Unser Papierfall

Endlich haben wir unseren Papierfall im Haus. Wobei das nicht ganz stimmt. Im Haus haben wir ihn schon länger, nur lag er bislang zusammengefaltet auf einer Kommode. Jetzt macht er das, wofür er da ist, und fällt frei vom Treppengeländer. Ihr fragt euch nun wahrscheinlich, was das überhaupt ist, ein Papierfall.

Grundrauschen

Der Papierfall ist ein Objekt der Dießener Künstlerin Nuë Ammann (http://nue-ammann.de/). Zur Entstehungsgeschichte muss ich aber ein bisschen weiter ausholen. Die beginnt nämlich mit dem sehr originellen Projekt Grundrauschen, das letzten Sommer im Dießener Taubenturm zu sehen war. Sabine Jakobs, Annunciata Foresti, Sylvia Meier, Elias Naphausen, Nuë Ammann und Annette Rießner machten sich daran, das spezifische Lebensgefühl am Ammersee künstlerisch darzustellen.

Dazu fing die Akkordeonistin Rießner mit dem Tonband kleine Klangschnipsel im Ort ein, zum Beispiel das Plätschern des Wassers, Gesprächsfetzen auf der Straße, oder den Flügelschlag von Vögeln. Diese Aufnahmen gab sie den anderen Beteiligten, die sich davon zu eigenen Kunstwerken inspirieren ließen.

Wasserrauschen aus Papier

Papierfall von Nuë Ammann

Nuë Ammann erwischte das Tonband mit Wasser- und Wellenrauschen. Ihre Arbeiten haben meistens mit Text, Zeichen und Schrift zu tun, das Papier ist sozusagen ihr gewohntes Arbeitsmaterial. Das verwendete sie auch hier, nur diesmal ganz ohne Beschriftung. Sie weichte das Papier ein – natürlich mit Wasser aus dem Ammersee – und nahm einen Abdruck der Planken eines Bootssteges. Dann schnitt, faltete und nähte sie das Papier in die Form eines Wasserfalls. So entstand der Papierfall.

Meine Frau und ich waren spontan begeistert, als wir Grundrauschen im Taubenturm sahen. Wieder einmal konnten wir unserer Kunstsucht nicht widerstehen, und so hängt der Papierfall jetzt in unserem Treppenhaus.

Kunstwerk "Papierfall"

Vom Klang zum Bild und zurück

Das Projekt Grundrauschen hörte an dieser Stelle nicht auf, sondern hatte noch eine weitere Volte. Aus den von ihren Tonaufnahmen inspirierten Kunstwerken machte Annette Rießner nämlich ihrerseits wieder kleine Musikstücke. Beim Papierfall von Nuë Ammann dachte sie an einen Bach, genauer gesagt einen Johann Sebastian Bach. Sie komponierte ein Stück, das sich an Bachs Präludium und Fuge c-Moll anlehnt.

Eine schöne Beschreibung des Projektes Grundrauschen erschien in der Süddeutschen Zeitung:
https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/kultur-in-diessen-klangbilder-im-taubenturm-1.4528622

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