschwerden. Diese wurden in der letzten Gemeinderatssitzung behandelt, und jetzt überlegt man genau die oben aufgezählten Konsequenzen. Man muss in meinem Traum nur „München“ durch „Schondorf“, und „Oktoberfest“ durch „Sammersee“ ersetzen. Dann entspricht diese, auf den ersten Blick irrwitzige, Geschichte plötzlich den Tatsachen.

Oansno auf dem Sammersee Festival 2018
Oansno auf dem Sammersee Festival 2018

Oktoberfest wird nicht verkürzt

Also keine Sorge, liebe Leserinnen und Leser, das Oktoberfest findet auch 2019 wie gewohnt statt. Die Betreiber wissen um ihre Bedeutung als Wirtschaftsfaktor, die Stadt drangsaliert sie nicht mit allzu strengen Auflagen. Die Wiesnwirte haben Geld, Macht und eine starke Lobby.

Die Sammersee-Macher haben das nicht. Sie sind keine professionellen Wirte, sondern organisieren das Festival ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Das machen sie meiner Meinung nach ganz hervorragend. Ich bin wirklich ein Fan dieser Veranstaltung (siehe Super Sammersee 2018). Die Stimmung ist dort fröhlich und entspannt, alle gehen nett miteinander um, und ich habe auf dem Festival noch nie eine Auseinandersetzung erlebt.

Von Anwohnern gibt es nach Sammersee Beschwerden

Auch mit dem Drumherum habe ich keine Probleme. Ich wohne Luftlinie ungefähr 300 Meter vom Festivalgelände, da kriege ich schon mit, wie das Ganze abläuft. Habe ich schon weggeworfene Flaschen in meinem Garten gefunden? Ja, und wahrscheinlich hat mir auch schon mal jemand in die Hecke gepinkelt. Das ist nicht schön, aber es ist nicht schlimmer, als an jedem anderen Wochenende im Sommer.

Musik und Gelächter

Es stimmt auch, dass ich die Musik auf meinem Balkon hören kann, und dass auf der Straße mehr als üblich gelacht, gesungen und gequatscht wird. Mich stört das nicht, denn es sind ja nur zwei Abende im Jahr. Wenn mir das schon zuviel Lebendigkeit wäre, hätte ich mir besser eine Wohnung neben dem Friedhof gesucht.

Aber das ist natürlich nur meine Einschätzung. Vielleicht erleben andere Anwohner das anders. Es würde mich interessieren, wie ihr das Sammersee Open Air wahrnehmt. Hattet ihr schon Ärger mit den Festivalbesuchern? Wie sind eure Erfahrungen? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Kommentare

  1. Ferdinand Peer

    Lieber Herr Ploner,

    danke für diesen treffenden Blog.

    Ich wohne direkt am Festivalgelände und bin jedes Jahr aufs Neue beeindruckt, wie hier fröhlich, friedlich und rücksichtsvoll generationsübergreifend gefeiert wird.

    Die Organisatoren betreiben nicht nur für das Open Air einen enormen Aufwand, sie sind gleichzeitig ausgesprochen engagiert, die Beeinträchtigungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten. Und eventuell sich trotzdem in den Garten verirrte Bierflaschen sind schnell beseitigt.

    Freitag und Samstag wird gefeiert, am frühen Sonntagmorgen abgebaut, aufgeräumt und die Straße gekehrt. Besucht man am Sonntag nach dem Festival das Cafe Forster, kann man sich kaum vorstellen, dass an den beiden Tagen zuvor hier ein großes Open Air stattgefunden hat.

    So manche aus dem Ruder gelaufene Privatveranstaltung (ganz abgesehen von der Silvesternacht) dürfte auch in den Seeanlagen mehr Spuren hinterlassen haben, als Sammersee mit einigen tausend Besuchern.

    Sammersee Open Air ist ein Highlight in Schondorf. Es wäre sehr schade, wenn diese Veranstaltung künftig so nicht mehr möglich wäre.

    • Leopold Ploner

      Ich habe auch den Eindruck, dass die Straßen rund um das Strandbad Forster nach dem Sammersee aufgeräunter sind, als an den meisten „normalen“ Sonntagmorgen im Sommer.

  2. Eigentlich sollte es heißen: Sammersee verärgert einge Anwohner
    Der Verfasser des Anliegerschreibens an die Gemeinde Schondorf und auch die Unterschriftenhausierer dürfen jedoch nicht mit der Mehrheit der Schondorfer Bevölkerung gleichgesetzt werden.
    Die Schondorfer stehen dem Sammereseefestival und der dortigen Jugendarbeit überwiegend positiv gegenüber. Das Gelände befindet sich lt. Flächennutzungsplan im „Sondergebiet Tourismus“. Alle die dort wohnen kennen die Vorteile und die Nachteile.
    Mit dem Sammersee Team wurde ein Nutzungsvertrag geschlossen, der Rechte und Pflichten regelt. Man kann dem Sammersee Team vertrauen – der Vertrag wurde exakt eingehalten. Auf den Forster Areal gab es keine Schäden und auch keine Wildpisser. Das Gelände und die WCs wurden am Sonntag wie vereinbart sauber zurückgegeben.
    Wenn in der Seeanlage oder im Umfeld auf anderen Partys gesoffen und randaliert wird, hat das mit den friedlichen Festivalbesuchern nichts zu tun.

    Nach den skrupellosen Verkäufern der Schnapsflaschen an die Jugendlichen fragt niemand.

    Das Sammersee Team muss die Verantwurtung auf den gepachteten Flächen übernehmen – und nur dort.

    Bei allen anderen Flächen ist das Sache der Gemeinde, der Grundeigentümer ggfl der Polizei, die die Täter zur Verantwurtung zieht.

    Ein Fußballverein ist auch nicht für den Bahnhof oder die Straßen verantwortlich, wenn dort randaliert wird.

    Seitens der Gemeinde wurden dem Sammersee Team erhebliche Sicherheitsauflagen gemacht. Das erhöht die Kosten und zwingt förmlich dazu, das Festival zu vergrößern.

    Ist es da von der Gemeinde zuviel verlangt. wenn sie sich unter dem Motto „fordern und fördern“ um die Jugendlichen kümmert?

    Unmittelbarer Anwohner

    A. Ernst

    • Leopold Ploner

      Vielen Dank für diesen Kommentar. Ich war schon skeptisch, als in der Zeitungsüberschrift behauptet wurde, dass „Die Anwohner“ gegen das Festival auf die Barrikaden gehen. Schön zu sehen, dass es auch positive Stimmen von den Anrainern gibt.

  3. Jürgen Grieving

    Stimme vollumfänglich zu. Habe 5 Jahre An der Point gewohnt und jedes Sammersee genossen. Wenn das Festival umziehen muss, ist es erledigt. Wäre schade für das tolle Team und die gute Sache😒

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