Kein Rot in Schondorf

Am 15. März findet bei uns die Gemeinderatswahl statt. Die SPD Schondorf wird dabei nicht mit einer eigenen Liste antreten. Auch für das Amt des Bürgermeisters kandidiert die Partei nicht. In der Presse war das nur eine kurze Meldung: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/kommunalwahl-am-ammersee-die-gruenen-im-aufwind-die-spd-am-boden-1.4661411. Für mich aber ist das eine Art Zeitenwende. Zum ersten Mal in meinem Leben werde ich Wahlergebnisse ohne einen roten Balken sehen.

Der rote Balken

Wahllakat Seeanlage Schondorf
Da war die SPD noch im Hoch

Solange ich mich zurückerinnern kann, dominierten bei der Darstellung von Wahlergebnissen die Farben Schwarz und Rot. (Streng genommen war es am Anfang Schwarz und Hellgrau. Farbfernseher waren in meiner Kindheit noch nicht üblich und auch Zeitungen wurden noch nicht vierfarbig gedruckt.)

Rund fünfzig Jahre lang sah ich Wahlanalysen, bei deren Balken- und Kreisdiagrammen Schwarz und Rot den größten Raum einnahmen. Daneben gab’s noch ein bisschen Gelb. Später kam Grün dazu, verschwand wieder, kehrte zurück und wuchs.

SPD Schondorf ohne Liste

Bundestagswahl 2017 Schondorf
Schon bei der Bundestagswahl hat die SPD in Schondorf geschwächelt

Der rote Balken wurde in den letzten Jahren immer kleiner. Trotzdem konnte ich mir nie vorstellen, dass er ganz verschwinden könnte. Genau das wird aber bei der heurigen Gemeinderatswahl passieren, weil die SPD Schondorf mit keiner eigenen Liste antritt.

Das ist schon erstaunlich, wenn man sich die Vergangenheit in Erinnerung ruft. Vor sechs Jahren stellten die Sozialdemokraten mit Peter Wittmaack noch den Bürgermeister. Auch in der aktuellen Sitzungsperiode belebten ihre Ratsmitglieder Marlene Orban und Michael Deininger immer wieder die Diskussionen.

Dass die SPD Schondorf nun gar keine Liste aufstellt mag Gründe im Ortsverband haben. Ich will daraus nicht gleich auf den Zustand der Sozialdemokraten im Allgemeinen schließen. Aber es ist schon auffällig, dass es gerade jetzt passiert, wo die SPD bei praktisch jeder Wahl von einem historischen Tiefststand zum nächsten taumelt. Auch am Ammersee mussten die Sozialdemokraten sowohl bei der Bundestagswahl (Schwarz, Gelb, Grün, Rot) als auch bei der Landtagswahl kräftig Federn lassen.

Es fehlt etwas

Ich fange jetzt nicht damit an, den Zustand der Partei zu analysieren. Und ich werde auch keine Tipps geben, wie man es besser machen könnte. Woran bei der SPD am allerwenigsten Mangel herrscht, sind gute Ratschläge.

Dabei haben sich die Themen der SPD nicht erledigt. Anständige Arbeitsbedingungen, gutes Wohnen, Solidarität mit Schwächeren, gleiche Chancen für alle – All das ist heute noch so aktuell wie zu den Zeiten, als die Parteihymne Wenn wir schreiten Seit‘ an Seit‘ entstanden ist. Jedenfalls wird mir der rote Balken fehlen, und das hat nicht nur nostalgische Gründe.

Kommentare

  1. Gerhard Guggenmos

    Das wusste ich nicht. Ich bin erschüttert. Mir geht’s wie Ihnen und ich würde alle Ihre Gedanken mit unterschreiben. Ich kann ja nachvollziehen, dass es heute schwer ist, klare Positionen zu finden, z. B. für die Interessen des „kleinen Mannes“ ohne sich gleichzeitig gegen die Unternehmer oder andere Ziele und Nützliches für das Gemeinwohl zu stellen. Und ich kann die Wähler verstehen, die die Klarheit vermissen, wo die SPD nun steht und daher nach Jahrzehnten z. B. zu Grün wechseln. Ich bin selbst so einer.
    Aber dass die SPD jetzt gar nicht mehr antritt, das fasse ich einfach nicht. Ich hoffe, es war kein Entschluss, sondern dem Umstand geschuldet, dass sich keine Kandidaten fanden, was schlimm genug wäre.

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