Der Rubens des Impressionismus

„Rubens des Impressionismus“ war der Spitzname des Malers Paul Paede, weil er vor allem für seine Aktbilder bekannt war. Die Paul Paede Ausstellung im Schondorfer Studio Rose (http://www.studio-rose-schondorf.de/) gibt jetzt zum ersten Mal überhaupt ein umfassendes Bild dieses Künstlers. Sie zeigt, dass sein Repertoire weit vielfältiger war, als nur die Darstellung nackter Frauen.

Corinth und Paede

Der 1868 in Berlin geborene Paede hatte schon eine erfolgreiche Berufslaufbahn als Lithograph hinter sich, als er sich entschied, freischaffender Maler zu werden. 1900, also im Alter von bereits 32 Jahren, zog er nach München, wo er an der Kunstakademie aufgenommen wurde. Sein Lehrer war Ludwig von Löfftz, bei dem auch Lovis Corinth studierte. Corinth und Paede haben sich also höchstwahrscheinlich kennengelernt. Beide waren vom französischen Impressionismus beeinflusst, allerdings gingen sie unterschiedliche Wege.

Lovis Corinth erhielt in München damals nicht die erhoffte Anerkennung und ging nach Berlin. Paede dagegen scheint sich gut etabliert zu haben. Er wurde Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft, erhielt schon nach dem ersten Semester ein Stipendium, und bereiste Frankreich, Italien und die Schweiz. Er hatte eine Wohnung in München, die Sommer verbrachte er mit seiner Frau und den beiden Söhnen gerne in Schondorf.

Der Maler in Schondorf

Katalog zur Paul Paede Ausstellung in SchondorfWo genau er hier gewohnt hat, ist nicht ganz sicher. Es scheint wohl in der Nähe des Hauses von Hans Pfitzner gewesen zu sein. Eine Enkelin des Malers erzählte nämlich bei der Vernissage, dass ihr Großvater mit seinem Nachbarn nicht gut zurechtkam. Er habe den Komponisten als einen Kotzbrocken bezeichnet.

Ansonsten scheint es der Familie Paede hier aber gut gefallen zu haben. Die Ausstellung im Studio Rose zeigt eine ganze Reihe von Landschaftsbildern, die am und um den Ammersee entstanden sind.

Landschaften und Akte

Auch wenn die Bilder nicht datiert sind, kann man doch eine ungefähre Reihenfolge erahnen. Der Bogen geht von fast noch naturalistischen Landschaften mit impressionistischen Anklängen zu einem immer freieren Umgang mit dem Pinsel. In manchen Bildern könnte das Lichtspiel in den Blättern eines Baumes oder auf dem Wasser des Sees auch abstrakte Malerei sein. Allerdings setzt Paede vor diesen Hintergrund immer mal wieder ein paar nackte Mädchen. Ich vermute, das war ein Zugeständnis an den Geschmack seiner Kunden.

Ich persönlich finde seine Aktbilder übrigens ziemlich trivial. Meistens stehen oder liegen die Frauen in den tausendfach bekannten Posen, so als hätte sich Paede aus einem Setzkasten für Aktmaler bedient. Eine Ausnahme ist ein Halbakt seiner Frau Olga, in dem sie sich vom Betrachter wegdreht. Das wirkt, auch wegen der verwischten Konturen, fast wie ein fotografischer Schnappschuss.

Detektivarbeit

Die Paul Paede Ausstellung wurde von der Kunsthistorikerin Sivia Dobler im Auftrag der Gemeinde Schondorf zusammengestellt. Frau Dobler hat dabei wahre Detektivarbeit geleistet, um rund 60 Bilder in privaten Sammlungen in ganz Deutschland und im Ausland aufzustöbern. Damit war es natürlich noch nicht getan. Es brauchte noch viel Überzeugungsarbeit, um die Gemälde und Lithographien für die Ausstellung auszuleihen. Im Studio Rose sieht man also eine Sammlung von Bildern Paul Paedes, die es so später wahrscheinlich nie mehr zu sehen geben wird.

Vernissage der Paul Paede Ausstellung
Sehr gute besuchte Vernissage der Paul Paede Ausstellung

Der Erfolg zeigt, dass der Aufwand sich gelohnt hat. Die Liste, mit der die Besuche gezählt werden, hatte letztes Wochenende bereits über 500 Striche. Noch gar nicht mitgerechnet sind hier die rund 120 Leute, die bei der Vernissage waren.

Weder verfemt noch verarmt

Warum ist Paede eigentlich in der Kunstgeschichte heute so wenig beachtet? Zum einen muss man zugeben, dass er kein großer Erneuerer der Malerei war. Anders als Corinth oder Marc arbeitete er nicht mit radikal neuen Sujets oder Maltechniken. Er blieb dem Impressionismus treu, für den er eine eigenständige Handschrift fand.

Zum anderen liegt die mangelnde Bekanntheit Paedes vielleicht auch daran, dass er weder zeitlebens verkannt, noch verarmt oder im Wahn dahingesiecht ist. Der Kunstmarkt mag ja gerne solche Biographien von schwer leidenden Genies. Paede dagegen konnte von seiner Malerei gut leben, hatte eine hübsche Frau und zwei gesunde Kinder, und ging gerne auf Reisen.

Zwei Bilder in der Ausstellung zeigen ihn auf der Terrasse von Schloss Mittersill in Salzburg, wo die Familie Gast des Kunsthändler Hugo von Grundherr zu Altentann war. Die Szene strahlt eine ruhige Zufriedenheit, ein stilles Glück aus. Der eventuelle Nachruhm wird Paul Paede in solchen Momenten nicht so wichtig gewesen sein.

Kinder interpretieren Paul Paede
Nach einer Führung durch die Ausstellung malten Schondorfer Kinder ihre Interpretationen der Bilder von Paede

Die Paul Paede Ausstellung ist in Schondorf noch bis zum 23. Juni zu sehen. Am 16. Juni gibt es zur Halbzeit ein Intermezzo, ein Zwischenspiel. Paedes Enkelin Henrike und die Sopranistin Marie Schmalhofer singen ab 18:00 Uhr Duette der Romantik, begleitet von der Pianistin Stephanie Knauer.

Paul Paede Ausstellung

Studio Rose
Bahnhofstrasse 35
Schondorf am Ammersee

Öffnungszeiten
1. bis 23. Juni 2019
täglich 10:00 bis 18:00 Uhr

http://www.studio-rose-schondorf.de/

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